Trump und Natalie, sein «menschlicher Drucker»
Obwohl sie keinerlei politische Erfahrung vorweisen konnte, umgab sich Donald Trump in seiner ersten Amtszeit am liebsten mit seiner Tochter Ivanka. Damals führte dies zu Gerüchten, die bis in den sexuellen Bereich reichten. Ivanka hat sich mittlerweile von der Politik verabschiedet und hält sich auch von ihrem Vater fern.
Ihren Platz eingenommen hat Natalie Harp, eine 35-jährige Mitarbeiterin. Sie weicht nicht mehr von Trumps Seite. Weil sie ihn auch während seines Strafprozesses in Manhattan stets begleitet hatte, und weil sie ihn damals fortwährend mit positiven News aufmunterte, hat sie sich den Übernamen «menschlicher Printer» eingehandelt.
Obwohl Natalie Harp durchaus dem Beuteschema von Trump entspricht – blond, langbeinig, schlank – werden ihm diesmal keine sexuellen Absichten unterstellt. In seinem Alter wird dies auch langsam problematisch, zumal wenn man stark übergewichtig ist und sich ungesund ernährt. Natalie ist für den Präsidenten vielmehr eine Art «emotionales Beistandstier», ein geliebtes Haustier, das Menschen, die unter Flugangst leiden, selbst ins Flugzeug mitbringen dürfen.
Anders als ein Hund oder eine Katze schreibt Natalie ihrem Chef jedoch regelmässig Briefe. Diese haben keinen sachlichen Inhalt, sondern dienen einzig dazu, den Präsidenten bei Laune zu halten. Die beiden «New York Times»-Reporter Maggie Haberman und Jonathan Swan haben Auszüge aus diesen Briefen veröffentlicht. Hier ein paar Beispiele:
«Sie sind alles, was mir wichtig ist.»
«Wir können uns über alles und nichts unterhalten.»
«Ich will Ihnen Freude bereiten. Ich habe das Gefühl, als könnten wir den ganzen Tag miteinander verbringen, ohne über die Arbeit zu sprechen.»
Die Nähe des «menschlichen Druckers» zum Präsidenten ist inzwischen zu einem Politikum geworden. Bei seinem Täuschungsmanöver mit den Flugzeugen nach dem Nato-Gipfel in Ankara hat Trump eine ganz kleine Schar von engsten Vertrauten mit in den Catering-Bus genommen, besagte Natalie Harp, Dan Scavino, seinen ehemaligen Caddy, der jetzt die sozialen Medien für ihn betreut, Walt Nauta, seinen langjährigen persönlichen Diener, und Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Jon Ossoff, ein demokratischer Senator aus dem Bundesstaat Georgia, hat dies zum Anlass genommen, seinen Wahlkampf – er muss im kommenden November seinen Sitz verteidigen – anzuheizen. In einer brillanten Rede griff er den Präsidenten frontal an:
Die MAGA-Welt reagierte hysterisch auf diese Rede, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Senator einen wunden Punkt erwischt hatte.
Nur so nebenbei: Jon Ossoff gilt es im Auge zu behalten.
Nicht nur mehr oder weniger haltbare Gerüchte werden dank des Beistandstiers Harper genährt. Die Tatsache, dass der Präsident sich in brenzligen Situationen mit Menschen umgibt, die naiv oder im Fall des Verteidigungsministers komplett inkompetent sind, ist besorgniserregend. Gleichzeitig ist dies auch ein möglicher Grund, weshalb das stets schon erratische Verhalten des Präsidenten inzwischen völlig irrational geworden ist.
Wie sonst kann man erklären, dass Trump erneut Kim Jong Un Avancen macht und gleichzeitig den langjährigen US-Partner Südkorea vor den Kopf stösst? Wie kann man versichern, man wolle alles unternehmen, damit der Iran nicht in den Besitz von Atomwaffen kommt, und gleichzeitig den wohl schlimmsten Diktator der Welt hofieren, der sich eben diese Waffen verschafft hat?
Das Ganze ist zudem eine Übung in Sinnlosigkeit. Wie die Revolutionsgardisten in Teheran spielt auch Kim Jong Un mit Trump Katz und Maus. Joel Wit, ein ehemaliger hoher Mitarbeiter im Auswärtigen Amt und Nordkorea-Spezialist, erklärt denn auch gegenüber der «New York Times»: «Trump will nicht begreifen, dass Kim Jong Un derzeit nicht an besseren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten interessiert ist. Er will auf Teufel komm raus seine Atomwaffen behalten und schickt deshalb seine Soldaten in die Ukraine, um die Russen zu unterstützen.»
Trump versinkt derweil immer tiefer im Iran-Sumpf und schlägt deshalb immer wilder um sich. Neuerdings droht er gar, Oman zu bombardieren, obwohl gerade dieser Golfstaat sich bemüht, einen Dialog mit dem Iran anzukurbeln. Die Drohungen gegen Oman zeigen denn auch, dass Trump immer weniger in der Lage ist, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. «Es handelt sich um eine Reflexion der Frustration mit einer Situation, die er selbst geschaffen hat, und aus der er nicht wieder herausfindet», erklärt der Iran-Spezialist Nate Swanson in der «New York Times».
Wie ein neurotischer Teenager braucht der mächtigste Mann der Welt ein Beistandstier, um über die Runden zu kommen. Wenn das kein Grund zur Besorgnis ist, was dann?
