International
Analyse

Warum die US-Oligarchen dank Trump so gefährlich sind

Auf dem Bild: US-Präsident Donald Trump in der Mitte vor einem Bild von Peter Thiel und einem von Elon Musk. Beide Milliardäre sind von ihren Firmenlogos überblendet.
Bild: watson/getty/imago
Analyse

Warum die US-Oligarchen so gefährlich sind

Dank Donald Trump wird die Vision von Elon Musk, Peter Thiel & Co. Realität.
10.08.2026, 16:1410.08.2026, 17:21

Seit 1918 veröffentlicht das Wirtschaftsmagazin «Forbes» jährlich eine Liste der 400 reichsten Amerikaner. Bei der ersten Liste hatten die Superreichen ein vereintes Vermögen von 92 Milliarden Franken. Das entsprach damals 0,8 Prozent des nationalen Reichtums und 3,2 Prozent des nationalen Einkommens. 2025 besassen die 400 Glückseligen 6,6 Billionen Dollar. Das entspricht 3,7 Prozent des nationalen Reichtums und 26 Prozent des nationalen Einkommens.

Wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist, erklärt der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman in seiner Kolumne auf Substack.

epa12537438 US economist and Nobel Laureate in Economic Sciences Paul Krugman speaks during the 4th Metafuturo Forum in Madrid, Spain, 20 November 2025. The forum serves as a platform for discussing t ...
Rechnet mit den Oligarchen ab: Paul Krugman.Bild: keystone

Lange sei der Ertrag des Produktivitätswachstums der Wirtschaft mehr oder weniger gleichmässig zwischen Arbeit und Kapital aufgeteilt worden. «Seit dem Jahr 2000 hat sich eine völlig neue Dynamik herausgebildet. Der Anteil der Arbeit ist drastisch zurückgegangen. Mit anderen Worten, der Anteil, der an die Arbeitnehmer geht, auch an die gut bezahlten, ist gefallen, während der Anteil an das Kapital explodiert ist.»

Die neuen Oligarchen der USA sind nicht nur viel reicher als ihre Vorfahren im sogenannten «goldenen Zeitalter» – diese trieben zwischen 1870 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihr Unwesen –, sie verfügen auch über deutlich mehr politischen Einfluss. Diesen Einfluss haben sie sich buchstäblich erkauft. Die «Financial Times» nennt dazu folgende Zahlen: 2010 haben die Superreichen für die Wahlen noch 31 Millionen Dollar gespendet, 2024 waren es 2,6 Milliarden Dollar. Ermöglicht hat dies der Oberste Gerichtshof, der 2010 mit seinem Entscheid im Fall «Citizens United» ermöglicht hat, dass Superreiche praktisch unbeschränkt spenden dürfen.

Davon machen diese auch reichlich Gebrauch. Drei von ihnen – Elon Musk, Miriam Adelson, die Witwe eines Kasino-Tycoons und Timothy Mellon, Erbe eines Bankvermögens – haben rund 1,5 Milliarden Dollar an Trumps Wahlkampf gespendet.

Dank Trumps zweiter Amtszeit rückt für die Oligarchen der Traum in greifbare Nähe, den Ayn Rand in «Atlas Shrugged» vorweggenommen hat. In diesem Roman – nach wie vor Pflichtlektüre aller Libertären – geht es darum, dass die USA wegen Gewerkschaften und progressiver Politiker in eine Dauerkrise stürzen, bis sie von John Galt, einem genialen Unternehmer und Erfinder, erlöst werden und die Nation sich in ein kapitalistisches Paradies verwandelt.

epa13142815 US Treasury Secretary Scott Bessent departs after participating in a TV interview outside the White House in Washington, DC, USA, 30 July 2026. EPA/JIM LO SCALZO / POOL
Milliardär und Finanzminister: Scott Bessent.Bild: keystone

So weit ist es noch nicht, doch die Superreichen haben bereits mehrere Feldherren-Hügel der Macht erobert. In Trumps Regierung sind mehrere Milliardäre vertreten, so etwa Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick. Rechnet man den Präsidenten hinzu, verfügt das Trump'sche Kabinett über ein Gesamtvermögen von rund 14 Milliarden Dollar.

Das hat politische Konsequenzen. «Die neuen Tycoons sind im Begriff, die Regierung zu übernehmen», erklärt Ro Khanna, ein demokratischer Abgeordneter, in der «Financial Times». Jeffrey Winters, Verfasser des Buches «The Blind Spot: How Oligarchs Dominate Our Democracies», ergänzt: «Die Oligarchen (…) wollen sicherstellen, dass das System zu ihren Gunsten operiert.»

