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Rücktritt von Louvre-Chefin Laurence des Cars: So geht es nun weiter

Rücktritt von Louvre-Chefin nach Monaten voller Krisen: So geht es nun weiter

25.02.2026, 15:5725.02.2026, 15:57

Ein neuer Direktor, ein neuer Anfang? Nach Monaten voller Krisen übernimmt Christophe Leribault die Leitung des weltweit grössten Museums, nachdem Laurence des Cars, deren Leitung zuletzt mehrfach in der Kritik stand, ihren Rücktritt eingereicht hatte.

FILE Christophe Leribault, head of the Charteau de Versailles, poses March 29, 2024 in the park of the Chateau de Versailles, west of Paris. (AP Photo/Thomas Padilla, File)
Christophe Leribault
Christophe Leribault übernimmt die Leitung des Louvre.Bild: keystone

Der Zeitpunkt ist heikel: Ein Juwelendiebstahl, Streiks, Sicherheitsprobleme und marode Technik belasten das Haus – und die Erwartungen sind hoch.

Ruhe und Modernisierung

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hofft, dass der Kunsthistoriker Ruhe in den Louvre bringen – und gleichzeitig die Modernisierung und Sicherheit des Hauses entscheidend vorantreiben kann, wie er bei dessen Ernennung sagte.

Welche Baustellen er nun angehen muss und wie ihm seine bisherige Karriere dabei helfen könnte, zeigt sich bei einem Blick auf den 62-Jährigen: Er leitete mehrere bedeutende Pariser Museen und zuletzt das Schloss von Versailles

Beruhigung der sozialen Lage

Eine der dringendsten Aufgaben betrifft das Personal. Seit Ende 2025 kam es immer wieder zu Arbeitsniederlegungen und zeitweisen Schliessungen. Die Beschäftigten klagen über chronische Unterbesetzung, hohe Belastung und zunehmendes Outsourcing. Bereits vor Jahren hatten Sicherheits- und Empfangskräfte Alarm geschlagen, zuletzt verschärfte sich der Konflikt erneut.

Leribault gilt als Direktor mit Blick für interne Strukturen und Dialog. Am Petit Palais zeigte er, dass er Reformen umsetzen, Mitarbeiter einbeziehen und Museen besucherfreundlich gestalten kann. Beobachter erwarten, dass er zunächst das Gespräch mit den Gewerkschaften sucht – und Vertrauen zurückgewinnen muss, das in den vergangenen Monaten spürbar gelitten hat.

Das Petit Palais in Paris, direkt an den Champs-Élysées, ist ein Museum für französische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und zählt zu den wichtigsten kulturhistorischen Häusern der Stadt.

Image wieder herstellen

Der spektakuläre Juwelendiebstahl im Herbst und der Verdacht auf systematischen Ticketbetrug haben die Vertrauensfrage in die Museumsführung verschärft. Für Leribault bedeutet das: Abläufe überprüfen, Verantwortlichkeiten klären und zeigen, dass das Museum nicht nur im Ausstellungsbetrieb, sondern auch im Ernstfall handlungsfähig ist.

Ein Vorteil des neuen Direktors: Er kennt sich mit Umbauten unter laufendem Betrieb aus. Am Musée d’Orsay, im ehemaligen Pariser Bahnhof am linken Seine-Ufer, wurden unter seiner Leitung Planungen und Neuorganisationen angestossen – etwa die zwischen 2026 und 2028 geplante Umsetzung der Erweiterung des Eingangsbereichs, die Umgestaltung der Ausstellungsflächen und die Verbesserung des Besucherflusses – während das Museum geöffnet bleibt.

Organisation und Infrastruktur stärken

Das Orsay gilt als Hotspot der Kunst des 19. Jahrhunderts, mit Werken von Monet, Van Gogh oder Renoir.

Diese Erfahrung gilt als entscheidend: Auch der Louvre benötigt nach dem spektakulären Einbruch, bei dem Juwelen im Wert von 88 Millionen Euro gestohlen wurden, und nach Überschwemmungen, bei denen Dokumente und Gemälde beschädigt wurden, dringend Investitionen in Sicherheit, Klima, Elektrik und Bausubstanz – längere Schliessungen sind jedoch kaum möglich.

People queue to enter the Louvre museum in Paris, Wednesday Feb. 25, 2026. (AP Photo/Thomas Padilla)
France Louvre
Der Louvre benötigt dringend Investitionen.Bild: keystone

Prestigeobjekt auf dem Prüfstand

Besonders umstritten ist das Grossprojekt «Louvre – Nouvelle Renaissance». Geplant sind eine neue Eingangshalle, zusätzliche Ausstellungsflächen und ein eigener Saal für die Mona Lisa. Kritiker bemängelten, dass unter Laurence des Cars Prestige vor Sicherheit und dringend nötigen Investitionen in die marode Substanz gestellt wurde – ein Vorwurf, der die frühere Direktorin stark in die Kritik brachte.

Beobachter erwarten nun, dass Leribault das Projekt neu bewertet. Seine Erfahrung aus Umbauten am Musée d’Orsay und Reformen am Petit Palais könnte ihm helfen, den Spagat zwischen Prestige und Funktionalität zu meistern.

Hauskenntnis als Startvorteil

Hinzu kommt: Leribault kennt den Louvre von innen. Er arbeitete bereits früher im Haus, unter anderem in der grafischen Sammlung, und ist damit kein externer Sanierer, sondern ein Insider mit Verwaltungserfahrung.

Diese Kombination aus Insiderwissen, operativer Erfahrung und pragmatischem Handeln dürfte ihm nun helfen, den Louvre aus dem Krisenmodus zu führen. Ob ihm der Neustart gelingt, wird sich daran messen lassen, ob Prestige künftig mit Stabilität, Sicherheit und Funktionsfähigkeit in Einklang gebracht wird. (hkl/sda/dpa)

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