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Merz zu Solidaritätsbesuch in der Ukraine

MUENSTER, GERMANY - OCTOBER 01: German Chancellor Friedrich Merz speaks to the press after meeting soldiers of the 1 German-Netherlands Corps (1GNC) on October 01, 2026 in Muenster, Germany. The 1 Ger ...
Bundeskanzler Friedrich Merz.Bild: Getty Images Europe

Merz in der Ukraine: Weitere Militärhilfe geplant

04.10.2026, 06:1904.10.2026, 06:25

Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu einem Solidaritätsbesuch in der Ukraine eingetroffen, um dem Land weitere konkrete Hilfe für den Abwehrkampf gegen Russland zuzusagen - vor allem Abfangdrohnen und weitreichende Waffen. Der CDU-Chef sagte bei seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew:

«Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns».

Er wird von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie begleitet. Nach Angaben aus Regierungskreisen will Merz den ukrainischen Streitkräften in Kiew die baldige Auslieferung Tausender Abfangdrohnen zusichern, mit denen die besonders schnellen und daher auch besonders gefährlichen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb bekämpft werden können.

Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden, mit denen Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden können. Insgesamt sollen dafür eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden - und weitere 350 Millionen Euro für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.

Moskau ruft Ausländer zum Verlassen Kiews auf

Es ist wohl die gefährlichste Reise eines Bundeskanzlers in das Kriegsgebiet seit der russischen Invasion im Februar 2022. Die Sicherheitslage in der Ukraine hat sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Drohnenangriffe nehmen zu - auch in der Hauptstadt Kiew und auf Personenzüge.

Nur wenige Stunden vor der Ankunft des Kanzler-Zuges warnte das russische Aussenministerium ausländische Besucher und Diplomaten vor einem Aufenthalt in Kiew. Sie sollten die Stadt verlassen und sich vor allem nicht in der Nähe von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden aufhalten, hiess es in einer Mitteilung.

Als Grund nannte das Ministerium, dass die russischen Streitkräfte «als Reaktion auf die terroristischen Aktionen der ukrainischen Streitkräfte gegen die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur unseres Landes (Russlands) weiterhin systematisch gezielte Schläge gegen militärische Ziele in Kiew und anderen ukrainischen Städten führen».

«Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen»

Merz liess sich davon nicht von Reiseplänen abbringen. Er sei nach Kiew gereist, «weil die Ukraine für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung braucht», sagte er bei seiner Ankunft. «Bald beginnt für die Menschen der fünfte Kriegswinter. Russland bombardiert Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke.» Die Ukrainer liessen sich aber durch den Terror Russlands nicht unterkriegen. «Ich werde Präsident Selenskyj heute sagen:

«Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.»

Das Versprechen, weiter fest an der Seite der Ukraine zu stehen, soll nun mit dem Besuch in Kiew untermauert werden. Deutschland ist finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine. Es gibt aber wachsenden Widerstand gegen die Milliardenhilfen. AfD, Linke und BSW machen mit dem Thema Wahlkampf, worauf Merz in seiner Rede in Münster auch einging. Er sprach von »Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner«. Man werde sich in Deutschland nicht spalten lassen, versprach er den Ukrainern.

Vierter Kanzlerbesuch seit Kriegsbeginn

Es ist der vierte Besuch eines Bundeskanzlers seit der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Merz' Vorgänger Olaf Scholz (SPD) war in seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit zweimal im Kriegsgebiet. Merz besuchte Kiew im Mai vergangenen Jahres nur vier Tage nach seiner Vereidigung als Kanzler im Bundestag - zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und dem polnischen Regierungschef Donald Tusk.

Es war die erste grössere gemeinsame diplomatische Initiative der Europäer, um zu einem Frieden in der Ukraine zu kommen. Von Kiew aus forderten die vier Staats- und Regierungschefs damals Russland ultimativ zu einem bedingungslosen Waffenstillstand auf. Daraus wurde nichts, auch spätere diplomatische Initiativen verliefen zunächst im Sande.

Erste Tuchfühlung mit Moskau ernüchternd

Merz hofft nun darauf, Russland mit anhaltendem militärischen Druck an den Verhandlungstisch zu bewegen. Aussenminister Johann Wadephul hatte vor wenigen Tagen erstmals seit Jahren wieder Tuchfühlung mit Moskau aufgenommen und den russischen Aussenminister Sergej Lawrow in New York getroffen. Das Ergebnis war aber ernüchternd. Lawrow äusserte sich anschliessend abschätzig über das Gespräch und sagte, es habe nichts Neues gebracht.

Merz wertete das als weiteren Beleg dafür, dass diplomatische Bemühungen in Moskau auf taube Ohren stossen. Russland verstehe nur die »Sprache der Stärke« und müsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden, sagte er. »Eintracht und Stärke sind auch heute Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau." (sda/dpa)

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