Keine Aktivitäten im Freien – Südkorea wird von Rekord-Hitzewelle erfasst
In Südkorea ist am Sonntag, 2. August, die höchste Temperatur seit Beginn der modernen Wetterbeobachtungen im Land gemessen worden. In Yangsan in der südöstlichen Provinz Süd-Gyeongsang stieg das Thermometer nach Angaben der staatlichen Wetterbehörde KMA auf 42,5 Grad Celsius.
Moderne meteorologische Messungen werden auf der Koreanischen Halbinsel seit 1904 durchgeführt. Der bisherige offizielle Landesrekord von 41,0 Grad war im August 2018 in Hongcheon registriert worden.
Zum Vergleich: Der offizielle Schweizer Temperaturrekord liegt bei 41,5 Grad. Er wurde am 11. August 2003 in Grono im Misox gemessen. Der Wert aus Yangsan liegt damit genau ein Grad über dem Schweizer Höchstwert.
Yangsan hatte den ursprünglichen Rekordwert von 2018 bereits am Freitag mit 41,4 Grad und am Samstag mit 41,6 Grad übertroffen, bevor die Temperatur am Sonntag nochmals deutlich anstieg. So ist die aktuelle Situation in Südkorea:
Schon fünf Tage über 40 Grad
Die Region zwischen der Hafenmetropole Busan und der Industriestadt Ulsan ist seit Tagen das Zentrum der Hitzewelle. In Yangsan wurden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen Temperaturen von mehr als 40 Grad gemessen. Auch in anderen Teilen des Südostens stiegen die Temperaturen auf Werte im oberen Dreissigerbereich.
Die KMA warnte in Teilen von Busan sowie in Yangsan, Changwon und Gimhae vor Hitze auf einem «lebensbedrohlichen Niveau». Betroffene sollten Aktivitäten im Freien sofort beenden und sich in klimatisierte Gebäude, offizielle Kühlzentren oder zumindest an schattige Orte begeben. Auch Innenräume ohne Klimaanlage könnten gefährlich werden.
Seit Mitte Mai wurden nach vorläufigen Angaben der südkoreanischen Gesundheitsbehörde KDCA landesweit 1889 Menschen wegen hitzebedingter Beschwerden behandelt. Zudem wurden 14 mutmassliche hitzebedingte Todesfälle gemeldet. Die Zahlen stammen aus einem Meldesystem beteiligter Notfallstationen und können nachträglich angepasst werden.
Neues Warnsystem und verschärfte Verhaltensregeln
Südkorea hat sein Warnsystem in diesem Sommer erweitert. Die neue höchste meteorologische Warnstufe wird ausgerufen, wenn in einer bereits von einer Hitzewarnung betroffenen Region für mindestens einen Tag eine tatsächliche Höchsttemperatur von 39 Grad oder eine gefühlte Temperatur von 38 Grad erwartet wird. Die Verhaltensregeln für Privatpersonen umfassen:
- Das sofortige Einstellen von nicht notwendigen Aktivitäten und Arbeiten im Freien.
- An kühlen Orten aufhalten, da auch ungekühlte Innenräume als potenziell gefährlich eingestuft werden.
- Kontaktaufnahme mit allein lebenden oder besonders gefährdeten Personen.
Auch Ministerien und lokale Behörden werden angehalten, ihre Schutzmassnahmen zu verstärken. So wies die Premierministerin Han Seong Sook Behörden an, Kontrollen bei älteren und allein lebenden Menschen durchzuführen, zusätzliche Kühlräume zur Verfügung zu stellen, Trinkwasser zu verteilen sowie Massnahmen zur Sicherung der Strom- und Wasserversorgung zu ergreifen.
Die Hitze beeinträchtigt auch den Sportbetrieb. Die südkoreanische Baseball-Liga KBO sagte am Wochenende mehrere Spiele in Busan und Changwon ab. Weitere Anpassungen des Spielplans seien möglich, falls die gefährlichen Bedingungen anhielten.
Hitzewelle könnte weiter anhalten
Nach Einschätzung der KMA wird die Hitze durch das gleichzeitige Wirken des nordpazifischen und des tibetischen Hochdruckgebiets begünstigt. Beide Systeme unterdrücken die Wolkenbildung und halten warme Luft über der Koreanischen Halbinsel fest. Ostwinde transportieren die besonders heisse Luft zudem vom Landesinnern in einzelne Regionen im Südosten.
Die Wetterbehörde erwartet, dass sich die extreme Hitze zu Wochenbeginn stärker auf den Grossraum Seoul und westliche Landesteile ausdehnt. Gleichzeitig beobachten die Meteorologen den Taifun Dolphin über dem westlichen Pazifik. Dessen weiterer Kurs könnte beeinflussen, wie lange die Hitzewelle anhält: Je nach Zugbahn könnte er zusätzliche feuchte Luft nach Korea führen oder mit Wolken, Wind und Regen vorübergehend für Abkühlung sorgen. Ob der Taifun die Koreanische Halbinsel direkt beeinflussen wird, war am Montag noch unklar.
Die Lage in Nordkorea
Auch Nordkorea meldete Temperaturen nahe 40 Grad. Laut staatlicher Medien erlebte die Hauptstadt Pjöngjang fünf Tropennächte in Folge, in denen die Temperatur nicht unter 25 Grad sank. Die Angaben aus Nordkorea lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen. (ear)
