International
Israel

Israel will Todesstrafe für Terroristen einführen:

epa12700394 Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu (R) shakes hands with National Security Minister Itamar Ben-Gvir during a special session to mark the 77th anniversary of the Knesset's estab ...
Der Vorstoss von der Partei des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir (l.) wird auch vom rechtskonservativen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (r.) unterstützt.Bild: keystone

Israel will Todesstrafe für Terroristen einführen: Das Wichtigste in vier Punkten

Ein international heftig kritisiertes Gesetz in Israel über die Einführung der Todesstrafe für Terroristen steht nun vor einer Prüfung durch das höchste Gericht des Landes. Ein juristischer Experte geht davon aus, dieses könnte den kontroversen Vorstoss kippen.
31.03.2026, 14:1631.03.2026, 14:16

Das israelische Parlament hatte das Gesetz am Montag mit knapper Mehrheit gebilligt. Es sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend, sie muss bei Verurteilung binnen 90 Tagen durch Erhängen durch einen Gefängniswärter vollstreckt werden.

Kritiker sehen das Gesetz als rassistisch an, weil es de facto nur Palästinenser betrifft. Der Vorstoss von der Partei des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir wird auch vom rechtskonservativen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstützt.

Das Wichtigste in vier Punkten.

Ben-Gvir: «Wir haben Geschichte geschrieben»

Ben-Gvir und Gleichgesinnte feierten nach Verabschiedung des Gesetzes überschwänglich und schenkten Sekt in Plastikgläsern aus. «Wir haben Geschichte geschrieben», sagte er anschliessend in einer Videobotschaft. «Ein Terrorist, der zum Töten geht, soll wissen: Er wird an den Galgen kommen», sagte der Polizeiminister.

«Und ich sage den Vertretern der Europäischen Union, die Druck ausgeübt und Israel bedroht haben: Wir haben keine Angst, wir geben nicht nach. In unserem Land, mit unserer Souveränität, werden wir unsere Bürger schützen.»

Heftige internationale Kritik

International gab es scharfe Kritik an dem Gesetz. Auch die Bundesregierung sieht die Verabschiedung mit «grosser Sorge». Die Ablehnung der Todesstrafe sei ein grundsätzliches Merkmal der deutschen Politik, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin mit. Die Bundesregierung sei zusätzlich besorgt, dass ein solches Gesetz «wohl ausschliesslich auf Palästinenser in den palästinensischen Gebieten Anwendung finden würde», fügte Kornelius hinzu. «Deshalb bedauert sie die Entscheidung der Knesset und kann sie nicht gutheissen.»

Die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, Petra Bayr, teilte mit, die Abstimmung gefährde Israels Beobachterstatus bei der Parlamentarischen Versammlung der Menschenrechtsorganisation «ernsthaft». Die Mitglieder würden voraussichtlich am 22. April bei ihrer Debatte über die Abschaffung der Todesstrafe auch über das neue Gesetz sprechen, kündigte Bayr an. Israel entferne sich von den Werten des Europarates, der sich entschieden gegen die Todesstrafe ausspreche.

Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien hatten bereits vor der Abstimmung «tiefe Besorgnis» über den Gesetzentwurf geäussert und die Todesstrafe als unmenschlich, erniedrigend und wirkungslos bezeichnet. Ihre Aufforderung, die Pläne aufzugeben, blieb jedoch erfolglos.

Amnesty: Gesetz festigt «System der Apartheid»

Amnesty International forderte die sofortige Aufhebung des Gesetzes und rief die internationale Gemeinschaft zu «maximalem Druck» auf Israel auf. Wenn sie gegen Palästinenser in den besetzten Gebieten verhängt würden, könnten Todesurteile auch Kriegsverbrechen gleichkommen, erklärte Amnesty-Regionaldirektorin Erika Guevara-Rosas.

Israel hatte die Todesstrafe für Mord im Jahr 1954 abgeschafft und nur in Ausnahmefälle, etwa gegen NS-Verbrecher oder bei Verrat in Kriegszeiten, beibehalten. Die Hinrichtung des deutschen NS-Verbrechers Adolf Eichmann im Jahre 1962 war die letzte Vollstreckung. Amnesty sprach von einer «Zurschaustellung von Grausamkeit, Diskriminierung und absoluter Missachtung der Menschenrechte» und warf Israel vor, ein «System der Apartheid gegen Palästinenser» zu festigen.

