Bei den Republikanern wächst der Unmut über Trump
Der Erfolg des linken Kandidaten Abdul El-Sayed bei der Senatsvorwahl der Demokraten im US-Bundesstaat Michigan sorgte diese Woche für Unruhe im Establishment der Partei. Dort fürchtet man, dass ein «radikaler» Kandidat – El-Sayed selbst weist das Etikett «Sozialist» von sich – in einem Swing State keine Chance hat, den Senatssitz zu halten.
Kaum beachtet wurde ein weiteres Resultat in Michigan: Amir Hassan, ein Navy-Veteran, verlor die Vorwahl der Republikaner für einen umkämpften Sitz im Repräsentantenhaus. Das Ergebnis war aus zwei Gründen pikant: Hassan genoss die Unterstützung von Donald Trump. Und er unterlag einem Rivalen, der sich eigentlich zurückgezogen hatte.
Am Donnerstag folgte der nächste Tiefschlag für Trump. Der bisherige Abgeordnete Andy Ogles musste sich in der Vorwahl für einen neu gezeichneten Sitz im Staat Tennessee dem Farmer und Regionalpolitiker Charlie Hatcher geschlagen geben. Dabei hatten Trump und Mike Johnson, der Speaker des Repräsentantenhauses, bis zuletzt Wahlhilfe für Ogles betrieben.
Niederlagen als Warnsignal
Allein mit Trump lassen sich die Pleiten nicht erklären. Hassan habe «klare Schwächen» gehabt, sagte ein Parteistratege gegenüber Politico. Und die republikanische Basis habe sich damit schwergetan, «einen Kerl mit Namen Amir Hassan zu unterstützen». Der Hardliner Andy Ogles wiederum hatte mit Skandalen und dem neuen, ländlicheren Wahlkreis zu kämpfen.
Für die Republikaner sind die Ergebnisse dennoch ein Warnsignal. Im diesjährigen Vorwahl-Zyklus hatten sich von Trump unterstützte Kandidierende bislang fast immer durchgesetzt. Besonders krass zeigte sich dies bei der Senatswahl in Texas, wo der stramm linientreue Amtsinhaber John Cornyn dem MAGA-Favoriten Ken Paxton unterlag.
Benzinpreis über Schmerzgrenze
Solche Ergebnisse zeigten, wie sehr Donald Trump die Partei nach wie vor im Griff hat. Oder sollte man sagen: hatte? Man darf in die Vorwahlen in Michigan und Tennessee nicht zu viel hineininterpretieren. Und doch wächst der Unmut unter den Republikanern. Das hat zwei Gründe, die miteinander verknüpft sind: der Iran-Krieg und der Benzinpreis.
Seit die Kämpfe wieder eskaliert sind, ist der Durchschnittspreis über die «Schmerzgrenze» von vier Dollar pro Gallone geklettert. Im Autoland USA ist dies ein Faktor, der Wahlen entscheiden kann. Zusammen mit den generell hohen Lebenshaltungskosten lässt dies die Republikaner im Hinblick auf die Midterms in drei Monaten Schlimmes befürchten.
Weisses Haus ist «stocktaub»
Gleichzeitig beklagen sie sich über eine viel zu geringe Unterstützung aus dem Weissen Haus. Es stelle sich «stocktaub» bei diesen Punkten, die die Wählerschaft umtreiben, erklärten mehrere Kongressabgeordnete gegenüber Politico. Stattdessen fordere es, sich auf die Steuersenkungen und die Unwählbarkeit der «radikalen» Demokraten zu konzentrieren.
Die letztes Jahr mit der «Big and Beautiful Bill» beschlossenen Steuererleichterungen würden jedoch durch die Kriegskosten untergraben. Ein Abgeordneter bezeichnete es zudem als «ironisch», dass man sich auf die Bedrohung durch «kleine Mamdanis» konzentrieren solle, zumal Zohran Mamdani seine Wahl zum Bürgermeister von New York gerade den Sorgen der Leute um die Kaufkraft verdanke.
MAGA auf Distanz
Damit habe er einen Nerv getroffen, würden Mitarbeiter des Weissen Hauses einräumen. Ein weiterer Kongressabgeordneter nannte die drei Sorgen, die er von der Wählerschaft am häufigsten zu hören bekomme: «Benzinpreise, Lebensmittelpreise und der Krieg.» Und stellte dazu die rhetorische Frage: «Sind wir überrascht?»
Der Frust über die Folgen des Krieges hat längst Teile von Trumps ansonsten unterwürfiger MAGA-Basis erfasst, wie eine Politico-Umfrage von Ende Juli zeigte: Noch 37 Prozent der MAGA-Anhänger unterstützen den Iran-Krieg auch dann, wenn er zu höheren Kosten in Amerika führt. Gleich viele sind nur dafür, wenn die Kosten nicht ansteigen.
Nur noch 32 Prozent pro Trump
Donald Trump selbst sagte am Donnerstag im Oval Office, er gehe davon aus, dass der Krieg «ziemlich bald» enden werde. Anders als in den Tagen zuvor aber nannte er kein Datum für die Öffnung der Strasse von Hormus. Und natürlich erwähnte er nicht, dass mit dem auf dem Tisch liegenden neuen Vorschlag weiterhin alle Vorteile beim Iran liegen.
Nach aussen will der Präsident den Eindruck erwecken, die USA seien am Gewinnen. Bei den Amerikanern kommt dieses Narrativ nicht an. In einer Umfrage der Universität Quinnipiac sanken Trumps Beliebtheitswerte auf ein neues Rekordtief von 32 Prozent. 68 Prozent finden, der Präsident kümmere sich zu wenig um die Alltagssorgen der Leute.
Selbst langjährige Vertraute fürchten gemäss Axios, er sei «gefangen in einem Krieg, den er nicht hätte führen sollen, in Zöllen, die er nicht hätte erheben sollen, und in Monumenten, von denen er nicht besessen sein sollte». Letzteres konsumiere rund 70 Prozent seines Denkens, sagt die in Sachen Trump bestens informierte «New York Times»-Reporterin Maggie Haberman.
Ein Präsident, der sich mehr für den Triumphbogen in Washington oder den ominösen Reflecting Pool interessiert als für die Sorgen der Amerikaner um ihre Kaufkraft – die Republikaner haben allen Grund, im Hinblick auf die Midterms nervös zu sein. In diesem Umfeld könnte selbst ein «Radikaler» wie Abdul El-Sayed in Michigan gewinnen.
