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Test: Darum ist das neue Fairphone 5 endgültig massentauglich

Das Fairphone 5 mit Android 13 kostet rund 600 Franken. Es ist ab dem 14. September 2023 verfügbar.
Das Fairphone 5 soll bis 2033 Software-Updates erhalten.Bild: watson
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Ich bin für zwei Wochen auf das neue Fairphone 5 umgestiegen und das kam dabei raus

Das nachhaltigste und am einfachsten zu reparierende Smartphone soll bis 2033 Software-Updates erhalten. Ob das neue Fairphone 5 nicht nur fair und langlebig, sondern auch gut ist, verrät unser Test.
14.09.2023, 09:09
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Das Fairphone 5 ist ab sofort verfügbar. Der Testbericht pünktlich zum Verkaufsstart hing allerdings am seidenen Faden: Statt bei watson landete das Testgerät aus Holland versehentlich bei einer Firma namens Watson Marlow. Nach einigem Hin und Her konnte ich das Fairphone 5 doch noch kurz vor meinen Ferien im schönen Glarnerland in Empfang nehmen und ausgiebig testen.

Eine Bemerkung vorweg: Über die Unterschiede zwischen einem Fairphone und herkömmlichen Smartphones haben wir bereits ausführlich berichtet. Ich gehe daher in diesem Erfahrungsbericht nicht vertieft auf die gesellschaftlichen und ökologischen Aspekte ein. Nur so viel: Das Fairphone 5 wird möglichst sozial- und umweltverträglich produziert, es kann einfach und günstig selbst repariert werden, erhält acht bis zehn Jahre Software-Support und kommt mit einer fünfjährigen Herstellergarantie.

So weit, so gut. Mich interessiert aber, ob das auf Langlebigkeit getrimmte Android-Smartphone auch im Alltag oder eben in den Ferien überzeugt. Zur Sicherheit nahm ich noch mein Samsung-Handy mit, man weiss ja nie.

Der erste Eindruck

Das Testgerät für diesen Artikel wurde uns von Fairphone zur Verfügung gestellt. Das Gerät wird nach dem kommenden Test retourniert
Das Fairphone kommt mit Android 13. Der Hersteller garantiert mindestens 5 Generationen Android-Updates und 8 Jahre Sicherheits-Updates. Optional können Google-freie Open-Source-Betriebssysteme wie /e/OS installiert werden.Bild: watson

Ältere Fairphones wurden aus Überzeugung gekauft, Design und Technik waren zweitrangig. Das neue Modell hingegen sieht richtig gut aus und fühlt sich hochwertig an. Das soll auch so sein, schliesslich kostet das Fairphone 5 rund 600 Franken. Bei einer vom Hersteller angepeilten Nutzungsdauer von bis zu zehn Jahren eine sinnvolle Investition.

Das neue Fairphone ist nahezu gleich gross wie das Fairphone 4, aber rund zehn Prozent dünner als der klobige Vorgänger. Zugegeben, das dünnste Smartphone der Welt ist es immer noch nicht, aber das muss es auch nicht sein.

Die Reaktionen von Freunden und Arbeitskolleginnen auf mein blaues Testgerät fallen einhellig positiv aus. Zumindest beim Design haben die Niederländer geliefert. Trotzdem sei betont: Es ist relativ gross, wer ein möglichst kleines Handy sucht, wird mit dem Fairphone 5 kaum glücklich (die genauen Spezifikationen finden sich am Ende des Artikels).

Persönlich gefällt mir, dass die Rückseite sehr griffig ist und sich ohne Werkzeug öffnen lässt, etwa um den Akku zu wechseln.

