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AnonLeaks: Anonymous veröffentlicht Auszüge aus der internen Spender-Liste der Schweizer OCG-Sekte. tabelle: anonleaks

Schweizer Sektenführer Sasek von Anonymous brutal vorgeführt

Netzaktivisten haben die Schweizer OCG-Sekte gehackt. Veröffentlichte Dokumente zeigen, welche Spenden die Sekte von ihren Mitgliedern erhält. Sektenführer Ivo Sasek macht derweil mit Panikvideos gegen Corona-Schutzmassnahmen mobil.



Wie lukrativ ist es Sektenführer zu sein? Dank des Hacker-Kollektivs Anonymous kennen wir nun die ungefähre Antwort. Die Netzaktivisten haben in den letzten Wochen und Monaten mehrere Server der Schweizer Sekte Organische Christus-Generation (OCG) von Sektenführer Ivo Sasek gehackt und tausende E-Mails, Dokumente und insgesamt rund 300 GB an Dateien erbeutet, ausgewertet und Teile davon veröffentlicht. Darunter Tabellen, die fein säuberlich die Spenden der Sektenmitglieder aufführen.

Wir haben einen Blick riskiert.

Auszug aus der Spenden-Liste

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Auszug aus der gehackten Datenbank-Tabelle. Die Sekte nutzte die Datenbank, um den Mitgliedern für ihre Spenden zu danken. bild: anonleaks.net

Sektenführer Sasek ist eine der schillerndsten Figuren der Schweizer und europäischen Sektenlandschaft. Bei der Organischen Christus-Generation zählt vordergründig die Arbeit für den Organismus, doch nur von Luft, Liebe und Licht leben auch die Saseks nicht.

Einzelspenden bis 15'000 Franken

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Die einzelnen Beträge liegen zwischen 50 und 15'000 Franken. bild: anonleaks.net

Die von Anonymous-Aktivisten gehackte Datenbank-Tabelle ist dafür gedacht, dass sich Familie Sasek über den internen OCG-Newsletter bei den Sektenmitgliedern für ihre Spenden bedanken kann. In der Tabelle sind u.a. Vorname, Sekten-interne «E-Mail»-Adresse und der Betrag der Spende erfasst.

Laut Anonymous haben die Saseks im Zeitraum von Dezember 2019 bis Juni 2020 fast 700 Sektenmitgliedern für eine Spende gedankt. Die Bandbreite der einzelnen Spenden liegt bei rund 50 bis 15'000 Franken. Wobei Spende eigentlich das falsche Wort ist. Gemäss OCG-Aussteigern sind Zuwendungen der Mitglieder gewünscht, erwartet oder gefordert.

«Als Führer einer Sekte hat man seine Möglichkeiten»

Laut Datenbank haben die Saseks ihren OCG-Mitgliedern innert rund sieben Monaten für Spenden über 185'087.32 Euro gedankt. Die Gesamtsumme der Spenden lässt sich aus der erbeuteten Tabelle aber nicht mit Sicherheit berechnen, da aus ihr nicht hervorgeht, ob ein Spender jährlich oder monatlich einzahlt.

So oder so: Die Spendeneingänge lassen auf eine ziemlich hohe Spendenwilligkeit unter den Mitgliedern schliessen. «Wie das so ist – als Führer einer Sekte hat man seine Möglichkeiten», kommentieren die Netzaktivisten lapidar.

Geldspenden sind das eine, Sachspenden das andere: Zum Beispiel im Falle von OCG-Mitglied xxxx@d.6, der zwar nur 80 Euro gespendet hat, aber einen Server für den von der Sekte betriebenen Internet-TV-Sender Klagemauer TV bezahlt.

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E-Mails zeigen, dass sich Sektenmitglieder an den Serverkosten für den zur OCG gehörenden Online-Sender KlaTV beteiligen. bild: anonleaks.net

«Fast die gesamte Infrastruktur der Sekte und von KlaTV wird von Spendern finanziert», schreibt Anonymous. Löhne müsse Sasek nicht bezahlen, «ehrenamtliche Arbeit» der Sektenmitglieder sei Dank.