Auch die Medien geraten zunehmend unter den Einfluss der Superreichen. Mit Twitter, respektive X, verfügt Elon Musk über einen sehr wirksamen Lautsprecher, in dem er seine zunehmend rassistischen und faschistoiden Botschaften verbreitet. Larry Ellison ist zusammen mit seinem Sohn David im Begriff, ein konservatives Medienimperium aufzubauen, das mindestens so einflussreich sein soll wie Rupert Murdochs Fox News. Und Jeff Bezos hat der «Washington Post» die kritischen Zähne gezogen.

President Donald Trump listens as Elon Musk speaks in the Oval Office at the White House, Tuesday, Feb. 11, 2025, in Washington. (Photo/Alex Brandon)
Donald Trump
Narzissten unter sich: Elon Musk und Donald Trump.Bild: keystone

Dass reiche Menschen Einfluss auf die Politik nehmen wollen, ist nicht neu. In ihrem Buch «Dark Money» schildert die Journalistin Jane Mayer, wie die Koch-Brüder nach dem Zweiten Weltkrieg ein weit verzweigtes Netz von konservativen Spendern aufgebaut haben. Doch diese Oligarchen mieden das Rampenlicht und spannen ihre Fäden diskret im Hintergrund.

Nicht so die neue Generation. Leute wie Musk stehen punkto Narzissmus Trump in nichts nach und haben keine Skrupel, ihren Einfluss öffentlich zur Schau zu stellen. «Sie geben sich nicht mehr damit zufrieden, im Verborgenen zu lobbyieren. Die Superreichen – vor allem diejenigen aus dem Silicon Valley – haben das Ökosystem der Hauptstadt infiltriert, beraten die Regierung, pflegen Beziehungen zu Mitgliedern des Kongresses und mischen sich in die wichtigsten Fragen ein, sei es in Sachen KI oder Industriepolitik», stellt die «Financial Times» fest.

Die unglaubliche Korruption der Trump-Regierung hilft ihnen dabei. Es ist ein offenes Geheimnis, dass man sich die Gunst des Präsidenten erkaufen kann. Mehr noch: Das «Wall Street Journal» hat kürzlich enthüllt, wie Meredith O'Rourke, Trumps «Prinzessin der Dunkelheit», systematisch Unternehmer unter Druck setzt, für den Präsidenten zu spenden.

Der Präsident seinerseits gibt höchstens vor, die Anliegen des kleinen Mannes zu vertreten. In Anlehnung an Abraham Lincolns berühmte Gettysburg-Rede stellt Dan Pfeiffer, ein ehemaliger Berater von Barack Obama, in der «Financial Times» fest: «Die Regierung von Trump ist von, durch und für die Superreichen geprägt.»

Tatsächlich lässt der Präsident nichts aus, um seine superreichen Kumpels happy zu machen. So verhindert er, dass die KI reguliert wird und Kryptos kontrolliert werden. Gleichzeitig unternimmt er alles, um die Institutionen der Demokratie zu schwächen. Verschiedene ehemalige hohe Beamte der CIA schlagen deswegen Alarm.

Trump demontiert die politischen Leitplanken

In der «Financial Times» vergleicht Paul Kolbe, der ehemalige Stationschef in Moskau, was er heute in Washington beobachtet, mit dem, was er in Russland erlebt hat. Und Mark Zaid, ein ehemaliger Sicherheitsberater warnt: «Die Leitplanken werden entfernt, und ich fürchte, wir haben das Schlimmste noch lange nicht erreicht.»

Die neuen Oligarchen profitieren auch davon, dass Trump sich primär um seinen Ruf in der Nachwelt kümmert. Maggie Haberman, Journalistin der «New York Times» – sie hat zusammen mit ihrem Kollegen Jonathan Swan soeben den Bestseller «Regime Change» veröffentlicht –, stellt fest, der Präsident widme rund 70 Prozent seiner Arbeitszeit Dingen wie dem Ballroom oder dem Reflecting Pool.

Um diese unsinnigen Prestigeobjekte zu finanzieren, ist Trump auf die Spenden der Oligarchen angewiesen. Deshalb ist er auch bereit, ihre Interessen gegen die Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner durchzudrücken. Im einzigen Gesetz, das die Trump-Regierung durch den Kongress geboxt hat – die Big and Beautiful Bill –, verhilft sie den Superreichen zu grossen Steuergeschenken, während gleichzeitig die Sozialausgaben gekürzt werden. «Wenn das nicht ein Zeichen dafür ist, dass die Oligarchie das Zepter übernommen hat, dann weiss ich auch nicht mehr weiter», so Paul Krugman.