Das Fairphone 5 kostet rund 600 Franken. Es ist ab dem 14. September 2023 im Handel. Das Android-Smartphone soll 10 Jahre Updates erhalten.
Das Testgerät in der Farbe Himmelblau. Der Fingerabdruck-Sensor ist im Ein-/Aus-Button integriert. Bild: watson

Die ersten Schritte mit dem Fairphone

Von einem Android-Smartphone ist der Wechsel zum Fairphone ein Kinderspiel. Das Fairphone wird mit einem USB-C-Kabel mit dem alten Smartphone verbunden und der Einrichtungs-Assistent überträgt Apps, Kontakte, Fotos etc. auf das Fairphone 5. Alternativ können die Daten im WLAN drahtlos übertragen oder ein Back-up aus der Google Cloud eingespielt werden.

Beim Einrichten irritierte mich, dass ich Google Pay nicht aktivieren konnte. Offenbar lag dies daran, dass ich ein Testgerät für Journalisten aus der Vorserie habe. Bei den finalen Geräten soll Googles Bezahldienst wie gewohnt funktionieren.

Nach der Aktivierung begrüsst einen Googles Android 13. Fairphone verspricht mindestens fünf Generationen Android-Updates, 8 Jahre Sicherheits-Updates und verzichtet darauf, das System mit unnötigen Apps (Bloatware) aufzublähen. Das ist löblich, allerdings soll auch erwähnt sein, dass die Benutzeroberflächen von Samsung und Apple moderner wirken, wie dieses GIF veranschaulicht.

Animiertes GIFGIF abspielen
Das GIF zeigt die Fairphone-Benutzeroberfläche. gif: watson / quelle: fairphone

Ab in die Ferien mit dem Fairphone

Nach dem geglückten Umstieg von Samsung zu Fairphone fahren wir mit Sack und Pack im Elektroauto gen Glarner Alpen. Wichtig für den unbeschwerten Ferienbeginn: Das Fairphone verbindet sich flink und drahtlos mit dem VW ID.3 und die Google-Maps-Navigation funktioniert im Auto wie gewohnt.

Was mich ebenfalls positiv stimmt: Die Geschwindigkeit des neuen Fairphones ist tadellos, ich merke kaum einen Unterschied zum brandneuen Galaxy Z Flip 5 von Samsung, das mit 1150 Franken fast das Doppelte kostet.

Das Fairphone 5 erscheint am 14. September 2023.
Der 4200 mAh grosse Wechselakku ist nach 20 Minuten am USB-C-Kabel zu 50 Prozent geladen. Drahtlos Aufladen geht nicht.Bild: watson

Für mich ebenso wichtig ist die Kamera, die bei früheren Fairphones wenig zu begeistern vermochte. Die Glarner Bergwelt bietet die perfekte Kulisse, um der neuen 50-Megapixel-Kamera auf den Zahn zu fühlen. Und tatsächlich, nun gelingen Schnappschüsse weitaus öfter. Fotos und Videos sehen eine Klasse besser aus als beim Fairphone 4 und um Welten besser als beim Fairphone 3.

Wer von Apple oder Samsung zu Fairphone wechselt, könnte trotzdem enttäuscht sein, da den Fotos die gesättigten und warmen Farbtöne fehlen, an die sich viele Handy-User gewöhnt haben.

Beispielfotos mit dem Fairphone 5 – das kann die Kamera

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30 Beispielfotos mit dem Fairphone 5 – das kann die Kamera
Der Klöntalersee, berühmt für traumhafte Spiegelungen, mit dem Fairphone 5 fotografiert und zum Vergleich …
quelle: watson
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Die Fotos in der Slideshow zeigen es: Wegen der Kamera kauft man sich kein Fairphone 5, aber die solide Fotoqualität ist – zumindest für mich – auch kein Ausschlussgrund mehr.

Videos können in 4K-Qualität aufgenommen werden, wobei mir für Ferienvideos, die ich zu 99 Prozent auf dem kleinen Handy-Display betrachte, Full-HD reicht. Erfreulicherweise macht die Bildstabilisierung auch bei Videoaufnahmen einen sehr ordentlichen Job, verwackelte Videos gehören somit auch für Fairphone-User der Vergangenheit an.

