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Fairphone 6+ im Test: Dieses Handy soll länger halten als die Konkurrenz

Fairphone 6+: Für das modulare Smartphone aus Europa gibt es Software-Updates bis zum Jahr 2033.
Fairphone 6+: Für das modulare Smartphone aus Europa gibt es Software-Updates bis zum Jahr 2033.bild: fairphone
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Bye-bye Apple und Samsung? Das taugt das Fairphone 6+ wirklich

Reparieren statt Wegwerfen: Das Fairphone 6+ setzt weiter auf Module zum Selbsttausch, nachhaltige Produktion und eine lange Update-Garantie. Im Test zeigt sich, wie stark das Konzept im Alltag trägt.
26.08.2026, 08:0326.08.2026, 08:54
Ein Artikel von
t-online

In einer von Wegwerfmentalität geprägten Technikwelt schwimmt ein kleiner Hersteller aus den Niederlanden seit über einem Jahrzehnt beharrlich gegen den Strom: Fairphone. Mit dem Fairphone 6+ schicken die Pioniere der Nachhaltigkeit ihr neuestes Flaggschiff ins Rennen.

Für 549 Franken verspricht das Gerät nicht nur maximale Reparierbarkeit, sondern auch ein deutliches Leistungs-Upgrade im Vergleich zum Vorgängermodell. Wir haben das modulare Smartphone in einem ausführlichen Praxistest unter die Lupe genommen.

Fairphone 6+: Das Smartphone ist in den drei Farben Blau, Grün und Schwarz erhätlich.
Fairphone 6+: Das Smartphone ist in den drei Farben Blau, Grün und Schwarz erhätlich.bild: fairphone

Modularität als Trumpf: Ein Smartphone zum Selbstschrauben

Der modulare Aufbau bleibt das absolute Alleinstellungsmerkmal des Fairphone 6+. Während etablierte Branchenriesen ihre Akkus, Displays und Rückseiten bombenfest verkleben, reicht beim Fairphone 6+ ein gewöhnlicher Torx-5-Schraubenzieher für die Reparatur.

Insgesamt zwölf interne Komponenten – darunter das Display, der Akku, der USB-C-Anschluss sowie die Kameras – lassen sich mit wenigen Handgriffen und ohne Fachkenntnisse selbst austauschen. Die Ersatzteilpreise sind dabei fair kalkuliert: Ein neues Display kostet im Herstellershop knapp 90 Euro, ein Ersatz-Akku 40 Euro und das Hauptkameramodul 70 Euro.

Fairphone 6+: Zwölf interne Komponenten lassen sich vom Nutzer selbst spielend leicht austauschen.
Fairphone 6+: Zwölf interne Komponenten lassen sich vom Nutzer selbst spielend leicht austauschen. bild: Fairphone

Mehr als 50 Prozent recycelte Materialien und leicht reparierbar

Auch beim Thema Nachhaltigkeit setzt das 6+ Massstäbe: Mehr als 50 Prozent der Gesamtmasse des Telefons bestehen nach Herstellerangaben aus fair gewonnenen oder recycelten Materialien wie Kobalt und Gold. Bei den Kunststoffen geht Fairphone sogar noch einen Schritt weiter: Diese bestehen zu über 93 Prozent aus sogenanntem Post-Consumer-Rezyklat, also aus Plastikabfällen, die aus privaten Haushalten stammen und aufwendig wiederverwertet wurden.

Zudem gilt das Smartphone laut Hersteller als vollständig Elektroschrott-neutral. Während andere Handys bei Defekten wegen fest verklebter Bauteile oft direkt auf dem Müll landen, lässt sich das Fairphone 6+ dank seiner austauschbaren Module leicht reparieren. Zusammen mit Updates bis 2033 wird das Gerät so langlebig, dass die Entstehung von Elektromüll von vornherein drastisch minimiert wird.

Fairphone verbessert die Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette gezielt durch faire Löhne und sichere Minenarbeitsbedingungen. Das niederländische Unternehmen legt seine Lieferkette offen und benennt auch kritisch die Herausforderungen der Branche, anstatt perfekte Bedingungen vorzutäuschen.

Mehr Leistung auf dem Papier – aber kaum spürbar im Alltag

Die wichtigste Neuerung des Plus-Modells im Vergleich zum Basismodell, dem weiterhin erhältlichen Fairphone 6, versteckt sich im Inneren. Erstmals spendiert der Hersteller dem Gerät üppige zwölf Gigabyte (GB) des besonders schnellen und energiesparenden Arbeitsspeichers (RAM) der neuesten Generation. Unterstützt wird dieser von dem moderneren Hauptprozessor Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4. Auf dem Papier verspricht dies ein spürbares Leistungsplus und bis zu 20 Prozent höhere Multitasking-Performance.

Labor- und Praxistests zeichnen jedoch ein nüchterneres Bild: Im Alltag und beim Navigieren durch Standard-Apps läuft das Fairphone 6+ zwar absolut flüssig, ein spürbarer Geschwindigkeitsunterschied zum normalen Fairphone 6 lässt sich jedoch kaum ausmachen. Allein in Benchmark-Tests zeigt sich ein messbarer Zuwachs: Im Single-Core-Test von Geekbench 6 legt das Gerät sichtbar zu (auf bis zu 1'302 Punkte), während im Multi-Core-Test rund 3'616 Punkte erreicht werden. Für anspruchsvolle, grafikintensive 3D-Spiele stösst der Adreno-Grafikchip jedoch schneller an seine Grenzen als die Konkurrenz.

