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Indischer Erntehelfer auf Feld verbluten lassen: Haft für Landwirt

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Der Fall hatte im Sommer 2024 weit über Italien hinaus für Aufsehen gesorgt.Bild: www.imago-images.de

Indischen Erntehelfer auf Feld verbluten lassen: Landwirt muss 16 Jahre ins Gefängnis

09.07.2026, 03:3309.07.2026, 04:49

In Italien hat ein Landwirt einen Erntehelfer aus Indien nach einem Arbeitsunfall auf dem Feld verbluten lassen – jetzt wurde er deshalb zu 16 Jahren Haft verurteilt. Ein Gericht in Latina südlich von Rom sprach den 39-Jährigen der vorsätzlichen Tötung für schuldig. Der Fall hatte im Sommer 2024 weit über Italien hinaus für Aufsehen gesorgt. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf die teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Arbeiter aus Asien, die in der italienischen Landwirtschaft für Billigstlöhne schuften.

Der 31 Jahre alte Inder war bei der Arbeit auf einem Feld im Süden Roms in eine Maschine geraten, die ihm den rechten Arm abtrennte und die Beine zerquetschte. Sein Arbeitgeber brachte ihn nach dem Unfall aber nicht ins Krankenhaus, sondern fuhr ihn mit einem Lieferwagen zu seiner Behausung und liess ihn dort liegen. Der abgetrennte Arm wurde in einer Obstkiste daneben entdeckt. Anderthalb Tage später erlag der Inder im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Schätzung: 230'000 Menschen illegal beschäftigt

Der Inder – ein Mann namens Satnam Singh – war 2021 zusammen mit seiner Frau nach Italien gekommen. Nach Schätzungen sind in der italienischen Landwirtschaft etwa 230'000 Menschen illegal beschäftigt – auch viele Migranten aus Ländern wie Indien oder Pakistan, die zu Stundenlöhnen von drei oder vier Euro oder noch weniger arbeiten. Ein Teil der Produktion landet auch in deutschen Supermärkten. Die Gewerkschaften sprechen von systematischer Ausbeutung.

Der Unfall hatte sich auf einem Feld nahe der Gemeinde Borgo Santa Maria, etwa 60 Kilometer südlich von Rom ereignet, wo insbesondere Melonen und Zucchini angebaut werden. Singh geriet in eine Maschine, mit der die Felder grossflächig mit Plastik überzogen werden. Seine Frau gab zu Protokoll: «Ich habe den Besitzer angefleht, uns zu helfen, ich habe ihn auf Knien angefleht. Aber er hat uns vor dem Haus abgesetzt und ist weggelaufen.» Erst Nachbarn alarmierten den Notruf.

Staatsanwaltschaft hatte noch höhere Strafe beantragt

Singh wurde mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Rom geflogen, wo er infolge seiner Verletzungen starb. Der Arbeitgeber erläuterte sein Verhalten damit, dass er in Panik geraten sei. Die Staatsanwaltschaft hatte 22 Jahre Haft gefordert. Gegen das Urteil, das am Mittwochabend erging, sind noch Rechtsmittel möglich. Häufig wird die Ausbeutung durch ein System organisiert, bei dem illegale Mittelsmänner als Vermittler zwischen Betrieben und Arbeitern auftreten und einen Grossteil des Lohns einbehalten. (sda/dpa)

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