Das Fairphone 5 kostet rund 600 Franken. Es ist ab dem 14. September 2023 im Handel. Das Android-Smartphone soll 10 Jahre Updates erhalten.
Das 6,46 Zoll grosse OLED-Display ist auch im Sonnenlicht gut lesbar.
Bild: watson

Dass die Fotos und Videos schöner wirken, liegt auch am massiv besseren Display. Erstmals gibt es in einem Fairphone ein hochwertiges OLED-Display mit sehr gutem Kontrast, das so hell leuchtet, dass ich selbst in den Bergen bei strahlendem Sonnenschein jederzeit alles problemlos erkennen konnte.

Ich gehöre zur Fraktion, die in den Ferien gut und gerne 50 oder 100 Fotos am Tag knipst. Kommen dann noch ein paar Videos dazu, geht dem durchschnittlichen Akku (4200 mAh) am Abend die Luft aus. Das wäre bei vielen anderen Smartphones auch der Fall. Der Vorteil des Fairphone: Der Akku kann jederzeit ohne Werkzeug ausgetauscht werden. Manche Fairphone-User haben deshalb stets einen zweiten Akku dabei.

Das Fairphone 5 kostet rund 600 Franken. Es ist ab dem 14. September 2023 im Handel. Das Android-Smartphone soll 10 Jahre Updates erhalten.
Der Akku lässt sich binnen Sekunden ohne Werkzeug wechseln.Bild: watson

Das Fazit

Mit jeder Generation wurde das Fairphone spürbar besser und das neue Fairphone 5 macht keine Ausnahme: Es ist technisch das mit Abstand beste Fairphone. Es läuft flüssig und insbesondere Display und Kamera haben einen grossen Sprung gemacht. In Sachen Reparierbarkeit, fairer Produktion und Software-Support spielt es in einer eigenen Liga.

Wer ein möglichst kleines Handy sucht, wird mit dem Fairphone 5 aber kaum glücklich. Wie so viele moderne Smartphones ist es relativ gross.

Mit der neusten Generation ist das Fairphone endgültig massentauglich geworden.
Das Fairphone 5 kostet rund 600 Franken. Es ist ab dem 14. September 2023 im Handel. Das Android-Smartphone soll 10 Jahre Updates erhalten.
Vom Display über die Kamera bis zum USB-C-Anschluss: Zehn Bauteile können online nachbestellt werden und sind von den Nutzenden selbst wechselbar.Bild: watson

Ich hatte in den Ferien auch Samsungs brandneues Klapp-Smartphone Galaxy Z Flip 5 dabei. Dass ich das weit teurere Samsung-Handy nach dem zweiten Tag nicht mehr auf Ausflüge mitgenommen habe, ist das grösste Kompliment für die Fairphone-Kamera. Wohlgemerkt: Sie kann nicht mit den allerbesten Smartphones mithalten, aber die Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer dürfte mit den Fotos zufrieden sein. Wer extrem hohe Erwartungen an die Smartphone-Kamera hat, wird mit dem Fairphone 5 aber nicht glücklich.

Das Fairphone 5 kostet rund 600 Franken. Es ist ab dem 14. September 2023 im Handel. Das Android-Smartphone soll 10 Jahre Updates erhalten.
Die Bildqualität ist okay, aber Handys von Apple, Samsung, Google und Co. würden kräftigere Farben und einen blaueren Himmel generieren.Bild: watson

Für Android-User ist der Wechsel zum Fairphone ein Kinderspiel, während Apple-User erfahrungsgemäss kaum wechseln und wohl länger brauchen, um sich an Android zu gewöhnen. Der Aufwand könnte sich lohnen, zumal das Fairphone 5 ein Smartphone ist, an dem du dank zukunftssicherer Technologie, reparaturfreundlichem Design und Updates bis maximal 2033 für sehr viele Jahre Freude haben kannst.