Experte: Höchstes Gericht könnte Gesetz kippen

Aus dem Zwang zur Verhängung der Todesstrafe ergibt sich nach Ansicht von Experte Amir Fuchs vom israelischen Demokratie-Institut ein juristisches Problem. «So etwas gibt es in keiner demokratischen Rechtsordnung: Eine Todesstrafe, die zwingend ist», sagte Fuchs dem israelischen TV-Sender N12. «Es muss immer einen Ermessensspielraum für das Gericht oder die Staatsanwaltschaft bei der Strafbeantragung geben», sagte er.

Das neue Gesetz gehöre daher für ihn zu «den Dingen, die Gerichte in der Regel aufheben». Selbst in demokratischen Staaten mit Todesstrafe, wie den USA, gebe es keine Todesstrafe als Zwang.

Das neue Gesetz richte sich ausschliesslich gegen Terroristen, die Juden angreifen, erklärte Fuchs weiter. Seinen Worten zufolge würde diese Bestimmung einer gerichtlichen Überprüfung wegen Diskriminierung nicht standhalten. Eine Klage des israelischen Bürgerrechtsverbands liegt bereits beim höchsten Gericht.

Vertreter der Opposition hatten den Mitgliedern von Netanjahus rechtsreligiöser Regierung vorgeworfen, sie schadeten mit dem Gesetz wissentlich und ohne Not dem internationalen Ansehen Israels - obwohl es auch ihnen klar sei, dass das höchste Gericht es mit hoher Wahrscheinlichkeit kippen werde. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Rückblick auf das Jahr nach dem 7. Oktober
1 / 32
Rückblick auf das Jahr nach dem 7. Oktober
7. OktoberIm Morgengrauen des jüdischen Feiertags Simchat Tora startet die islamistische Terrororganisation Hamas einen Grossangriff auf das umliegende Gebiet in Israel. Mehrere Tausend Raketen werden aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Mehrere tausend Terroristen überwinden die Grenzbefestigungen und töten an einem Musikfestival und in mehreren Ortschaften wahllos Soldaten und vor allem Zivilisten. Bild: Ein Zimmer in einem Haus im Kibbuz Kfar Aza nach dem Angriff der Hamas. ... Mehr lesen
quelle: keystone / abir sultan
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Polizei löst Protest gegen Iran-Krieg in Tel Aviv gewaltsam auf
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
50 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Overton Window
31.03.2026 15:11registriert August 2022
Super, dann kan man Bibi jetzt endlich verhältnismässig strafen.
8917
Melden
Zum Kommentar
avatar
HansNötig__
31.03.2026 16:21registriert März 2026
Und wer entscheidet, wer ein Terrorist ist? Ein junger Mann, der ein Stein gegen einen israelischen Panzer wirft wird ganz schnell als Terrorist bezeichnet. Mit diesem neuen Gesetz kann dieser nun legal gehängt werden. Nennt es beim Namen, Apartheid! Ich frage mich wirklich, wer noch zu Israel und Bibi stehen kann..... Stellt Euch vor die Türkei würde so ein Gesetz für die Kurden genehmigen, dann wäre die gesamte EU schon lange aufgestanden. Aber hier unternimmt man wiedermal gar nichts. Israel ist UNANTASTBAR.
598
Melden
Zum Kommentar
avatar
H.P. Liebling
31.03.2026 17:04registriert September 2018
Das passiert, wenn man Rechtextremen und Opportunisten die Hebel der Macht überlässt.
5710
Melden
Zum Kommentar
50
Donald Trump will 5000 US-Soldaten nach Polen schicken – und überrascht sogar das Pentagon
Er will nicht, jetzt will er doch: Trumps Ankündigung, 5000 Soldaten nach Polen zu entsenden, sorgt aus vielen Gründen für Verwirrung.
US-Präsident Donald Trump will überraschend 5000 Soldaten nach Polen verlegen. Das kündigte Trump am Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social an. Damit widersprach er der erst vor wenigen Tagen getroffenen Entscheidung des Pentagon, geplante Truppenverlegungen nach Polen wieder zu stoppen.
Zur Story