Ex-Mann soll Deepfake-Pornos veröffentlicht haben: Der Fall Fernandes in 5 Punkten
LinkedIn-Profile mit ihrem Namen, Accounts, die mit ihrem Gesicht Telefonsex anbieten, pornografische Bilder und Videos, die sie gedreht haben soll: Collien Fernandes hat harte Jahre hinter sich. Über Monate musste sich die Schauspielerin gegen Angriffe im Internet verteidigen. Während sie lange Zeit dachte, dass die Attacken von anonymen Internettrollen kamen, hat sie nun am Donnerstag in einem Interview veröffentlicht, dass ihr Ex-Mann Christian Ulmen dahinter stecken soll. Die wichtigsten Punkte zum Fall in der Übersicht:
Was ist passiert?
Collien Fernandes ist Schauspielerin und Moderatorin und durch Rollen in «jerks» oder «Traumschiff» bekannt. Im Jahr 2011 heiratete sie ihren Partner Christian Ulmen, bevor die beiden 2012 Eltern einer Tochter wurden. 2025 kam dann nach 14 Jahren Ehe plötzlich die Scheidung. Was erst wie eine normale Promi-Trennung wirkte, bekam am Donnerstag aber plötzlich einen ganz anderen Beigeschmack.
So beschuldigt die 44-Jährige im Interview mit dem «Spiegel» ihren Ex-Mann der «virtuellen Vergewaltigung». Er soll über Jahre hinweg falsche Profile erstellt und Deepfake-Fotos und -Videos von ihr veröffentlicht haben.
Das soll der 50-Jährige ihr selbst aus dem Nichts an einem Weihnachtsabend gebeichtet haben. «Ich war das, ich habe das getan», habe Ulmen ihr am 24. Dezember 2024 gesagt. Es habe damals einige Sekunden gedauert, bis die Information in ihrem Kopf angekommen sei: «Es war wie bei einer Todesnachricht, ich konnte nicht reden, nicht heulen.» Gleichzeitig sei ihr Ehemann panisch geworden und habe Angst bekommen, im Gefängnis zu landen. Fernandes meinte dazu gegenüber der deutschen Zeitung:
Was genau wurde von Fernandes veröffentlicht?
Seit Jahren kursieren im Netz Aufnahmen, die die Schauspielerin in Pornos zeigen sollen. Es sind Fotos und Videos, die auf zwielichtigen Plattformen zu finden sind. Bei den Aufnahmen handelt es sich um sogenannte Deepfakes. Deepfakes sind mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugte, täuschend echte Darstellungen, in denen Personen Dinge sagen oder tun, die sie nie wirklich gesagt oder getan haben.
Wie der «Spiegel» schreibt, zeigen die Deepfake-Aufnahmen Fernandes in eindeutigen Posen. Etwa mit geöffneten Beinen oder beim Sex inmitten einer Gruppe von Männern. Eines der Videos soll dabei mehr als 270'000 Aufrufe generiert haben. Neben den Deepfakes soll es zudem Profile in ihrem Namen gegeben haben, die Männer aus ihrem Umfeld anschrieben und ihnen Telefonsex anboten.
Fernandes hat mehrmals versucht, solche Aufnahmen mithilfe von Anwälten aus dem Netz zu bekommen, jedoch immer vergebens. Im November 2024 erstattete sie darum in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt. Das war, noch bevor sie vom mutmasslichen Geheimnis ihres Mannes wusste. An der Verbreitung der Inhalte waren zudem auch andere, bislang unbekannte Personen beteiligt.
Wie geht es jetzt weiter?
Ende 2025 erstattete Fernandes in Spanien – wo sie und Ulmen zusammen wohnten – Anzeige gegen ihren Ex-Mann. Dabei wirft sie ihm Anmassung des Personenstands, öffentliche Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholte Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwere Bedrohung vor. Ein 40-seitiger Schriftsatz wurde von Fernandes' Anwälten beim Bezirksgericht in Palma de Mallorca eingereicht. Dort kümmert sich nun die Abteilung gegen Gewalttaten gegen Frauen darum.
Auf Anfrage des «Spiegel» bestätigt das Gericht, dass es bereits Vorermittlungen eingeleitet hat. Wie es weitergeht, ist bisher noch nicht bekannt. Christian Ulmen selbst hat jegliche Anfragen von Medien unbeantwortet gelassen.
Wie die «Bild» jedoch berichtet, gab es bereits Konsequenzen für Ulmen. So sei die Serie «jerks», in der der Schauspieler einen der Hauptcharaktere spielt, auf ProSieben nicht mehr in der Mediathek zu finden. Zudem hat sich der Versandhandel «Shop Apotheke», dessen Werbegesicht Ulmen war, von ihm öffentlich distanziert.
Warum geht Fernandes jetzt an die Öffentlichkeit?
Dass Collien Fernandes mit ihrer Geschichte genau jetzt an die Öffentlichkeit geht, ist ein bewusster Entscheid. So will die Schauspielerin aufklären und auf Lücken in bestehenden Gesetzen hinweisen. «Es geht um ein Unrecht, das vielen Frauen widerfährt», sagt sie im Interview.
Ein Vorbild soll ihr dabei Gisèle Pelicot gewesen sein. Der berühmte Satz der Französin «Die Scham muss die Seite wechseln» sei für sie ein Leitmotiv, so Fernandes. «Ich möchte, dass dieses Unrecht aufhört, auch für die Generation meiner Tochter», fügte Fernandes an. Im Gegensatz zu Pelicots Geschichte zeigt Fernandes' Erlebnis nämlich ein bislang noch wenig beachtetes Thema auf: die digitale Gewalt.
Wie ist die Lage in der Schweiz?
So ist Collien Fernandes längst nicht die Einzige, die von Gewalt im Internet betroffen ist. Wie der «Spiegel» schreibt, sind mehr als 90 Prozent der Deepfake-Videos im Internet Sexfilme. Der öffentliche Zugang zu KI-Programmen hat die Flut von Deepfakes zudem extrem befeuert. In den allermeisten Fällen sind die Opfer dabei Mädchen und Frauen.
Die digitale Gewalt in der Schweiz steigt seit Jahren stark an. Wie das Bundesamt für Statistik schreibt, nahmen die digital begangenen Straftaten im Jahr 2024 um 35 Prozent zu, nachdem sie sich seit 2020 bereits mehr als verdoppelt hatten. Pornografie verzeichnet dabei eine besonders hohe Rate, wobei rund 86 Prozent der Pornografie-Delikte digital verübt werden. Cybersexualdelikte betreffen zu 85 Prozent Minderjährige.
Das Hochladen von Deepfake-Pornos kann mehrere Strafnormen des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) erfüllen. Es gibt keinen einzelnen Artikel speziell für Deepfakes – es wird nach den konkreten Umständen beurteilt. Der Tatbestand «Unbefugtes Herstellen und Verbreiten von Aufnahmen» greift dann, wenn Bilder einer Person ohne Einwilligung verwendet oder verbreitet werden und deren Privat- oder Intimsphäre betroffen ist. Bei Deepfakes kann das relevant sein, wenn reale Fotos als Grundlage dienen.
