Die Ukraine bombt Russland in eine Treibstoffkrise
Fast alle der 83 international anerkannten Regionen Russlands sind aufgrund der ausgeweiteten ukrainischen Drohnenangriffe von Treibstoffknappheit betroffen. Während die Bevölkerung an den Zapfsäulen Schlange steht, versucht das Regime Putin dem Spritmangel, der Zerstörung der Energieinfrastruktur und der steigenden Ungeduld in der Bevölkerung entgegenzuwirken. Das berichtet CNN.
Am 21. Juni 2026 wurde auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim der Notstand ausgerufen und für die Zivilbevölkerung der Kauf von Sprit untersagt. Wie ein Flächenbrand breitete sich der Engpass über ganz Russland aus. «CNN» analysierte Mitteilungen von Bürgermeistern und Gouverneuren. Über 50 Regionen haben offiziell einen Engpass, inoffiziell sind fast alle betroffen und mindestens drei Regionen haben die erhöhte Alarmbereitschaft ausgerufen, eine Stufe vor dem Notstand.
Bereits im August 2025 kam es zu Treibstoffmangel in mehreren russischen Regionen. Experten stufen die aktuelle Situation negativer ein. «Der Hauptunterschied liegt im Ausmass und in der Beständigkeit der Angriffe», sagt Sumit Ritola, leitender Analyst für Raffinerieversorgung beim Rohstoffanalysedienst Kpler, gegenüber «CNN».
Ritola schätzt die russische Benzinproduktion aktuell auf etwa 20 Prozent unter der russischen Nachfrage. Auch weil man mit den Reparaturen den neu verursachten Schäden nicht nachkäme.
«Im Rennen zwischen Reparierern und Angreifern verschiebt sich das Gleichgewicht», meint auch Sergey Vakulenko vom Think Tank Carnegie Russia Eurasia Center. Nicht nur die Menge ukrainischer Angriffe habe zugenommen, sondern auch die Zahl der genutzten Drohnen.
Putins Reaktion
In einem TV-Interview vom Sonntag nannte Präsident Wladimir Putin die Steigerung der Produktion von Luftabwehrsystemen als dringendste Massnahme gegen den Treibstoffmangel.
Nebst sicherheitspolitischen Mitteln soll auch die Zufuhr von Treibstoff gesichert werden. Wie Reuters berichtet, hat Russland bereits begonnen, Treibstoff aus Indien zu importieren. Das Land, dessen Raffinerien zur Umgehung der Sanktionen genutzt wurden. Doch auch verkürzte Wartungsarbeiten sowie mögliche Exportverbote sollen die angespannte Situation entlasten.
Engpass in der Zivilbevölkerung spürbar
Dass Putin es für nötig hält, ein Interview zum Treibstoffmangel zu geben, zeigt seine Sorge. Zwar räumt er ein, dass gewisse Engpässe bestehen, diese seien aber nicht von kritischem Ausmass. Wie «CNN» schreibt, sollen so die Menschen beruhigt und Panikkäufe abgewendet werden.
In ganz Russland gibt es Kauflimits für Sprit, schreibt «CNN». Autofahrerinnen und Autofahrer stehen stundenlang Schlange. Das Betanken von Kanistern ist untersagt und Menschen, die über den Schwarzmarkt Benzin zu überhöhten Preisen verkaufen, werden bestraft.
Das alles kommt für Putin zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Nachfrage nach Benzin und Diesel ist während der Schulferien im Sommer erhöht, da viele Russinnen und Russen in dieser Zeit verreisen.
Nach der teilweisen Öffnung der Strasse von Hormus sinken die globalen Ölpreise wieder. Dadurch fallen auch die hohen Profite durch russische Ölexporte weg, womit Putin das Loch in der Staatskasse stopfte, schreibt «CNN». Während die Wirtschaft stagniert und Verteidigungsausgaben weiter steigen, fehlen diese Mehreinnahmen nun.
«Es ist eine Art zweischneidiges Schwert. Es trifft die öffentliche Stimmung und es befeuert die Inflation», sagt Alexander Kolyandr vom Center for European Policy Analysis. Eine militärische Eskalation sei die wahrscheinlichste kurzfristige Folge.
«Aus ukrainischer Sicht macht es Sinn, weiter zu eskalieren, da die Strategie aufgeht. Auf russischer Seite gilt: Je früher sie eskalieren, desto eher können sie das Problem vielleicht lösen. Denn das Geld geht aus und die Geduld der Bevölkerung ist wohl auch bald am Ende», sagt Kolyandr «CNN». (nil)