Arbeitskraft ist auch eine Spende

Doch auch in anderen Bereichen bringen die OCG-Mitglieder ihre Arbeitskraft ein, wie von den Hackern veröffentlichte Dokumente nahelegen. Beispielsweise wenn die Wohnung eines Mitglieds der Sasek-Familie hergerichtet werden soll. Anonymous-Aktivisten haben diese E-Mail veröffentlicht, in der ein Mitglied der Sasek-Familie «dem Organismus» für die «frisch renovierte Wohnung» dankt.

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Ein weiteres Dokument aus den AnonLeaks: Dank des «Organismus» erstrahlt diese Wohnung in neuem Glanz. bild: anonleaks.net

watson hat Sasek um eine Stellungnahme gebeten. Sein Sekretariat teilte mit, dass man übers Wochenende keine Auskunft geben kann (eine allfällige Antwort wird ergänzt, sobald sie vorliegt).

KlaTV: «Alternative Nachrichten» aus dem Sekten-Studio

Den Netzaktivisten geht gegen den Strich, dass der Schweizer Sektenführer seit Jahren teils rechtsradikale Verschwörungsmythen über seinen Online-Sender KlaTV verbreitet. Seit Monaten versucht die Sekte aus der Corona-Pandemie Profit zu schlagen und macht mit Panikvideos gegen Corona-Warn-Apps oder das Maskentragen mobil.

Anonymous-Aktivisten haben insgesamt rund 300 GB an internen Dateien der Sekte erbeutet. Darunter seien Fotos von Kindern, die für die OCG Anti-5G Flyer-verteilen, Anleitungen, um Kritiker umzudrehen sowie interne Schulungsvideos, die zeigen, wie Mitglieder fanatisiert werden.

Solche Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für den Sasek-Clan, etwa beim Sekten-eigenen Online-TV-Sender KlaTV, der Saseks politische Mission in die Welt hinaussendet.

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KlaTV ist ein zur OCG-Sekte gehörender Online-Sender. Sektenmitglieder produzieren ehrenamtlich Videos, die Ivo Saseks Mission verkünden. screenshot: klaTV

Die täglich mit teils erheblichem Aufwand produzierten «alternativen Nachrichten» werden von Sektenmitgliedern in den eigenen TV-Studios der OCG-Sekte aufgenommen. Die Beiträge nennen Studios in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz als Urheber. Laut Eigendarstellung betreibt die Sekte 165 Studios mit 220 Moderatorinnen und Moderatoren, die ihre Arbeitskraft unentgeltlich in den Dienst der Sache, also Saseks Sache, stellen.

Auch wenn die Sekte weit weniger TV-Studios haben mag, als sie vorgibt, es bleibt die Frage, wie Sasek sein «alternatives Medienimperium» finanziert. Der sonst redselige Sektenführer hält sich bedeckt: Alle wirkten «ehrenamtlich» mit, sagte Sasek 2014 gegenüber der WOZ.

Saseks Krieg gegen «dominante Elite» und «Systemmedien»

Der Sasek-Clan (Ivo Sasek hat elf Kinder) führt die Organische Christus-Generation seit Ende der Neunzigerjahre aus dem beschaulichen Walzenhausen in Appenzell Ausserrhoden. Geht der Sektenführer auf Tour, füllt er Hallen in Deutschland und der Schweiz.

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KlaTV berichtet über einen Auftritt von Ivo Sasek. Dieser sieht sich seit Jahren in einer Art Krieg gegen «die Elite», die man stürzen müsse. screenshot: kla.tv via belltower.news

Im Kern geht es bei Sasek stets darum, dass «eine skrupellose Meute, die Elite» die Menschen unterjoche und der Dritte Weltkrieg vor der Türe stehe. Als Gesandter Gottes könne er die Rechtgläubigen vor der drohenden Apokalypse retten und ins Heil führen.

Das Einschwören der Mitglieder gegen den äusseren Feind, insbesondere die «Systemmedien», kittet die Sekte zusammen. Die Mitglieder sind daher auch bereit, kostenlos für die OCG zu arbeiten. Dies ermöglicht dem Sektenführer nicht nur seine Anti-Zensur-Konferenzen mit teils mehreren tausend Teilnehmern, sondern auch den eigenen Online-TV-Sender Klagemauer TV. Die Beiträge von KlaTV kommen auf den ersten Blick im Stil von seriösen Nachrichtensendungen daher. Das Konzept: verschwörungstheoretischen Meldungen einen seriösen Anstrich geben.

