«Nächste Woche wird es ganz schlimm»: Trump droht Mullahs – so will Iran zurückschlagen
Um Iran an den Verhandlungstisch zurückzubringen, will US-Präsident Donald Trump die Angriffe weiter verschärfen. Am Mittwoch drohte er erneut mit der Zerstörung der iranischen Infrastruktur und nannte als Zeitfenster die «kommende Woche». «Dann wird es für sie richtig schlimm, denn dann sind die Kraftwerke und Brücken dran», sagte Trump wörtlich.
Iran drohte seinerseits mit der Ausweitung des Krieges auf neue Gebiete. Die Reaktionen würden die Erwartungen des Feindes übertreffen, verkündete ein Armeesprecher.
Sicherheitsexperten sehen als wahrscheinlichste iranische Antwort auf eine Eskalation eine verstärkte Verminung der Strasse von Hormus sowie zusätzliche Angriffe auf Schiffe, US-Stützpunkte in der Region und die Energieinfrastruktur der Golfstaaten. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Analyse, wonach Teheran im Fall eines Angriffs auf die eigene zivile Infrastruktur voraussichtlich Energie- und Stromanlagen in der gesamten Golfregion ins Visier nehmen und damit die Öl- und Gaspreise zusätzlich in die Höhe treiben würde. Diese Strategie weitet den Konflikt gezielt aus, statt ihn auf das iranisch-amerikanische Verhältnis zu beschränken.
Krieg ohne klares Ziel
Negar Mortazavi, Senior Fellow am Center for International Policy in Washington, sagt zu Trumps Drohkulisse: Zusätzliche Angriffe der USA würden bei Iran lediglich mehr Widerstand erzeugen. «Maximum pressure» habe schon in der ersten Phase des Krieges keine Kapitulation Irans bewirkt, sondern das genaue Gegenteil hervorgerufen, sagt sie.
Der an der Universität St. Gallen lehrende Nahost-Experte Andreas Böhm attestierte Trump gegenüber CNBC, er habe den Krieg «ohne klares Ziel» begonnen, was die Vorhersage der nächsten Schritte erschwere. Washington könne die Strasse von Hormus militärisch nicht öffnen, ohne eine Operation von einem Ausmass durchzuführen, das sich der amerikanischen Öffentlichkeit kaum vermitteln liesse; ein umfassenderer Krieg gegen die iranische Infrastruktur werde die Vergeltung auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten zurückfallen lassen.
Böhm hatte bereits im Mai erklärt, Iran sei militärisch-taktisch klar unterlegen. Da die Islamische Republik den Krieg nicht militärisch beenden könne, müsse sie darauf abzielen, den Leidensdruck auf der amerikanischen Seite so weit zu erhöhen, dass diese einlenke. Genau dieses Kalkül – Zeit gewinnen, Kosten für den Gegner erhöhen – dürfte auch hinter einer möglichen Antwort auf Angriffe gegen Kraftwerke und Brücken stehen.
Angriffe auf die Wasserversorgung
Eine schon länger diskutierte, besonders sensible Eskalationsstufe betrifft die Wasserversorgung der Golfregion: In Analystenkreisen an der arabischen Golfküste wird seit Monaten davor gewarnt, die Revolutionsgarden könnten – sollte die eigene kritische Infrastruktur angegriffen werden – Entsalzungsanlagen in den Nachbarstaaten ins Visier nehmen.
Da praktisch die gesamte Trinkwasserversorgung Katars, Bahrains, Kuwaits und grosser Teile der Emirate von solchen Anlagen abhängt, gilt dieses Szenario als eines der potenziell folgenschwersten – ein Schritt, der eine humanitäre Krise auslösen und die Kriegsfolgen weit über die unmittelbaren Energiemärkte hinaustragen würde.
Sorgen bereitet zudem eine jüngste Erklärung der Revolutionsgarden, in der mit der Schliessung anderer Exportrouten in Richtung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten gedroht wird. Gemeint war eine Blockade der Meerenge von Bab el-Mandeb, dem sogenannten «Tor der Tränen» zwischen dem von den Huthis kontrollierten Jemen und Eritrea. «Dann wird der Ölpreis auf 200 Dollar ansteigen», hatte ein Sprecher der Huthis am Dienstag gedroht.
