Selenskyj berichtet von NATO-Gipfel: China soll Putin «eine Art Ultimatum» gestellt haben
Beim vergangenen NATO-Gipfel in Ankara hat es nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auch Gespräche über die Rolle Chinas im Ukraine-Krieg gegeben.
Bei den Gesprächen zwischen Selenskyj und US-Präsident Trump sei China ein wichtiges Thema gewesen, sagte Selenskyj am Donnerstag laut Bericht der ukrainischen Nachrichtenagentur RBC. Er wollte keine Details nennen, verwies aber darauf, dass auch europäische Regierungschefs über ihre Kontakte mit der chinesischen Regierung gesprochen hätten.
Dabei soll Peking sehr harsch auf russische Medienberichte reagiert haben, die den Einsatz von Atomwaffen fordern. «Es ist sehr wichtig zu betonen, dass nicht nur die Europäer, nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch China reagiert haben. Und mir scheint, dass dies das erste Mal ist, dass sie so klar und so entschieden – wie mir gesagt wurde, in einer ultimatumartigen Weise – reagiert haben, dass über den Einsatz von Atomwaffen keinerlei Diskussion stattfinden darf», sagte Selenskyj ukrainischen Reportern.
Offiziell hält sich China aus dem Krieg heraus, es gibt aber teils über Drittländer abgewickelte Lieferungen von Waffenkomponenten. Ausserdem kauft Peking Rohstoffe von Russland.
Atomwaffenübungen in Belarus
Bislang hat Wladimir Putin davon abgesehen, direkte nukleare Drohungen gegen Kiew auszusprechen. Russland führte aber im Mai in Belarus Atomwaffenübungen durch. Trotz des Drucks seitens russischer Politiker erklärte Putin, die Angriffe der Ukraine richteten nicht genügend Schaden an, um eine nukleare Reaktion seiner Regierung zu rechtfertigen.
Im Juni forderte der St.Petersburger Abgeordnete Viktor Perow, die Ukraine mit Atomwaffen anzugreifen. «Unser Präsident war gezwungen, die militärische Sonderoperation zu starten, aber leider verlief nicht alles wie geplant. Daher bin ich der Meinung, dass Sie, die Abgeordneten, sich mit der Bitte an den Präsidenten wenden sollten, den Einsatz von Atomwaffen zu beginnen … was die Führung der Ukraine dazu bringen wird, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen», sagte Perow.
US-Politiker Graham: Weg zum Frieden führt über Peking
China könnte eine entscheidende Rolle dabei spielen, Russland zu Friedensgesprächen zu drängen und so dazu beizutragen, den Krieg in der Ukraine zu beenden, sagte der US-Senator Lindsey Graham am Freitag laut der Nachrichtenagentur Reuters. Er fügte hinzu, dass die nächsten Monate eine Chance für eine diplomatische Lösung bieten würden.
Graham sagte weiter, dass die Stärkung der militärischen Fähigkeiten der Ukraine und die Verknüpfung von Sanktionen mit diplomatischen Bemühungen Moskau zu Verhandlungen zwingen könnten. «Der Weg zur Beendigung dieses Krieges, der Weg zum Frieden, führt eher über Peking als über Washington, Kiew oder Moskau. China hat einen übergrossen Einfluss. Ich würde mir wünschen, dass es seinen Einfluss zum Wohle der Welt einsetzt», sagte Graham gegenüber Reportern auf dem Mykhailivska-Platz im Herzen von Kiew.

