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Als Kind aus der Ukraine verschleppt – jetzt kämpft er für die Russen

Als Kind wurde er aus der Ukraine verschleppt – jetzt kämpft er für die Russen

Der Verdacht bestand schon länger, doch jetzt haben ukrainische Behörden den ersten Fall dokumentiert, in dem ein im offiziellen Register als vermisst geführter Teenager später als Soldat der russischen Armee identifiziert wurde.
03.08.2026, 19:1403.08.2026, 19:14

Russland hat aus besetzten Gebieten der Ukraine Tausende Kinder deportiert und zwangsumgesiedelt – ukrainische Behörden sprechen von mehr als 19'500 Fällen. Die Dunkelziffer dürfte bedeutend höher sein. Lediglich etwa 1366 von ihnen sind in das von der Ukraine kontrollierte Gebiet zurückgebracht worden. Diese Verschleppungen begannen nicht etwa mit der gross angelegten russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022, sondern bereits 2014 mit der Annexion der Krim und dem Konflikt im Donbass, wo prorussische Separatisten in den Oblasten Donezk und Luhansk selbst ernannte «Volksrepubliken» proklamierten.

Ukrainische Waisenkinder wurden etwa zur Adoption an russische Familien freigegeben. Nach Russland verschleppte ukrainische Kinder werden russifiziert: Sie sprechen nur noch Russisch, singen die russische Nationalhymne und glauben, Russland sei ihr Vaterland. «Diese Kids sollen irgendwann gegen ihre eigenen ehemaligen Landsleute kämpfen», sagt die Juristin Kateryna Rashevska, die mit der ukrainischen NGO Regionales Zentrum für Menschenrechte daran arbeitet, solche Verschleppungen zu dokumentieren und die Täter vor Gericht zu bringen.

Haftbefehle gegen Putin und Lwowa-Belowa
Wegen der Verschleppung der Kinder hat der Internationale Strafgerichtshof am 17. März 2023 gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine Kommissarin für Kinderrechte, Maria Lwowa-Belowa, einen internationalen Haftbefehl erlassen. Sie sollen für das Kriegsverbrechen der rechtswidrigen Vertreibung beziehungsweise Überführung ukrainischer Kinder aus den besetzten Gebieten der Ukraine in die Russische Föderation verantwortlich sein.

Auch die NGO «Save Ukraine», gegründet von Mykola Kuleba, früher Beauftragter des Präsidenten für Kinderrechte, hat sich zum Ziel gesetzt, verschleppte Kinder zu ihren Familien zurückzubringen. Wie ukrainische Medien berichten, meldet die NGO nun den Fall eines ukrainischen Teenagers, der vor Jahren verschleppt und jetzt als Soldat der russischen Armee identifiziert wurde. Es handelt sich um den 2007 geborenen Oleksandr Mustyatse, der während der Invasion Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 verschwand und lange Zeit auf der offiziellen staatlichen Liste der vermissten «Kinder des Krieges» stand.

Oleksandr Mustyatse.
Oleksandr Mustyatse.Bild: Social media/Mykola Kuleba

Mustyatse stammt aus dem Dorf Krynky in der Region Cherson. Krynky war zu Beginn des Krieges Schauplatz von heftigen Kämpfen. Cherson ist eine der vier ukrainischen Oblaste, deren Annexion Russland nach den Referenden im September 2022 verkündete, obwohl es sie nicht vollständig militärisch kontrollierte.

KHERSON OBLAST, UKRAINE - MARCH 14: Ukrainian marine soldiers are seen participating in a shooting training as they prepare for a rotation to the frontlines as the war between Russia and Ukraine conti ...
Ukrainische Truppen in der Nähe von Krynky im März 2024. Bild: Anadolu

Kuleba veröffentlichte am Donnerstag Posts in den sozialen Medien, in denen er erklärte, Mustyatse habe Fotos von Orten geteilt, an denen er «gegen die Ukraine kämpfte»:

Auf seiner Seite veröffentlichte Mustyatse Fotos in einer Uniform mit dem «Z»-Symbol und der russischen Flagge. Er postete auch Fotos von Stellungen, an denen er gegen die Ukraine gekämpft hatte. Später zeigte er sich mit einem Verband, vermutlich nachdem er verwundet worden war.

Oleksandr Mustyatse
Mustyatse mit Verband. Bild: Social media/Mykola Kuleba

Kuleba stellt fest, dieser Fall zeige die schwerwiegenden Auswirkungen des Lebens unter russischer Besatzung, in dem junge Menschen jahrelang einem russischen Informations- und Bildungsumfeld ausgesetzt sind. «Gemeinsam mit dem Team von ‹Save Ukraine› stehe ich in regelmässigem Kontakt mit Kindern und Familien, die wir aus den besetzten Gebieten retten können. Sie berichten, wie sie schon ab dem Kindergarten und der Schule an den Kult um die Armee gewöhnt werden», erklärt Kuleba.

VLADIVOSTOK, RUSSIA - 2026/05/03: Members of Yunarmiya, a mass Russian public movement for children and youth, march through a square in Vladivostok. The "Great-Grandchildren of Victory" (Pr ...
Junarmija-Einheit paradiert in Wladiwostok. Bild: LightRocket

«Sie werden gezwungen, an militärisch-patriotischen Veranstaltungen teilzunehmen, sich der ‹Junarmija› anzuschliessen, lernen den Umgang mit Waffen und werden davon überzeugt, dass die Ukraine der Feind ist. Für ein Kind, das jahrelang nur in einer solchen Realität lebt, wird Krieg nicht nur zur Normalität, sondern zu einer Pflicht», fügt er hinzu. Die Junarmija (Юнармия, deutsch «Jugendarmee») ist die Kinder- und Jugend-Militär-Erziehungsorganisation Russlands.

MARIUPOL, UKRAINE - NOVEMBER 26: Poster for the Yunarmiya youth organization in a school, Donetsk Oblast, Mariupol, Ukraine on November 26, 2025 in Mariupol, Ukraine. (Photo by Alexandre Spalaikovitch ...
Propaganda für die Junarmija in einer Schule im russisch besetzten Teil der Oblast Donezk. Bild: Corbis News

Am 30. Mai 2022, kurz nach Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine unterschrieb der russische Präsident Wladimir Putin einen Erlass, der es erlaubt, Adoptionsverfahren für ukrainische Kinder auf 24 Stunden zu verkürzen. Gemäss dem Präsidialerlass können überdies Geburtsdatum, Geburtsort und Namen des Kindes geändert werden. Dies soll es ukrainischen Eltern unmöglich machen, ihre Kinder jemals wiederzufinden. (dhr)

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Die beliebtesten Kommentare
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Pebbles F.
03.08.2026 19:23registriert Mai 2021
Was für ein dreckiges Regime in diesem Ruzzland! An Perfidität nicht zu überbieten 🤢🤢🤮
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Sotogrande
03.08.2026 19:31registriert Januar 2026
Verschleppt jemand den Kreml Dikator Putin wird ihn niemand vermissen aber sehr viele würden sich freuen .
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Kanzo
03.08.2026 19:35registriert Mai 2022
War klar. Wenn Russland Ukraine übernommen hätte, wären die, die ersten gewesen welche Russland geopfert hätte um den Rest von Europa anzugreifen und dann wieder und wieder.
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