Mit diesem Plan wollte der Mossad Irans Ex-Präsidenten Ahmadinedschad an die Macht bringen
Der ehemalige Präsident Mahmud Ahmadineschad hätte nach dem Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar als neuer Herrscher in Teheran installiert werden sollen. Doch dieser Plan Israels scheiterte, wie die «New York Times» bereits vor einigen Wochen berichtete. Nun doppelt das Weltblatt nach und erzählt in einem neuen Artikel, wie der legendäre Geheimdienst Mossad die ehemalige Regimestütze Ahmadinedschad kultiviert habe. Eine Geschichte voller irrer Details.
Ahmadinedschad griff auch zu Botox
Der heute 69 Jahre alte Ahmadineschad amtierte als iranischer Präsident von 2005 bis 2013 und sorgte damals immer wieder mit kontroversen Stellungnahmen für Aufsehen. Er galt als Hardliner. Nach seinem Rückzug wurde es still um ihn; Ahmadineschads Gegner um Revolutionsführer Ali Chamenei blockierten mehrere Comeback-Versuche, vielleicht auch, weil er plötzlich den Reformer gab. Aber Ahmadineschad liess nicht locker. Nötigenfalls, soll er Vertrauten gesagt haben, werde er mit Hilfe fremder Mächte wieder an die Führungsspitze seines Landes zurückkehren.
Diese Neuerfindung Ahmadineschads wurde auch in Israel zur Kenntnis genommen. Geheimdienstvertreter registrierten, wie der ehemalige Präsident plötzlich den Kontakt mit hochrangigen westlichen Politikern suchte. Auch habe er Englisch gelernt und sein Äusseres aufgemöbelt, mit Hilfe von Botox-Spritzen und massgeschneiderten Anzügen.
Wann genau der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad auf Ahmadineschad zuging, ist nicht überliefert. Die «New York Times» berichtet aber von einer Klimakonferenz in Guatemala im Jahr 2023, zu der der Iraner nach einigem Hin und Her anreiste. (Die iranischen Sicherheitskräfte hatten Ahmadineschad erst nach Protesten erlaubt, das Land zu verlassen.) Guatemala hat enge diplomatische Beziehungen zu Israel.
Eine ungarische Einladung als Vorwand
Direkte Gespräche zwischen Ahmadineschad und Vertretern der israelischen Regierung fanden 2024 und 2025 statt. Und zwar in Budapest, am Rande von internationalen Konferenzen an der Ludovika-Universität. Die ungarische Regierung war über diese Treffen informiert; angeblich bat ein Vertreter des damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán den Ludovika-Rektor ausdrücklich, Ahmadineschad nach Ungarn einzuladen. Dabei habe der Regierungsvertreter auch zugegeben, dass die Konferenz nur ein Vorwand sei.
Von israelischer Seite reiste angeblich der damalige Mossad-Chef David Barnea nach Budapest. Kurz nach dem ersten Treffen soll Barnea auch den US-Partnerdienst CIA über den Rekrutierungsversuch informiert haben. Der Mossad habe Ahmadineschad auch finanziell unterstützt, berichtet die «New York Times».
In Budapest schüttelte der Ex-Präsident seine Bodyguards ab
Ahmadineschad wurde bei seinen Ungarn-Reisen von Bodyguards begleitet, die der Revolutionsgarde angehörten. Diese hatten wohl nicht nur den Auftrag, den umstrittenen Ex-Präsidenten zu beschützen; sie sollten auch sicherstellen, dass Ahmadineschad keine Mätzchen macht.
Im Juni 2025, während seiner zweiten Reise nach Budapest, gelang es Ahmadinedschad aber, seine Bewacher mindestens zweimal abzuschütteln. Als er nach jeweils längeren Abwesenheiten zurückgekehrt sei, hätten ihn die Bodyguards wütend konfrontiert. Ahmadineschad soll ihnen versichert haben, dass er sich nur mit Universitätsprofessoren getroffen habe. Das hätten die Bewacher anschliessend auch ihren Vorgesetzten in Teheran so mitgeteilt, berichtet die «New York Times».
Israel «rettete» Ahmadineschad mit einem Peugeot
Auf welche Abmachung sich Ahmadineschad mit dem Mossad verständigte, das wissen auch die US-Journalisten nicht. Der Ex-Präsident soll sich aber als historische Figur wie Boris Jelzin bezeichnet haben, der in Russland (zumindest vorübergehend) den Wandel vom Regime zu einem demokratischeren Staatsgefüge ermöglicht hatte.
Auch in Teheran wurde Ahmadineschad ständig bewacht. Als am 28. Februar israelische Kampfjets die ersten Angriffe auf die iranische Hauptstadt flogen, wurde das Anwesen des ehemaligen Präsidenten bombardiert. Ziel sei es aber nicht gewesen, ihn zu töten. Vielmehr wollten die Israelis seine Bewacher ausschalten. Das gelang, und kurz nach dem Beginn der Attacken tauchte dann ein schwarzer Peugeot beim Haus von Ahmadineschad auf, an dessen Steuer ein Mossad-Agent sass. In Windeseile wurde der Ex-Präsident in Sicherheit gebracht.
Diese hektische Rettungsaktion allerdings hinterliess bei Ahmadineschad einen sauren Beigeschmack. Er war anscheinend verärgert und unterstützte den Plan, die Macht im Iran zu übernehmen, plötzlich nicht mehr. Stattdessen verliess Ahmadineschad das Safe House, den Unterschlupf, den die Israelis ihm zur Verfügung gestellt hatten, und verschwand.
Kurzer Auftritt am Trauerzug für Chamenei
Die «New York Times» sagt, dass Ahmadineschad sich nun in Gewahrsam des Geheimdienstes der Revolutionsgarde befinde, des eigentlichen Machtzentrums in Teheran. Er stehe unter Hausarrest, nachdem seine Avancen gegenüber den Israelis bekannt wurden. Anscheinend ist Ahmadineschad weiterhin am Leben. An einem Trauerzug für Revolutionsführer Chamenei war er vorigen Montag kurz zu sehen. Ahmadineschad sagte während der Veranstaltung kein Wort. Er war von mehreren Bodyguards umgeben. (schweizheute.ch)

