International
Deutschland

Vorfall in Leipzig: Sprengstoff-Drohne schlug wohl auf Flügel ein

Vorfall in Leipzig: Sprengstoff-Drohne schlug wohl auf Flügel ein

War es eine Warnung oder doch ein gezielter Anschlag? Neue Erkenntnisse zur Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle rücken den Vorfall in ein neues Licht.
10.08.2026, 12:5710.08.2026, 12:57
Charlotta Siemer / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die mit Sprengstoff beladene Drohne soll die ukrainische Frachtmaschine am Leipziger Flughafen gezielt angeflogen haben und länger als bisher bekannt bereits neben der Maschine am Boden gelegen haben. Das berichtet die «Zeit» unter Berufung auf Auswertungen von Videoaufnahmen.

epaselect epa13153503 A Ukrainian 'Antonov' cargo plane at the Airport Leipzig-Halle, in Schkeuditz, Germany, 06 August 2026. German police issued an alert at the airport after a drone loade ...
Ein Antonow-Flieger (Symbolbild): Neue Erkenntnisse zeigen, dass der Anschlag in Leipzig gezielter gewesen zu sein scheint als bisher angenommen.Bild: keystone

Demnach zeigen die Aufnahmen offenbar, dass bereits am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr ein Objekt auf diese Antonow-Transportmaschine zuflog und schliesslich auf einer der Tragflächen einschlug. Der Gegenstand sei dann abgeprallt und zu Boden gefallen. Spuren am Flügel der Maschine würden diesen mutmasslichen Ablauf bestätigen, so die «Zeit».

In den Flügeln von Flugzeugen befinden sich in der Regel die Treibstofftanks, sodass eine Detonation am Flügel potenziell das Flugzeug zur Explosion bringen kann. Warum der Sprengstoff in Leipzig nicht explodierte, ist bislang unklar.

Drohne näherte sich mit offensichtlicher Schadensabsicht

Erst vier Stunden später wurde die Drohne zufällig entdeckt. Anders als in der bisherigen Berichterstattung gab der Busfahrer einer Touristengruppe dem Gerät dem Bericht zufolge allerdings keinen Tritt. Die Drohne habe bereits am Boden gelegen, der Sprengsatz in einiger Entfernung zur Drohne. Der Busfahrer habe dann nach kurzem Zögern seinen Fuss auf die Drohne gestellt und das Sicherheitspersonal verständigt – so sollen es die Aufnahmen zeigen.

Die Ermittlungshypothese, dass die Drohne eine Art Warnung gewesen sein könnte und gar nicht dazu gedacht gewesen sein könnte, tatsächlich zu explodieren, lasse sich nun nicht mehr halten, schlussfolgert die «Zeit». Die Drohne habe sich nicht vorsichtig, sondern mit offensichtlicher Schadensabsicht dem Flugzeug genähert.

Mutmassliche zweite Drohne wird noch gesucht

Die Überreste einer mutmasslichen zweiten Drohne, die mit einem DHL-Transportflugzeug kollidiert sein soll, werden aktuell noch gesucht. Nach dem Drohnenfund war in Leipzig der Flugbetrieb eingestellt worden. Die DHL-Maschine musste durchstarten und kollidierte dabei mit einem bislang unbekannten Flugobjekt. Mehr zu der möglichen zweiten Drohne lesen Sie hier.

Die Ermittler vermuten dem Bericht zufolge, dass die Drohnen von einem professionellen Team, das sich in der Umgebung des Flughafens befand, gesteuert worden seien. Die Fahndung nach den Piloten und weiteren Trümmerteilen läuft weiterhin.

Bilger kündigt bessere Drohnenabwehr an

Wer hinter dem Anschlagsversuch steckt, ist bislang weiter unklar. Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine. Der Verdacht, dass russlandfreundliche Akteure involviert sind, liegt also nahe.

Der deutsche Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat eine rasche Verbesserung der Vorkehrungen zur Entdeckung und Abwehr von Drohnen an Deutschlands Flughäfen angekündigt. «Die Deutsche Flugsicherung ist zuständig für die Sicherheit im Luftraum rund um die Flughäfen. Da spielt rechtzeitiges Erkennen von Drohnen natürlich eine wesentliche Rolle», sagte Bilger dem Nachrichtenportal Politico. «Verlässliche Detektion ist das A und O», betonte der neue Verkehrsminister. «Frankfurt und München sind da inzwischen besser ausgestattet. Was die anderen Flughäfen angeht, haben wir keine Zeit zu verlieren. Ich will bei der weiteren Ausrüstung beschleunigen, was geht», betonte er.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
149 Prozent mehr Suchanfragen aus der Schweiz: Das ist der Shakira-Effekt
Zwölf Konzerte in einem eigens errichteten Stadion. Die Sängerin macht Madrid zum Reiseziel. Die Stadt profitiert.
Wer momentan eine Reise nach Madrid buchen will, dürfte über die Preise staunen. Die durchschnittliche Tagesrate für ein Hotelzimmer liegt bei 339 Euro. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr waren es 283 Euro. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Zug- und Flugreisen in die spanische Hauptstadt deutlich.
Zur Story