Gutes Display, solider Akku

Der 6,31 Zoll grosse, kontraststarke Bildschirm liefert lebendige Farben und echtes Schwarz. Er ist dank einer speziellen Kunststoff-OLED-Bauweise besonders robust. Zudem passt er die Bildrate automatisch an: Beim schnellen Wischen läuft alles butterweich, beim Lesen schaltet er in einen Stromsparmodus. Dank der hohen Helligkeit von bis zu 1400 Nits spiegelt im Freien fast nichts.

Bild
bild: fairphone

Unzeitgemäss wirken hingegen die recht breiten, asymmetrischen Displayränder, die dem Telefon eine etwas klobige Optik verleihen. Mit einer Dicke von fast 10 Millimetern und einem Gewicht von 191 bis 193 Gramm ist das Fairphone 6+ zudem kein echter Handschmeichler.

Auch beim selbst austauschbaren Akku spielt das 6+ nicht in der internationalen Spitzenliga. Obwohl die Batterie dieselbe Kapazität von 4415 mAh aufweist wie das Basismodell, hielt das Fairphone 6+ im PCMark-Akkutest nur gute zwölf Stunden durch – das sind anderthalb Stunden weniger als das Fairphone 6. Ein normaler Arbeitstag lässt sich damit zwar bewältigen, ein wirkliches Upgrade-Argument ist der Akku jedoch nicht. Geladen wird der Akku übrigens mit soliden 30 Watt.

Der Akku lässt sich selbst austauschen.
Der Akku lässt sich selbst austauschen. bild: fairphone

Kamera: Gute Schnappschüsse, aber schwacher Zoom

Das Kamerasystem setzt auf einen 50-Megapixel-Hauptsensor (Sony Lytia 700C) mit optischer Bildstabilisierung (OIS) und einem 13-Megapixel-Ultraweitwinkelobjektiv. Die Hauptkamera liefert bei Tageslicht ordentliche Fotos mit natürlichen Farben und scharfen Details, neigt in dunkleren Bereichen jedoch zu leichtem Rauschen. Hervorragend gelingen Makroaufnahmen, bei denen das 6+ eine ansprechende Unschärfe für den Hintergrund erzeugt.

Schwierigkeiten bereiten jedoch die Zoom-Fähigkeiten und die Bildverarbeitung: Der zehnfache Digitalzoom liefert häufig verwaschene Ergebnisse und ist im Alltag kaum zu gebrauchen. Zudem arbeitet die Software inkonsistent; gelegentlich werden Hintergründe künstlich unscharf gerechnet, und bei direkt nacheinander aufgenommenen Selfies mit der hochauflösenden 32-Megapixel-Frontkamera traten sichtbare Unterschiede bei der Farbdarstellung auf. Diese Schwächen könnte Fairphone allerdings mit einem Software-Update ausbügeln.

Software-Versprechen: Updates bis ins Jahr 2033

Ein echtes Highlight ist das Software-Versprechen: Das Fairphone 6+ wird ab Werk mit einem sauberen, unmodifizierten Android 16 ausgeliefert und soll garantierte Software-Updates bis zum Jahr 2033 erhalten. Das ist in dieser Preisklasse unschlagbar und sorgt für eine enorme Langlebigkeit. Wer möchte, kann das Gerät zudem mit dem Google-freien Betriebssystem e/OS erwerben.

Ein nettes Hardware-Gimmick ist zudem der auffällige, gelbe Moments-Schalter an der Seite. Über diesen physischen Schieberegler lässt sich der Fairphone Moments genannte Fokusmodus aktivieren, der die Nutzbarkeit des Smartphones auf wesentliche Apps wie Karten oder Kamera reduziert, um Ablenkungen im Alltag zu minimieren. Der Schalter kann aber auch mit anderen Funktionen belegt werden, etwa dem Ein- und Ausschalten der Taschenlampe.

Fazit: Das zukunftssicherste Fairphone – aber lohnt der Aufpreis?

Fairphone-Evullotion: Die Geräte haben sich über die Jahre konsequent weiterentwickelt.
Fairphone-Evullotion: Die Geräte haben sich über die Jahre konsequent weiterentwickelt.bild: fairphone

Das Fairphone 6+ ist zweifellos ein gut verarbeitetes und konsequent nachhaltiges Smartphone. Mit einer einzigartigen Herstellergarantie von fünf Jahren, der herausragenden Reparierbarkeit und dem Update-Versprechen bis 2033 setzt es Standards, die andere Hersteller in dieser Fülle nicht anbieten können.

Doch der derzeitige Aufpreis von rund 100 Franken gegenüber dem Standardmodell (kostet inzwischen rund 440 Franken) ist schwer zu rechtfertigen. Im täglichen Gebrauch ist das Leistungsplus des Snapdragon 7s Gen 4 kaum spürbar, während die schwächere Akkulaufzeit und die Software-Macken der Kamera den Gesamteindruck trüben.

Wer bereits ein normales Fairphone 6 besitzt, hat keinen vernünftigen Grund für einen Wechsel. Neukäufer, die das Gerät möglichst lange behalten möchten, greifen wegen der zwölf GB RAM und des Supports zum Plus-Modell. Und wer als Neukäufer vor allem ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, fährt mit dem günstigeren Fairphone 6 wahrscheinlich besser.

(dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Chnebeler
26.08.2026 08:39registriert Dezember 2016
Bezuglich Leistungstests glaube ich ja nicht, dass das neuste Samsung Flagshiff oder IPhone spürbare Leistungsverbesserungen in den Alltagsapps zeigt. Die Dinger sind mittlerweile schlicht zu Leistungsstark um nur das Wetter oder News zu lesen.
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