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Chefs von MI6 und CIA warnen: Weltordnung in grösster Gefahr»

Chefs von MI6 und CIA warnen: Weltordnung «in grösster Gefahr seit dem Kalten Krieg»

In einem gemeinsamen Artikel warnen die Leiter der britischen und amerikanischen Auslandsgeheimdienste vor Russlands Machenschaften sowie vor China: Die internationale Weltordnung sei «in einer Weise bedroht, wie wir es seit dem Kalten Krieg nicht mehr erlebt haben».
07.09.2024, 18:3707.09.2024, 18:37

In einem erstmals gemeinsam veröffentlichten Artikel schreiben die Chefs des britischen MI6 und der amerikanischen CIA in der «Financial Times», beide Länder stünden zusammen, um «einem selbstbewussten Russland und Putins Angriffskrieg in der Ukraine Widerstand zu leisten». Gleichzeitig warnen sie:

«Es steht ausser Frage, dass die internationale Weltordnung – das ausgewogene System, das zu relativem Frieden und Stabilität geführt und steigenden Lebensstandard, Chancen und Wohlstand gebracht hat – in einer Weise bedroht ist, wie wir es seit dem Kalten Krieg nicht mehr erlebt haben.»
FILE - Richard Moore, the Chief of Britain's Secret Intelligence Service, also known as MI6, answers questions at the International Institute for Strategic Studies, in London, on Nov. 30, 2021. T ...
Sir Richard Moore, MI6-Chef. Bild: keystone
CIA director William Burns speaks during a hearing of the Senate Intelligence Committee on Capitol Hill, Monday, March 11, 2024, in Washington. (AP Photo/Mark Schiefelbein)
William Burnes, CIA-Chef.Bild: keystone

Sie haben den Krieg in der Ukraine kommen sehen, schreiben Sir Richard Moore und William Burns, und waren «in der Lage, die internationale Gemeinschaft zu warnen», unter anderem durch die Freigabe von Geheimnissen zur Unterstützung Kiews.

Es werde hart daran gearbeitet, «die rücksichtslose Sabotagekampagne» Russlands in Europa zu zerstören, sowie auf eine Deeskalation im Krieg zwischen Israel und Gaza zu drängen und den Terrorismus zu bekämpfen, um den wieder erstarkenden Islamischen Staat (IS) zu vereiteln.

Gemeinsamer Kampf mithilfe von KI

Die erfolgreiche Bekämpfung von Krieg, Desinformation und Sabotage sei die Grundlage der besonderen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA, so Moore und Burns. Der Krieg in der Ukraine sei eine der «beispiellosen Bedrohungen», mit denen beide Länder konfrontiert seien. Die beiden Männer erklären, dass es bei der Unterstützung der Ukraine wichtiger denn je sei, «den Kurs zu halten», und fügen hinzu, dass der russische Präsident Wladimir Putin «keinen Erfolg haben wird».

Der Konflikt habe gezeigt, wie «Technologie den Verlauf eines Krieges verändern» könne – und die Notwendigkeit von «Anpassung, Experimenten und Innovation» unterstrichen. Dazu gehöre die intensive Nutzung Künstlicher Intelligenz:

«Wir nutzen jetzt KI, einschliesslich generativer KI, um nachrichtendienstliche Tätigkeiten zu ermöglichen und zu verbessern – von der Zusammenfassung über die Ideenfindung bis hin zur Identifizierung von Schlüsselinformationen in einem Meer von Daten. Wir trainieren KI, um unsere eigenen Operationen zu schützen und ‹Red Teams› zu bilden, um sicherzustellen, dass wir immer noch geheim bleiben können.»
«Red Teaming» liegt vor, wenn ethische Hacker vom eigenen Unternehmen autorisiert werden, die Taktiken, Techniken und Verfahren echter Angreifer gegen die unternehmenseigenen Systeme nachzuahmen.

«Ein bisschen verzweifelt»

Die beiden Geheimdienstleitenden traten am Samstag an einem Festival der «Financial Times» zudem erstmals gemeinsam in der Öffentlichkeit auf. William Burns sagte den Anwesenden, er sehe keine Anzeichen dafür, dass Putins Griff um die Macht schwächer werde. Richard fügte hinzu: «Verwechseln Sie niemals einen festen Griff mit einem stabilen Griff.» Die Tatsache, dass russische Geheimdienste «kriminelle Elemente» für Sabotageaktionen in Europa einsetzen, sei ein Zeichen dafür, dass sie «ein bisschen verzweifelt» seien, glaubt der MI6-Chef.

Beide Auslandsgeheimdienste betrachten zudem den Aufstieg Chinas als die wichtigste geheimdienstliche und geopolitische Herausforderung des Jahrhunderts. Man habe entsprechend die Geheimdienste so umstrukturiert, «um dieser Priorität Rechnung zu tragen», so die beiden in ihrer Stellungnahme.

In Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt sagten die beiden Männer, dass sie «hart» auf Zurückhaltung und Deeskalation im Nahen Osten gedrängt hätten und «unaufhörlich» daran gearbeitet hätten, einen Waffenstillstand und ein Geiselabkommen zu erreichen.

Burns, der bei den Bemühungen um einen Waffenstillstand eine zentrale Rolle gespielt hat, deutete auf der Veranstaltung zudem an, dass es in den kommenden Tagen einen detaillierteren Vorschlag geben könnte. «Es ist letztlich eine Frage des politischen Willens», sagte er und fügte hinzu, dass er «zutiefst» hoffe, dass die Führer beider Seiten eine Einigung erzielen werden. (lak)

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