International
Migration

Online-Betrug: UN warnt vor neuer Form von Menschenhandel

Title: Scam Hub Under Siege..Credit: © Jes Aznar, for The New York Times..Caption: Stranded workers at a makeshift shelter near the Moei River. Many workers had their documents and passports seized by ...
Opfer von Menschenhandel sind obdachlos, nachdem das Militär gegen den Online-Betrug-Ring vorgegangen ist (Myanmar, 5. Dezember 2025).Bild: Keystone

UN: Diese neue Form von Menschenhandel nimmt rasant zu

28.07.2026, 13:5228.07.2026, 13:52

Hunderttausende Menschen werden nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) jedes Jahr von Menschenhändlern für Online-Betrug missbraucht. Sie würden unter falschen Versprechungen gut bezahlter Arbeit ins Ausland gelockt, dort eingesperrt, überwacht und gezwungen, an betrügerischen Maschen teilzunehmen.

Zum Welttag gegen Menschenhandel (30. Juli) hat die IOM eine neue Strategie vorgelegt, um Menschen vor dieser Ausbeutung zu schützen.

Die IOM bezeichnet dieses Vorgehen krimineller Banden als eine der am schnellsten wachsenden Menschenhandelsformen. Die Zahlen stiegen seit zwei, drei Jahren rasant, sagte IOM-Chefin Amy Pope. Sie geht davon aus, dass rund 300'000 Menschen weltweit in solchen Zentren arbeiten. Nicht alle seien Opfer von Menschenhändlern.

Akademiker als Opfer von Menschenhandel

Neu sei, dass diese Banden gezielt Menschen mit guten Englischkenntnissen und einem Universitätsabschluss suchten, inzwischen zunehmend aus Afrika, sagte Pope. Viele seien so verzweifelt, einen Job zu finden, dass sie die Angebote nicht streng genug prüften. So werde manchen nahegelegt, mit einem Touristenvisum in ein fernes Land zu reisen – das sei ein Alarmzeichen.

U.S. Amy Pope, Director General of the International Organization for Migration (IOM), briefs the media on Protecting Victims of Trafficking in Online Scam Operations, during a press briefing, at the  ...
Amy Pope, IOM-Chefin klärt über die neue Form des Menschenhandels auf.Bild: keystone

Früher ging es Menschenhändlern oft um Menschen mit wenig Schulbildung, die im Ausland zur Prostitution oder monatelangen, unmenschlichen Einsätzen auf Fischerbooten gezwungen werden.

Milliarden-Schäden

Das UN-Büro für Drogen- und Kriminalitätskontrolle (UNODC) in Wien hat den Schaden durch solche kriminellen Aktivitäten in Betrugszentren geschätzt: Allein in Ost- und Südostasien, Australien und Neuseeland hat er sich nach diesen Angaben im vergangenen Jahr auf bis zu 114,1 Milliarden Dollar (rund 100 Mrd. Euro) belaufen.

Die IOM hat zwischen 2022 und 2025 mehr als 3'500 Menschen aus 39 Ländern unterstützt, die gegen ihren Willen in solchen Betrugszentren festgehalten wurden und freikamen, etwa aus Indonesien, Bangladesch oder Kenia. Überlebende hätten unter anderem von Folter und sexueller Ausbeutung berichtet. Sie würden dort oft bedroht und geschlagen, und müssen angeblich angehäufte Schulden, etwa durch die Anreise, abarbeiten. In manchen Fällen würden ihre Familien zu Hause erpresst.

Opfer in aller Welt

Opfer der Betrügereien sind Menschen in aller Welt, denen etwa Probleme mit ihrem Bankkonto vorgegaukelt werden, um an Passwörter zu kommen, um dann die Konten leerzuräumen, sagte Pope.

Die IOM arbeitet unter anderem mit Überlebenden zusammen, die über das Problem in sozialen Medien berichten, um andere zu warnen. (nil/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wieso die Schweiz und Europa von der Migration abhängen
1 / 6
Wieso die Schweiz und Europa von der Migration abhängen

Rechtsnationale Strömungen sind in Europa im Aufschwung und beschwören die Migration als Feindbild Nummer 1. Dabei droht Europa durch eine restriktive Migrationspolitik weiter in die Bevölkerungskrise zu rutschen. 🌍

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Hegseth vergleicht Migration der EU mit 1944
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
4
Neue Details bekannt: Cousins des CSD-Attentäters kämpften für den IS
Abdul B. fuhr am Samstagabend am Berliner Christopher Street Day (CSD) im Tiergarten in eine Menschenmenge und verletzte dabei viele Menschen, eine Frau verlor sogar ihr Leben. Nun sind neue Details zum Attentäter bekannt: Nach Informationen der «Zeit» kämpften zwei seiner Cousins für den sogenannten «Islamischen Staat» (IS).
Zur Story