International
China

Chinese treibt eine Woche im Meer, weil er von einer Klippe stürzte

260607 -- CHENGMAI, June 7, 2026 -- Villagers and rescuers bring Qin Jianping ashore at the coast of Chengmai County, south China s Hainan Province, June 2, 2026. TO GO WITH China Focus: Miracle man d ...
Die Polizei und Ambulanz stehen bereit, um Qin Jianping nach seiner Rettung in Empfang zu nehmen.Bild: imago

Nach Klippensturz: Chinese treibt eine Woche im Meer – und überlebt

Kein Essen, kein Trinkwasser, keine Rettungsweste – und trotzdem am Leben. Nach einem Sturz von einer Klippe überlebte ein Chinese tagelang im Meer.
10.06.2026, 08:0510.06.2026, 08:05
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Qin Jianpings Geschichte gleicht einem Wunder. Der 39-Jährige hat sieben Tage lang auf dem offenen Meer überlebt. Der Grosshändler aus der südchinesischen Region Guangxi stürzte bei einem abendlichen Spaziergang von einer Klippe. Sieben Tage und sechs Nächte trieb er ohne Nahrung oder Trinkwasser in der Meerenge zwischen der Insel Hainan und dem chinesischen Festland. Schliesslich entdeckten ihn zwei Fischer völlig entkräftet und retteten ihn aus den Fluten. Darüber berichten die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua und die Nachrichtenplattform «China Daily».

Bei «China Daily» sprach Qin über seinen Überlebenskampf. Der Unfall ereignete sich in der Nacht des 27. Mai gegen 23 Uhr. Qin war im Urlaub in Haikou, der Hauptstadt der Insel Hainan, und spazierte bei windigem Wetter an einem Seedamm entlang, als er auf einer weggeworfenen Obstschale ausrutschte und ins Meer fiel. Obwohl er schwimmen konnte, hätten ihn die Wellen immer weiter auf das offene Meer hinausgezogen, wie er selbst erzählte.

«Das Meer ist nicht wie ein Schwimmbad», sagte Qin. «Ich konnte den Grund nicht spüren, und riesige Wellen drängten mich immer weiter hinaus. Jedes Mal, wenn ich einen Meter in Richtung Ufer schwamm, zogen mich die Wellen drei oder vier Meter zurück. Es gab keine Möglichkeit, zurückzuschwimmen.» Um Kraft zu sparen, habe er seine Schuhe, Hose, Uhr und Ring ausgezogen und sich durch Wassertreten und Armbewegungen über Wasser gehalten. Am nächsten Morgen sei das Ufer nicht mehr zu sehen gewesen. Zwei Schiffe seien in seiner Nähe vorbeigefahren, hätten ihn jedoch nicht bemerkt.

Dutzende rohe Krabben als Nahrung

Nach mehr als 40 Stunden ohne Nahrung und Schlaf sei es ihm gelungen, auf eine treibende Boje zu klettern und kurz einzuschlafen. Eine grosse Welle habe ihn jedoch wieder ins Wasser geworfen.

Aus extremem Durst habe er Meerwasser und später seinen eigenen Urin getrunken. Beides habe den Durst nicht gestillt, und er habe unter starken Schmerzen gelitten. Nachts habe er gegen Kälte und Erschöpfung gekämpft. «Ich rollte mich zu einer Kugel zusammen und versuchte, jedes bisschen Wärme zu bewahren», so Qin.

Am fünften Tag, dem 31. Mai, habe er eine orangefarbene Navigationsboje mit einem grossen Schaumstoffsockel erreicht. Zu schwach zum Hinaufklettern, habe er sich daran festgeklammert. In den Ritzen des Schaumstoffs habe er nagelgrosse Seekrabben entdeckt und dutzende mit blossen Händen gefangen, um sie roh zu essen. Sie blieben seine einzige Nahrungsquelle.

