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Schweizer erstellen Deepfakes von Frauen – Influencerinnen wehren sich

Recherche zeigt: Schweizer erstellen Deepfakes von Influencerinnen – diese wehren sich

21.04.2026, 13:0421.04.2026, 13:04

Schweizer Nutzer haben laut Tamedia seit Juli 2024 mindestens 72 sexualisierte Deepfakes von Schweizerinnen, meist von bekannten Influencerinnen, auf Telegram veröffentlicht. Das zeigt eine Recherche des Medienhauses.

Die Deepfakes zeigen die Frauen demnach nackt oder in pornografischen Videos. Begleitet werde dies von Hunderten Beschimpfungen und sexualisierten Posts – häufig verfasst in Schweizerdeutsch. Auch Videos von Ejakulationen über Bilder der Frauen würden unter den Beiträgen veröffentlicht.

Mindestens 72 sexualisierte Deepfakes von Schweizerinnen kursierten auf Telegram. (Symbolbild)
Mindestens 72 sexualisierte Deepfakes von Schweizerinnen kursierten auf Telegram. (Symbolbild)Bild: Shutterstock

Untersucht wurden zwei Telegram-Foren, schreibt Tamedia. Nach einer Anfrage hat Telegram diese zwei Tage später gesperrt. Mindestens 16 anonyme User hätten die Deepfakes auf der Plattform veröffentlicht. Auf eine Anfrage hätten die Nutzer nicht reagiert.

Unter den 14 von der Redaktion identifizierten Frauen seien elf der erfolgreichsten Schweizer Influencerinnen sowie die jüngeren Schwestern von zwei Influencerinnen und eine Mutter. Acht Influencerinnen erstatteten Anzeige, unter anderem wegen Identitätsmissbrauch und Ehrverletzung, nachdem sie mit den Ergebnissen von Tamedia konfrontiert worden waren.

Gesetzeslücken in der Schweiz

Die Dunkelziffer der verbreiteten KI-Videos dürfte weitaus höher liegen. Denn Links und Querverweise würden darauf hindeuten, dass im Privaten und auf verborgenen Foren noch deutlich mehr Deepfakes geteilt werden. Das lasse sich laut Tamedia aufgrund der Nachrichten belegen.

Expertinnen warnen nun gegenüber Tamedia, dass es in der Schweiz bezüglich Deepfakes Gesetzeslücken gibt. Dadurch würde die Verfolgung der Taten erschwert. Zwar gebe es Möglichkeiten, die Bilder und Kommentare strafrechtlich zu verfolgen, doch bis dahin sei es ein «langer und beschwerlicher Weg». Die Ermittlungen der Polizei könnten laut Tamedia Jahre dauern.

Grosse Plattformen wie Telegram sollten laut der Expertinnen stärker in die Verantwortung genommen werden. Zwar verbieten die Richtlinien das Veröffentlichen von «nicht einvernehmlichen sexuellen Materialien», jedoch wähle man bei der Löschung stets «die am wenigsten einschränkende Massnahme».

Die Praxis von Telegram zeigt sich am Beispiel der Schweizer Foren: Ende März seien zwei Deepfakes einer Schweizer Influencerin entfernt worden – die anderen 70 blieben jedoch bestehen, wie Tamedia berichtet.

Influencerinnen wollen Reichweite nutzen

Fünf der Influencerinnen hätten sich dazu entschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten. Sie wollen ihre Reichweite nutzen und auf den systematischen Missbrauch mit Deepfakes aufmerksam machen.

«Ich glaube, mein jüngeres Ich wäre mega stolz auf mich, dass ich das jetzt mache», sagt etwa die 24-jährige Nathi, die auf Instagram und TikTok «nathistyle_» heisst. Denn Deepfakes habe es von ihr schon vor Jahren auf Reddit gegeben. Damals hatte sie keine Anzeige erstattet – aus Angst. Doch jetzt habe sie sich dafür entschieden. Sie und die anderen Influencerinnen würden sich für all jene Frauen einsetzen wollen, denen dasselbe widerfahre.

(hkl, mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA)

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Die beliebtesten Kommentare
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Pebbles F.
21.04.2026 13:57registriert Mai 2021
Da ich nicht influenze, fällt es mir etwas schwer, mir die Situation vorzustellen. Aber ich nehme jetzt mal an, ein paar Blödiane würden irgendwelche sexualisierten oder gewalttätige Darstellungen mit meinem Äusseren zusammenbasteln und veröffentlichen - ich wäre sowas von hässig und möchte diese Leute vor Gericht sehen und hart bestraft wissen. Öffentlich.
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