International
Grossbritannien

Ab Montag gilt es für Andy Burnham ernst: Das kommt auf ihn zu

Auf den Spuren von Churchill und Thatcher: Dieser Mann will den Premier-Mythos retten

Ab Montag gilt es ernst für Andy Burnham – den siebten britischen Regierungschef in zehn Jahren. Das kommt auf ihn zu.
20.07.2026, 02:0720.07.2026, 02:07
Newly confirmed Labour Party leader Andy Burnham speaks with local stakeholders and party supporters during a visit to Gravesend Town Pier, Gravesend , England, Friday July 17, 2026. (Gareth Fuller/PA ...
Der neue britische Premier Andy Burnham.Bild: keystone

Wie Regieren in Krisenzeiten geht, kann sich auch Andy Burnham nach einem kurzen Spaziergang vor Augen führen. Grossbritanniens neuer Premierminister, der an diesem Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt wird, wohnt künftig in der 10 Downing Street nur wenige Gehminuten von den «Churchill War Rooms» entfernt – jenem Museum im Zentrum Londons, das einen der bedeutendsten Regierungschefs der Geschichte ehrt.

Winston Churchill, anders als Labour-Chef Burnham ein Konservativer, verkörpert als Premierminister des Zweiten Weltkrieges für viele Briten bis heute die historische Bedeutung des Amtes, dessen Ansehen im vergangenen Jahrzehnt stark gelitten hat. Burnham wird bereits der siebte Premier seit 2016. Seine Vorgängerinnen und Vorgänger prägten diese Zeit mit Krisen, Skandalen und Peinlichkeiten – und scheiterten letztlich alle.

«Das unregierbare Land? Warum Grossbritannien ständig seine Premierminister verliert», schrieb der «Guardian» während der jüngsten Regierungskrise. Das Magazin «The Conversation» erinnerte daran, dass von den zwölf Premiers von 1945 bis 2010 nur Margaret Thatcher von ihrer eigenen Partei aus dem Amt gedrängt wurde. Seit 2010 ging nur David Cameron (nach dem Brexit-Votum mehr oder weniger) freiwillig.

Partygate und ein Salatkopf

«Wir müssen uns eingestehen, dass meine Politikergeneration – mich eingeschlossen – es versäumt hat, einer politischen Kultur und einem Wirtschaftsmodell entgegenzutreten, die für die breite Bevölkerung nicht gut genug funktionieren», sagte Burnham nach der Ernennung zum Labour-Chef am Freitag. Deshalb verspreche er, besser zu sein.

David Cameron, Theresa May, Liz Truss, Rishi Sunak und auch dem jetzt ausscheidende Keir Starmer waren im Grossen und Ganzen vor allem schwere politische Fehler unterlaufen. Hinzu kam, dass der 2016 beschlossene Brexit zu einer folgenschweren Hypothek wurde – seine komplexe Umsetzung band auf Jahre viel politische Energie.

Die Amtszeit von Boris Johnson wirkt aus heutiger Sicht nahezu absurd: Während der Corona-Pandemie nahmen er und Kabinettsmitglieder an verbotenen Partys teil («Partygate»-Skandal). Von Truss und ihrer kürzesten Amtszeit in der britischen Geschichte blieb vor allem der Witz mit dem Salatkopf in Erinnerung. Eine Boulevardzeitung hatte bei ihrem Amtsantritt im September 2022 einen Salatkopf neben einem Foto von Truss platziert und die Szene live übertragen. Es ging darum, was länger währt, der Salat oder Truss als Premier. Der Salat gewann.

Anders als bei seinen Vorgängerinnen und Vorgängern – Starmer ausgenommen – wird Burnhams Amtszeit allerdings von einer weiteren, sehr grossen Herausforderung geprägt sein. «Wir werden Grossbritanniens neue Rechte nicht besiegen, wenn wir von internen Kämpfen aufgezehrt werden und in unterschiedliche Richtungen ziehen», warnte der frühere Bürgermeister von Greater Manchester.

«Kein Winston Churchill»

Während früheres Versagen in der Downing Street aus Sicht der Konservativen oder von Labour schlimmstenfalls dazu führte, dass die jeweils andere grosse Partei die Regierung übernahm, steht auch für Burnham die Drohkulisse des Rechtsrucks. In der Starmer-Krise lag die rechtspopulistische Partei Reform UK des Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage in Umfragen teils deutlich vorn.

Burnham wird auch viel daran liegen, dass US-Präsident Trump bei ihm nicht zu einem ähnlichen Urteil kommt wie bei Starmer. Weil Burnhams Vorgänger zunächst die Unterstützung im Iran-Krieg verweigert hatte, spottete Trump, Starmer sei eben «kein Winston Churchill». (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Innovativ und tödlich: Der Drohnenkrieg der Ukraine
1 / 18
Innovativ und tödlich: Der Drohnenkrieg der Ukraine

Die Ukraine wehrt sich erfolgreich gegen den Aggressor Russland, dabei spielen Drohnen eine zentrale Rolle. In dieser Bildstrecke geht es um Meilensteine und historische Wendepunkte...

quelle: keystone / alex babenko
Auf Facebook teilenAuf X teilen
IShowSpeeds Auftritt an der WM Eröffnungsshow
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
3
Medienberichte: USA bereiten sich auf grösseren Krieg vor
Während sich die Streitkräfte der USA und des Irans in einer weiteren Nacht gegenseitig attackieren, wächst die Sorge vor einem noch umfassenderen Krieg.
Washington verlegt US-Medienberichten zufolge weitere Kampf- und Tankflugzeuge in die Konfliktregion. Um Angriffe des Irans auf Handelsschiffe in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Strasse von Hormus zu unterbinden, bombardierte das US-Militär derweil in der nunmehr neunten Nacht in Folge Ziele in der Islamischen Republik. Von dort wurden Explosionen in gleich mehreren Gebieten gemeldet.
Zur Story