Die offene und schamlose Macht der neuen Oligarchen produziert jedoch eine Gegenreaktion. Die demokratischen Sozialisten sind auf dem Vormarsch, nicht nur in New York, sondern auch in vielen anderen Bundesstaaten. Bei den Demokraten hat sich am vergangenen Dienstag in Michigan der progressive Kandidat Abdul El-Sayed gegen die gemässigte Gegenkandidatin und gegen sehr viel Geld durchgesetzt. In Wisconsin zeichnet sich derweil in den demokratischen Vorwahlen für den Gouverneurssitz ein Sieg der sehr linken Kandidatin Francesca Hong ab.

Bei der Wahl für einen Senatssitz im Bundesstaat Maine tritt der Progressive Troy Jackson gegen die republikanische Amtsinhaberin Susan Collins an. Er hat sich den Kampf gegen die neuen Oligarchen auf die Fahne geschrieben. «Die Milliardäre haben die Regierung gekauft und wir haben nicht genügend Geld, um sie zurückzukaufen», sagt er. «Davon habe ich die Nase voll, und viele, viele Menschen in allen Teilen des Landes denken genauso.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Gegen Trump: Weltweite No-Kings-Proteste
1 / 11
Gegen Trump: Weltweite No-Kings-Proteste

Unweit des Kapitols in Washington D.C. wurden die No-Kings-Proteste an einer Gebäudewand angekündigt.

quelle: keystone / julia demaree nikhinson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ganz Föhn fies – Trump wird online für seine Frisur getrollt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
105 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Fribourgeoise
10.08.2026 16:24registriert Dezember 2022
Es ist die Diktatur des Geldes welches immer mehr die Welt regiert. Die USA sicherlich ein Extrema, aber auch in der Schweiz spüren wir die Macht des Geldes. Nehmen wir die SVP: Ihre Wahlkämpfe und ihre Initiativen die sie laufend vor das Volk bringt kosten enorm viel Geld. Sie verfügt, dank ihrer sehr grosszügen und sehr Reichen Unterstützer über weit mehr finanzielle Mittel als andere Parteien. Und das zahlt sich an Macht aus. In den USA ist es noch viel extremer, aber das gleiche Prinzip. Deshalb liebäugelt die SVP auch mit Trump.
1415
Melden
Zum Kommentar
avatar
Demokratie?Geldherrschaft!
10.08.2026 16:30registriert Mai 2026
Korrekt, aber das Problem wird verkürzt dargestellt.
Statt dass der Kapitalismus innerhalb der demokratischen Kontrolle läuft, wird grossteils die Demokratie im kapitalistischen System inkl. deren Wirkungsweisen abgewickelt, es ist also grossteils nicht Demokratie, sondern Plutokratie.

Dazu noch das Gefängnis Nationalismus für die Demokratie, während der Kapitalismus global ist...

Lösungsansätze wären einfach, ernsthafte progressive Vermögenssteuern würden schon viel wirken und sind im Interesse von 99% der Bevölkerung.
Aber wieso wohl kommt das nicht? Da schliesst sich der Kreis.
1005
Melden
Zum Kommentar
avatar
Allkreis
10.08.2026 16:31registriert Januar 2020
Die massive Einflussnahme von Superreichen auf unsere Politik ist mMn DAS grösste Problem unserer Zeit. Rechtspopulismus ist ein einerseits aus dem Egoismus vieler Superreichen, und andererseits aus den daraus folgenden sozialen Verwerfungen resultierendes Problem. Wenn eine kleinere Gruppe Meinungen beeinflussen (weniger unabhängiger, einseitiger Journalismus) und höhrige Kandidaten mit Geld fördern kann, ist die Demokratie schlicht in Gefahr.
814
Melden
Zum Kommentar
105
Spanien fiebert der Sonnenfinsternis entgegen – doch die Sorgen wachsen
Im Örtchen Ponferrada sind Hotels seit Monaten ausgebucht, die Preise explodieren. Unter die Euphorie mischen sich aber zunehmend auch warnende Stimmen.
Antonio Galeote ist schon ganz aufgeregt. Auf dem grossen freien Platz innerhalb der Tempelritterburg aus dem 12. Jahrhundert zeigt er, wo die Teleskope, Kameras und riesigen Leinwände aufgebaut werden. Sogar die NASA hat die Templerburg im nordspanischen Ponferrada als einen ihrer Übertragungsstandorte für den Livestream der totalen Sonnenfinsternis ausgewählt.
Zur Story