In this 2018 image provided by Woods Hole Oceanographic Institution, a buoy used to gather data floats in the Pioneer Mid-Atlantic Bight off the coast of North Carolina. (Darlene Trew Crist/Woods Hole ...
An einer Rettungsboje konnte er sich festhalten, um hinaufzuklettern fehlte ihm die Kraft. (Symbolbild)Bild: keystone

Am sechsten Tag seien seine Augen von Sonneneinstrahlung und Austrocknung blutunterlaufen gewesen. Erinnerungen an seine Kindheit, seine Heirat und seine Familie seien an ihm vorbeigezogen.

Schliesslich entdeckten ihn zwei Fischer, Zheng Shizhong und Fu Tingsan. Als sie ihr Boot näher heransteuerten, lag Qin nackt im Wasser. Er sei kaum ansprechbar gewesen. Die Fischer streckten ihm eine vier Meter lange Bootsstange entgegen und zogen ihn an Bord. Die Rückfahrt zum Ufer dauerte mehr als eine Stunde. Am Ufer warteten bereits Dorfbewohner, die Polizei und Rettungskräfte.

Familie hatte die Hoffnung aufgegeben

In Guangxi hatte Qins Familie bereits fieberhaft nach ihm gesucht. Ein Freund war am 29. Mai nach Hainan gereist und hatte ihn als vermisst gemeldet. Die Polizei bestätigte anhand von Überwachungsaufnahmen, dass er ins Meer gefallen war. Seine Frau traf am 31. Mai in Hainan ein und suchte tagelang die Küste ab. Die Behörden teilten der Familie mit, dass die Überlebenschancen nach mehr als drei Tagen auf See sehr gering seien. Seine Frau erzählte den chinesischen Medien später, sie habe sich bereits darauf eingestellt, dass er tot sei. Als sie ihn schliesslich im Krankenhaus gesehen habe, sei sie in Tränen ausgebrochen. Er sei kaum wiederzuerkennen gewesen.

260607 -- CHENGMAI, June 7, 2026 -- A medical worker takes care of Qin Jianping at Chengmai County People s Hospital in Chengmai County, south China s Hainan Province, June 6, 2026. TO GO WITH China F ...
Qin Jianping erhohlt sich nach seinem unglaublichen Überlebenskampf im Spital.Bild: imago

Qin wurde in kritischem Zustand in das Volkskrankenhaus des Kreises Chengmai eingeliefert. Die Ärzte stellten fest, dass er schwer dehydriert war und mehrere infizierte Wunden hatte sowie Mundgeschwüre vom Rohverzehr der Krabben und innere Schäden durch das Trinken von Meerwasser. Sein Gewicht fiel den Berichten zufolge von über 85 auf rund 75 Kilogramm. Nach zwei Tagen auf der Intensivstation stabilisierte sich sein Zustand. Die Ärzte rechnen damit, dass er innerhalb einer Woche entlassen werden kann und danach nur noch Routinekontrollen benötigt.

Nach seiner Genesung will Qin als Erstes die beiden Fischer besuchen, um ihnen persönlich zu danken. «Egal wie gefährlich oder hoffnungslos die Dinge werden, wenn man einen klaren Kopf behält, kann man es durchstehen», sagte er.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Jösses, sind diese kleinen Pandas herzig!
1 / 11
Jösses, sind diese kleinen Pandas herzig!
23 Pandas sind in diesem Jahr im chinesischen Chengdu bereits auf die Welt gekommen.
quelle: x01745 / china daily
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Explosion in einer Kohlenmine mit mindestens 90 Toten in Nordchina
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Der Franken ist ein Jahrhundert-Phänomen – doch er hat eine Achillesferse
Die Schweiz verdankt ihre begehrte Valuta der notorisch tiefen Inflation. Doch hinter dieser Binsenwahrheit versteckt sich eine ungleich komplexere und unangenehmere Wirklichkeit.
Der Franken ist «extrem überbewertet» und «niemand in der Politik oder in den Medien scheint sich darüber gross aufzuregen». Ausser sich war Swatch-Group-Chef Nick Hayek, als der Dollar/Franken-Kurs Ende Januar mit nur noch gut 76 Rappen ein neues Allzeittief erreichte. Mit seinem Interview bei CH Media sorgte er im Februar höchstpersönlich dafür, dass der Frankenkurs doch noch zum nationalen Ärgernis wurde.
Zur Story