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Tesla-Unfall in den USA: Musk bestreitet Einfluss von Autopilot-Modus

A car driver uses the auto pilot system while driving a Tesla S 85D model on the motorway A1 towards Zurich, Switzerland, on August 17, 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Autofahrer faehrt mit Hilfe d ...
Trotz Autopilot gehören die Hände stets an das Lenkrad.Bild: KEYSTONE

Tödlicher Tesla-Unfall in Houston – Musks Vision vom autonomen Fahren erneut in der Kritik

Nach einem tödlichen Unfall in Texas behauptet der Fahrer, dass der Autopilot des Herstellers Tesla den Wagen gelenkt und angetrieben haben soll. Tesla bestreitet dies. Die oberste US-Verkehrssicherheitsbehörde hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet.
23.06.2026, 17:1323.06.2026, 17:13

Am vergangenen Freitag kam es in Houston, im Bundesstaat Texas, zu einem tödlichen Unfall mit einem Tesla Model 3. Bilder zeigen, wie das Elektrofahrzeug ungebremst in ein Wohnhaus fährt, wobei eine Bewohnerin, die sich im Inneren des Hauses aufhielt, tödlich verletzt wurde. Gegenüber der Polizei gab der Fahrer des Autos an, dass das autonome Fahrsystem von Tesla bei dem Unfall aktiviert gewesen sei.

Nun hat die oberste Verkehrssicherheitsbehörde des Landes, die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), eine Untersuchung in dem Fall eingeleitet, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Die Behörde, die sich nur bei Unfällen mit besonderen Umständen aus ingenieurstechnischer Sicht einschaltet, hat bereits über 40 solcher Sonderuntersuchungen aufgrund Teslas autonomen Fahrsystems eröffnet.

Autonomes Fahrsystem soll an 211 Unfällen beteiligt gewesen sein

Während diverse Fälle noch immer laufen, führten bereits abgeschlossene Untersuchungen dazu, dass Tesla die Software seines autonomen Fahrsystems durch ein Update überarbeiten musste. So untersuchte die US-Regulierungsbehörde beinahe 1000 Unfälle, in denen Teslas involviert waren, in einem Zeitraum von 2018 bis 2023, wobei 29 Personen zu Tode kamen.

In rund der Hälfte der Unfälle kam die Behörde zum Ergebnis, dass zu wenig Daten für eine Bewertung vorliegen würden, in anderen Fällen konnte die Nutzung des Autopiloten ausgeschlossen werden oder es konnte nachgewiesen werden, dass andere Faktoren zum Unfall führten. Bei rund 211 Unfällen jedoch kam die Behörde zum Schluss, dass das autonome Fahrsystem dabei eine Rolle spielte, wie das Tech-Magazin «Engadget» berichtete.

Bei den Unfällen starben 14 Personen, 49 wurden schwer verletzt. In rund 80 Fällen zeigte sich, dass die Fahrerin oder der Fahrer eigentlich genug Zeit gehabt hätte, um selber einzugreifen und den Unfall zu verhindern. Genau hier läge gemäss der Behörde eines der Hauptprobleme mit dem Autopiloten oder der Full-Self-Driving-Software, wie Tesla seine Software in verschiedenen Abstufungen nennt.

US-Regulierungsbehörde beanstandet Marketing von Tesla

So beanstandet die NHTSA, dass Tesla seinen Kundinnen und Kunden durch sein eigenes Marketing suggerieren würde, dass die Software zu jeder Zeit die volle Kontrolle über das Auto sowie potenzielle Gefahren hätte. Während Anbieter mit vergleichbaren Systemen diese bewusst als Assistenzsysteme vermarkten, besteht Tesla darauf, seine Software als Autopilot oder als Full Self-Driving zu verkaufen, was impliziert, dass diese ohne menschliches Zutun fahren können und sollen.

Gegenüber dem Techmagazin «The Verge» verwies die Firma von Elon Musk darauf, dass ihr autonomes Fahrsystem Nutzerinnen und Nutzer regelmässig durch Warnsignale darauf hinweisen würde, dass die Hände an das Lenkrad gehörten und die Augen auf die Strasse gerichtet sein müssten. Die NHTSA jedoch beanstandete die Sicherheitsvorkehrungen als ungenügend.

Das daraufhin verordnete Update führte zu stärkeren Kontrollmechanismen wie beispielsweise einer automatischen Abschaltung des Selbstfahrsystems, wenn dieses vermehrt feststellt, dass der Fahrer oder die Fahrerin die Vorschriften missachtet. Ebenfalls wurde der Bezeichnung Full Self Driving der Zusatz «Supervised» hinzugefügt.

Musk bestreitet Einfluss von Autopilot auf Unfall in Houston

Beim aktuellen Fall in Houston bestreiten Ashok Elluswamy, Vizepräsident für KI und Software bei Tesla, sowie der CEO von Tesla, Elon Musk, auf dessen eigener Social-Media-Plattform X, dass der Autopilot für den Unfall verantwortlich sei. Elluswamy schrieb, dass der Fahrer beim Unfall das Gaspedal manuell bis zum Anschlag runtergedrückt habe.

Musk ergänzte, dass Fahrzeuge im Full-Self-Driving-Modus innerorts nur langsam fahren würden und nicht mit der Geschwindigkeit, mit welcher der Fahrer unterwegs war. Das Büro des Sheriffs liess verlauten, dass die Ermittlungen im aktuellen Fall noch laufen würden, über eine Anklageerhebung sei noch nicht entschieden worden.

Tesla steht wegen seines autonomen Fahrsystems nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal in der Kritik. Kaum ein anderer Autobauer hat die Vision vollständig autonomer Fahrzeuge und grossflächiger Robotaxi-Netzwerke so offensiv vorangetrieben wie Tesla. Kritikerinnen und Kritiker werfen Musk vor, für seine Vision Tausende von Unfällen und Dutzende von Toten in Kauf zu nehmen.

Verschwiegene Unfälle und eine Millionenstrafe

Ein Datenleck deckte vor rund zwei Monaten auf, dass Tesla bis in das Jahr 2022 Tausende schwerwiegende Zwischenfälle mit seiner Software für autonomes Fahren verschwieg, wie das SRF berichtete. Ein ehemaliger Servicetechniker der Firma übergab die Daten zu diesen Vorfällen an das deutsche Magazin «Handelsblatt», welches die Vorfälle daraufhin publik machte.

Ebenfalls wurde Tesla im letzten Sommer zu einer Zahlung von 240 Millionen Dollar an die Angehörigen einer verstorbenen 22-Jährigen verurteilt. Dies, nachdem ein Tesla im Autopilot-Modus mit dem Fahrzeug kollidiert war, in welchem diese mit ihrem Ehemann sass.

Der Ehemann, welcher den Unfall schwer verletzt überlebte und bis heute noch an den Folgen leidet, sagte in einer kürzlich veröffentlichten Dokumentation des Westschweizer Fernsehens RTS, dass er sich wie ein menschliches Versuchskaninchen gefühlt habe, als er von den Vorwürfen gegenüber Tesla erfuhr.

Bei den Ermittlungen zu dem Unfall behauptete Tesla, dass die Blackbox, also das Gerät im Auto, welches die Fahrdaten aufzeichnet, beschädigt sei und dieses daher keine Daten liefern könne. Externen Experten gelang es daraufhin jedoch, die gelöschten Informationen wiederherzustellen. Diese zeigten, dass die Firma bereits am Abend vor dem Unfall von der Fehlfunktion des Autos wusste, die am Tag darauf zum Unfall führte.

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