Über KlaTV und das Sekten-Blatt «Stimme und Gegenstimme» (S & G) verbreitet Sasek teils rechtsradikale Verschwörungserzählungen, die von anderen Verschwörungstheoretikern, aber auch Esoterikern, radikalen Impfgegnern bis hin zu Holocaustleugnern in halb Europa in den sozialen Medien geteilt werden und so Hunderttausende Menschen erreichen können.

Das Ziel der Verschwörungserzähler: Verunsichern, Ängste schüren und etablierte Medien diskreditieren, wovon die Absender schlussendlich selbst profitieren. Verunsicherte Menschen sind besonders empfänglich für Verschwörungstheorien. Aktuell wird deshalb das Coronavirus von Sekten für ihre eigenen Ziele instrumentalisiert.

Für Sektenexperten ist die OCG nebst Scientology, mit der Kontakte bestehen, eine der gefährlichsten Sekten in Europa, da sie antisemitische Verschwörungstheorien und esoterische Lebenshilfe vermischt und mit ihrer Video-Produktion am Laufmeter weit über ihre relativ geringe Mitgliederzahl hinaus Menschen erreicht. Einige Videos haben über eine Million Aufrufe.

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Die über KlaTV verbreiteten Verschwörungstheorien werden von linken Impfgegnern über Elektrosmog-Bekämpfer bis zu rechtsextremen Holocaustleugnern geteilt. screenshot: kla.tv via belltower.news

Operation Tinfoil: Anonymous erklärt Verschwörungserzählern den Krieg

Der erneute Nadelstich gegen Sektenführer Sasek ist Teil einer umfassenden Aktion von Netzaktivisten gegen die OCG-Sekte und ihren ebenso umstrittenen Ableger KlaTV, der zum Sammelbecken für Verschwörungserzählern in halb Europa wurde. Anonymous veröffentlicht unter dem Namen «Operation Tinfoil» seit Monaten interne Dokumente der Sekte. «Dadurch können Journalisten und Interessierte selbsttätig recherchieren und sich ein eigenes Bild der Sekte machen», schreiben die Hacker.

Die Aktivisten gehen im Netz gegen Verschwörungserzähler wie Attila Hildmann oder Ivo Sasek vor, indem sie beispielsweise versuchen, deren Social-Media-Kanäle (YouTube, Facebook, Instagram etc.) sperren zu lassen.

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Anonymous Germany hat sich während der Corona-Pandemie dem Kampf gegen Verschwörungserzähler verschrieben.

Insbesondere die Hacker-Attacken sind umstritten. Kritiker werfen den Netzaktivisten Selbstjustiz vor. Warum also bekämpft Anonymous Verschwörungserzähler ausserhalb des Rechts? «Weil sie gefährlich sind. Sie sind vielleicht selbst nur kleine Figuren, widerliche Männeken, aber die Lügen, die sie verbreiten, bringen Menschen in Gefahr und spalten Gesellschaften», schreiben die Netzaktivisten auf anonleaks.net; einer Webseite, die «Leaks & News» von Anonymous Germany publiziert.

Nachtwache am Mail-Server

Die Operation Tinfoil (Aluhut) läuft nunmehr seit mehreren Monaten und die Server-Attacken und regelmässigen Veröffentlichung von Sekten-Interna gehen offenbar nicht ganz spurlos an der OCG vorbei.

Eine von Anonymous mitgelesen E-Mail an alle OCG-Mitglieder:

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bild: @OCGLeaks

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73 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Prometheuspur
24.09.2020 12:40registriert February 2020
Unfassbar!
Gute Arbeit Anonymous. Si geili Cheibe.
98036
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winglet55
24.09.2020 12:34registriert March 2016
Wenn der Rubel rollt, braucht man anscheinend kein Gewissen mehr zu haben.
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Zum Kommentar
landre
24.09.2020 12:47registriert June 2019
Sich unter sich mit "Liebe Geschwister" anschreiben, ist zwar sehr speziell, aber nichts verwerfliches an sich. Spätestens bei "(...) alles verdanken wir Euch und dem Organismus!" wird es organisch aber ambig, gar abstrus und absurd.
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