Fall Fernandes: Neues Interview mit Christian Ulmen bleibt doch privat
Im März liess Collien Fernandes im «Spiegel» die Bombe platzen: Ihr Ex-Mann Christian Ulmen habe sie «virtuell vergewaltigt» (watson berichtete). Die Moderatorin und Schauspielerin sprach offen über das Erlebte, Tausende gingen auf die Strasse, Politiker äusserten sich – nur Ulmen sagte keinen Mucks. Das wollten zwei Journalistinnen der Zeit ändern.
Anne Kunze und Laura Hertreiter wollten den Fall «von allen Seiten beleuchten», wie es in ihrem Artikel heisst: «Wir haben Collien Fernandes um Informationen gebeten, haben uns mit Anwälten, Behörden und Arbeitskollegen der beiden ausgetauscht. Und wir haben Christian Ulmen konfrontiert, den mutmasslichen Täter.» Dieser erklärte sich zum Gespräch bereit.
Was sagt der Schauspieler zu den Vorwürfen seiner Ex-Frau? Neben mutmasslicher häuslicher Gewalt soll er unter ihrem Namen auch gefälschte Profile in sozialen Netzwerken angelegt, Männer angeschrieben und ihnen Nacktaufnahmen und Pornos geschickt haben, die den Eindruck erwecken sollten, sie zeigten seine Ex-Frau.
Anne Kunze und Laura Hertreiter trafen Ulmen bereits im März. Fünf Stunden sprachen die Journalistinnen mit ihm, zweieinhalb davon war auch sein Anwalt Christian Scherz dabei. Und was kam heraus? Nichts.
Die Geschichte einer gescheiterten Recherche
Er habe «umfassende Antworten» gegeben, «aber seine Worte dürfen wir nicht dokumentieren», schreiben sie: «Auf unser Interview folgte eine wochenlange Auseinandersetzung über Formulierungen.» Am Ende haben Ulmen und sein Anwalt sämtliche Zitate zurückgezogen.
Auch ein zweites Interview mit Christian Scherz lief auf dasselbe hinaus. «Dies ist die Geschichte einer gescheiterten Recherche, die mitten hineinführt in das Gestrüpp aus Showbusiness, Justiz, Medien und Publikum», schreiben Anne Kunze und Laura Hertreiter in ihrem dennoch veröffentlichten Artikel: «Hier hat jeder seine eigenen Regeln, Absichten und Gründe zu sprechen – oder eben zu schweigen.»
Genau das tut Ulmen weiterhin, während die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen eines Teils der Vorwürfe gegen ihn ermittelt. Warum der Mann seiner Frau so etwas angetan haben soll, bleibt unbeantwortet.
Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt
Unter häuslicher Gewalt versteht man körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt innerhalb einer Familie oder in einer aktuellen oder aufgelösten Paarbeziehung. Betroffene können sich bei den kantonalen Opferhilfestellen melden, die auf der Website der Opferhilfe Schweiz zu finden sind. Seit Mai 2026 existiert zudem die nationale Opferhilfe-Telefonnummer 142.
Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und anonym. Sollten sich Frauen zu Hause nicht mehr sicher fühlen, finden sie in Frauenhäusern eine sichere Unterkunft. Weitere Unterstützung bietet das Frauen-Nottelefon. Betroffene Männer können sich an die Anlaufstelle Zwüschehalt oder an das Männerbüro Zürich wenden. Bei Straftaten im Ausland können Schweizer Staatsangehörige die Helpline des EDA kontaktieren: +41 800 24 7 365.

