International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Showdown in Brasilia: Temers Schicksal hängt am Richtervotum



Demonstrators march against Brazil's President Michel Temer, holding banners that reads in Portuguese

Bild: Andre Penner/AP/KEYSTONE

Vor dem Hintergrund eines Korruptionsskandals haben Demonstranten in Brasilien den Rücktritt von Präsident Michel Temer gefordert. Die Koalitionäre setzen ein Ultimatum.

Zu Protestaktionen kam es am Sonntag etwa in São Paulo und in Rio de Janeiro, wo sich Hunderte Menschen versammelten. Sie hielten Transparente mit dem Spruch «Temer raus!» hoch. Die Demonstrationen waren aber kleiner als im vergangenen Jahr, als viele Bürger ein Amtsenthebungsverfahren gegen Temers Vorgängerin Dilma Rousseff forderten.

Brazil's President Michel Temer speaks during a national address from the Planalto Presidential Palace, in Brasilia, Brazil, Saturday, May 20, 2017. Temer is suggesting that an audio that purportedly recorded him supporting hush money for an ex-lawmaker has been doctored. Temer says his administration will petition the Supreme Federal Tribunal to suspend the investigation against him until the audio is verified. (AP Photo/Eraldo Peres)

Bild: Eraldo Peres/AP/KEYSTONE

Derweil erwägen die wichtigsten Koalitionspartner Temers einen Bruch des Bündnisses. Ein Ende der Koalition dürfte gleichbedeutend mit dem Aus auch für den konservativen Staatschef selbst sein.

Nach Krisengesprächen am Wochenende wird der kommende Mittwoch zum entscheidenden Tag: Dann will das Plenum des Obersten Gerichtshofs über Temers Antrag entscheiden, die Strafermittlungen gegen ihn auszusetzen. Wenn diese fortgeführt werden, droht ihm der Verlust unter anderem des grössten Partners, der sozialdemokratischen PSDB.

«Wenn der Kapitän des Teams humpelt»

«Wenn in einem Finale der Weltmeisterschaft der Kapitän des Teams humpelt, muss er ausgewechselt werden», zitierte das Portal «O Globo» einen Koalitionär. Es gibt die Sorge, dass die schweren Vorwürfe die Regierung lähmen, gerade zu einem Zeitpunkt, wo die Rezession langsam zu Ende geht und Investoren wieder im Land Geld anlegen. Durch einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um insgesamt 7,4 Prozent seit 2015 sind inzwischen 13,5 Millionen Menschen in Brasilien arbeitslos.

Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot ermittelt wegen Behinderung der Justiz, Korruption und organisierter Kriminalität. Temer wird etwa Schweigegeldabsprache vorgeworfen, damit der frühere Parlamentspräsident Eduardo Cunha, der bereits im Gefängnis sitzt, nicht sein Wissen über ein Korruptionsnetzwerk rund um den JBS-Konzern preisgibt.

Zudem soll Temer vom Fleischkonzern JBS für seine letzte Wahlkampagne 15 Millionen Reais (4,8 Mio. Franken) erhalten und eine Million (320'000 Franken) in die eigene Tasche gesteckt haben. Ausserdem gibt es Fotos davon, wie ein Vertrauter Temers von einem JBS-Direktor einen Geldkoffer mit rund 150'000 Franken entgegennimmt.

«Das perfekte Verbrechen»

Temer hatte am Wochenende betont: «Ich mache weiter an der Spitze dieser Regierung». Zugleich griff er Joesley Batista, den Besitzer des Fleischkonzerns JBS, an - dieser hatte die Vorwürfe erhoben und Mitschnitte der Gespräche mit Temer der Justiz ausgehändigt.

Er wirft Batista vor, einen Skandal konstruiert zu haben, um sich zu bereichern. Temer beschuldigt ihn des kriminellen Insiderhandels. So wirft er Batistas Unternehmensgruppe vor, sich vor Bekanntwerden des Skandals massenhaft mit Devisen eingedeckt zu haben. Am Tag darauf stürzte der Leitindex Bovespa ab, der Real verlor massiv an Wert. Dadurch wurde der Kauf von Devisen wie dem Dollar viel teurer als am Vortag.

Zudem sagte Temer, dass JBS am Tag vor den Veröffentlichungen eigene Aktien verkauft habe; die Papiere verloren auch stark an Wert. «Er hat das perfekte Verbrechen begangen», sagt Temer über Batista. (sda/reu)

Das könnte dich auch interessieren:

Geld allein macht nicht glücklich – aber was dann, Herr Glücksforscher?

Link zum Artikel

Love-Scamming: Wie ich einer Russin (fast) auf den Leim gegangen bin

Link zum Artikel

Die Geschichte dieses Bildes steht exemplarisch für den momentanen Gender-Knorz

Link zum Artikel

Bond fährt E-Auto? (00)7 Vorschläge, wie er sich noch besser an die Generation Y anpasst

Link zum Artikel

Vegane Influencerin bekommt ihre Periode nicht mehr – jetzt zieht sie Konsequenzen

Link zum Artikel

Warum ich bete

Link zum Artikel

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Angriff auf die grüne Lunge: Amazonas-Regenwald schrumpft stark

Der neue brasilianische Präsident Bolsonaro gilt als Freund der Landwirte und Holz-Unternehmer. Der Dschungel ist für ihn vor allem eine Wirtschaftsressource. Kritiker befürchten, dass der Ex-Militär den Holzfällern weitgehend freie Hand lässt.

Im Amazonas kreischen die Kettensägen: Nach dem Amtsantritt des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro steigert sich die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien weiter. Im brasilianischen Amazonasgebiet legte die Abholzung im Januar - dem ersten …

Artikel lesen
Link zum Artikel