Vorfall in Leipzig: Sprengstoff-Drohne schlug wohl auf Flügel ein
Die mit Sprengstoff beladene Drohne soll die ukrainische Frachtmaschine am Leipziger Flughafen gezielt angeflogen haben und länger als bisher bekannt bereits neben der Maschine am Boden gelegen haben. Das berichtet die «Zeit» unter Berufung auf Auswertungen von Videoaufnahmen.
Demnach zeigen die Aufnahmen offenbar, dass bereits am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr ein Objekt auf diese Antonow-Transportmaschine zuflog und schliesslich auf einer der Tragflächen einschlug. Der Gegenstand sei dann abgeprallt und zu Boden gefallen. Spuren am Flügel der Maschine würden diesen mutmasslichen Ablauf bestätigen, so die «Zeit».
In den Flügeln von Flugzeugen befinden sich in der Regel die Treibstofftanks, sodass eine Detonation am Flügel potenziell das Flugzeug zur Explosion bringen kann. Warum der Sprengstoff in Leipzig nicht explodierte, ist bislang unklar.
Drohne näherte sich mit offensichtlicher Schadensabsicht
Erst vier Stunden später wurde die Drohne zufällig entdeckt. Anders als in der bisherigen Berichterstattung gab der Busfahrer einer Touristengruppe dem Gerät dem Bericht zufolge allerdings keinen Tritt. Die Drohne habe bereits am Boden gelegen, der Sprengsatz in einiger Entfernung zur Drohne. Der Busfahrer habe dann nach kurzem Zögern seinen Fuss auf die Drohne gestellt und das Sicherheitspersonal verständigt – so sollen es die Aufnahmen zeigen.
Die Ermittlungshypothese, dass die Drohne eine Art Warnung gewesen sein könnte und gar nicht dazu gedacht gewesen sein könnte, tatsächlich zu explodieren, lasse sich nun nicht mehr halten, schlussfolgert die «Zeit». Die Drohne habe sich nicht vorsichtig, sondern mit offensichtlicher Schadensabsicht dem Flugzeug genähert.
Mutmassliche zweite Drohne wird noch gesucht
Die Überreste einer mutmasslichen zweiten Drohne, die mit einem DHL-Transportflugzeug kollidiert sein soll, werden aktuell noch gesucht. Nach dem Drohnenfund war in Leipzig der Flugbetrieb eingestellt worden. Die DHL-Maschine musste durchstarten und kollidierte dabei mit einem bislang unbekannten Flugobjekt. Mehr zu der möglichen zweiten Drohne lesen Sie hier.
Die Ermittler vermuten dem Bericht zufolge, dass die Drohnen von einem professionellen Team, das sich in der Umgebung des Flughafens befand, gesteuert worden seien. Die Fahndung nach den Piloten und weiteren Trümmerteilen läuft weiterhin.
Bilger kündigt bessere Drohnenabwehr an
Wer hinter dem Anschlagsversuch steckt, ist bislang weiter unklar. Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine. Der Verdacht, dass russlandfreundliche Akteure involviert sind, liegt also nahe.
Der deutsche Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat eine rasche Verbesserung der Vorkehrungen zur Entdeckung und Abwehr von Drohnen an Deutschlands Flughäfen angekündigt. «Die Deutsche Flugsicherung ist zuständig für die Sicherheit im Luftraum rund um die Flughäfen. Da spielt rechtzeitiges Erkennen von Drohnen natürlich eine wesentliche Rolle», sagte Bilger dem Nachrichtenportal Politico. «Verlässliche Detektion ist das A und O», betonte der neue Verkehrsminister. «Frankfurt und München sind da inzwischen besser ausgestattet. Was die anderen Flughäfen angeht, haben wir keine Zeit zu verlieren. Ich will bei der weiteren Ausrüstung beschleunigen, was geht», betonte er.

