International
Deutschland

Experte nach Anschlag am CSD in Berlin: «Noch mehr Polarisierung»

epaselect epa13135225 A runner passes by a mourning site near the scene where a vehicle plowed into a crowd on the sideline of the Christopher Street Day (CSD) parade in Berlin, Germany, 27 July 2026. ...
Anschläge wie der vom Wochenende können nach Einschätzung des Experten die politische Stimmung massgeblich verändern.Bild: keystone

Experte nach Anschlag in Berlin: «Könnte zu noch mehr Polarisierung führen»

28.07.2026, 05:1628.07.2026, 05:16

Der mutmasslich islamistische Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin wird nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Thorsten Faas spürbare Auswirkungen auf den Wahlkampf haben. «Wir sehen bereits, dass sich der Fokus der Medien und damit auch der Öffentlichkeit verschiebt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Fragen der inneren Sicherheit und der Integration stehen im Fokus, anderes wird in den Hintergrund gedrängt.»

Gleichzeitig sei Ziel des Anschlags zu berücksichtigen: «Auch der CSD ist ja ein politisches Event», sagte Faas, der eine Professur für Politikwissenschaft an der Freien Universität (FU) in Berlin hat. Dadurch rücke dieser Aspekt stärker in den Mittelpunkt. «Das könnte insgesamt zu noch mehr Polarisierung führen.» In Sachsen-Anhalt wird am 6. September gewählt, in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin jeweils 14 Tage später.

Anschläge wie der vom Wochenende können nach Einschätzung des Experten die politische Stimmung massgeblich verändern oder sogar wahlentscheidend sein. «Alleine schon die Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit ist relevant.»

Bleibt der Anschlag bis zu den Wahlen im Gedächtnis?

«Denn mit unterschiedlichen Themen sind unterschiedliche Parteien positiv oder negativ verknüpft», sagte Faas. «Solche Anschläge spielen tendenziell rechten Parteien in die Hände. Aber durch das Ziel des Anschlags – der CSD – kann ein solches Ereignis auch links der Mitte mobilisieren.»

Bis zum Wahltermin in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind es allerdings noch fast zwei Monate: «Das Thema wird nicht acht Wochen lang die Öffentlichkeit dominieren, dafür passiert zu viel», so der Politikwissenschaftler vom Otto-Suhr-Institut der FU.

«Gefährlich ist es allerdings für Regierungsparteien – dann nämlich, wenn der Eindruck entsteht, dass Fehler gemacht wurden und die Kompetenz von Regierungen infrage steht. So etwas kann nachhaltig schaden, auch wenn das Ereignis selbst in den Hintergrund rückt.»

Bei dem Anschlag am Samstagabend soll ein 21-jähriger Deutscher mit libanesischen Wurzeln und Verbindungen zum islamistischen Terror zahlreiche Menschen mit einem Van angefahren haben. Eine Frau aus Polen wurde tödlich, weitere 29 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Bei seiner Festnahme am Sonntagabend wurde Abdul B. von Einsatzkräften erschossen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die eindrucksvollsten Bilder der Waldbrände in Frankreich und Spanien
1 / 17
Die eindrucksvollsten Bilder der Waldbrände in Frankreich und Spanien

Auch in der Nacht auf Montag, den 27. Juli 2026, brennen die Flammen im französischen Département Gironde weiter.

quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Taifun «Noul» peitscht mit hoher Geschwindigkeit durch Hongkong
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
9 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
9
Ändert sich nun etwas? Deutschland diskutiert über härtere Strafen für «Gefährder»
Nach dem Anschlag am Berliner Christopher Street Day geraten Versäumnisse der Justiz in den Blick, aber auch die wachsende Bedrohung Homosexueller durch Islamisten.
Es ist über die Jahre zu einem traurigen Ritual geworden: Nach islamistischen Anschlägen wird in Deutschland darüber debattiert, ob und wie die Taten zu verhindern gewesen wären. Doch die Versäumnisse, die dabei ans Licht gebracht werden, bleiben einander ähnlich: Es sind die immergleichen Erzählungen über Radikalisierung, Vorstrafen und frühzeitige Entlassungen, über Warnzeichen, die sichtbar waren und zwar nicht unbedingt ignoriert, aber doch nicht ernst genug genommen wurden.
Zur Story