Pro und Kontra Fairphone 5

– Läuft flüssig
– Display und Kamera stark verbessert
– Update-Garantie für 8 Jahre (geplanter Support für 10 Jahre)
– Einfach zu reparieren: 10 Bauteile können selbst ausgetauscht werden
– Akku ohne Werkzeug wechselbar
– Zukunftssicherer Technologie mit e-SIM, 5G und Wi-Fi 6E
– Recycelte und nachhaltige Materialien
– Faire Arbeitsbedingungen und Löhne für Fabrik- und Minenarbeiter
– 5 Jahre Herstellergarantie
– Kamera trotzdem nur durchschnittlich
– Akkulaufzeit nur Mittelmass
– Keine separate Kopfhörerbuchse
– Nicht komplett wasserdicht (Schutz gegen Regen, aber es sollte nicht untertauchen)

Die wichtigsten Spezifikationen

  • Display: 6,46 Zoll (OLED), 1224 x 2770 Pixel, 459 ppi, 90 Hz, geschützt durch Sicherheitsglas Gorilla Glass 5
  • Abmessungen/Gewicht: 161,60 x 75,83 9,6 mm; 212 Gramm
  • Speicher/RAM: 256 GB (erweiterbar bis 2 TB) / 8 GB
  • Prozessor: Qualcomm QCM6490 (entspricht dem Snapdragon 782G)
  • Kamera: 50 MP (OIS) + 50 MP Ultraweitwinkel + 50 MP Selfie
  • Akku: 4200 mAh (Wechselakku), laden mit 30 Watt via USB-C 3.0 (50 % laden in 20 Minuten)
  • Diverses: Dual-SIM (Nano- und e-SIM), NFC, 5G, Wi-Fi 6E, Fingerabdrucksensor seitlich, Gesichtserkennung
  • Betriebssystem: Android 13 mit mindestens 5 Generationen Android-Updates, Software-Support für 8 bis 10 Jahre (keine Bloatware), andere Betriebssysteme können installiert werden
  • Nachhaltigkeit: 10 austauschbare Komponenten, 14 fair gehandelte Materialien, Recycling-Programm, 5 Jahre Garantie statt der gesetzlich vorgeschriebenen 2 Jahre
  • Preis (UVP): 629 Franken

Das Fairphone 5 kommt: Die wichtigsten Infos zusammengefasst

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Das Fairphone 5 kommt und so sieht es aus
Das Fairphone 5 kommt mit moderner Technik, 5 Generationen Android-Updates sowie garantiertem Software-Support bis 2031 (8 Jahre Sicherheits-Updates).
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Beispielfotos mit dem Fairphone 5
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Beispielfotos mit dem Fairphone 5
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Das Fairphone 5 im Überblick
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116 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Perking
14.09.2023 10:03registriert Oktober 2020
Da wird etwas wichtiges angesprochen, auch wenns jetzt offtopic ist:
Man gewöhnt sich an die hochgezüchteten Bilder der Smartphones, die über diverse Filter etc erreicht werden. Aber das ist einfach nicht realistisch, das Bild im Handy sieht manchmal besser aus als die Realität ist
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Hugeyun
14.09.2023 11:27registriert Januar 2016
Für mich ist das absolut ein Vorteil, dass die Bilder der Kamera etwas blass sind. Damit sind sie näher an der Wirklichkeit und nicht total übersättigt mit kräftigen Farben wie das Samsung beispielweise macht.
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Elpolloloco
14.09.2023 10:37registriert Dezember 2016
Super Sache. Ich bin mit iOS in die Smartphone-Welt gestartet (iPhone 3G bei digitec importiert, anyone?), dann zu Android gewechselt und wieder zurück auf iPhone seit rund 10 Jahren.
Wenn ich diesen Bericht lese, könnte ich mir vorstellen, zu wechseln. Das ergibt alles Sinn: ich bin kein Öko, aber Reparierbarkeit und Nachhaltigkeit👍👍👍 und dann noch mit aktueller Technologie? ich überleg's mir 😂
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