International
Migration

Ceuta: Tausende demonstrieren in Spanien gegen Pedro Sánchez

epa13207989 Hundreds of people attend a rally on the occasion of Ceuta Day in Almeria, Spain, 02 September 2026. Rallies have been called in front of town halls across Spain as the country faces a mig ...
Tausende Spanier haben am Mittwoch für mehr Unterstützung für Ceuta demonstriert.Bild: keystone

Demos in Spanien für Ceuta und gegen Sánchez

03.09.2026, 01:23

Angesichts der Migrationskrise in Ceuta haben Zehntausende Menschen bei landesweiten Kundgebungen für die Zugehörigkeit der Nordafrika-Exklave zu Spanien und gegen die Migrationspolitik der Regierung in Madrid demonstriert. Teilnehmer und Redner warfen der Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez eine Beschwichtigungspolitik gegenüber Marokko und mangelnde Hilfe für Ceuta vor. Zwar beansprucht Marokko Ceuta ebenso wie die andere spanische Nordafrika-Exklave Melilla schon lange für sich, macht in dieser Frage aber derzeit keinen besonders grossen Druck.

Die Nationalpolizei trieb am späten Abend laut einem Bericht von «El País» extremistische Gruppierungen, die sich in der Umgebung des Abgeordnetenhauses in Madrid aufhielten, mit Tränengas und Gummigeschossen auseinander. Vier Demonstranten, darunter zwei Minderjährige, wurden demnach wegen Unruhe und Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen. Zudem seien vier Polizisten verletzt worden.

Opposition greift Regierung scharf an

Der spanische Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei sprach von einer «Invasion» durch Migranten, hinter der Marokko stecke. Er bezichtigte Sánchez und dessen Regierung der Lüge. Sie hätten behauptet, es habe keine Warnung vor der Migrationskrise gegeben und Marokko habe dazu auch nicht angestiftet. Beides sei nicht wahr.

In Ceuta forderten Tausende Menschen unter einem Meer spanischer Flaggen eine Rückkehr zur Normalität und den Verbleib der Exklave bei Spanien. «Ceuta verkauft sich nicht, Ceuta ergibt sich nicht», stand auf Transparenten.

Am 30. und 31. Juli waren nach Regierungsangaben mindestens 72'000 Migranten nach Ceuta geströmt. Einen Monat später waren noch immer etwa 5'000 von ihnen in der Exklave. Sie campierten zum Teil auf Strassen und Stränden, was für die 83'000 Einheimischen eine grosse Belastung darstellt. Immer wieder kommt es zu Demonstrationen und teilweise auch zu gewalttätigen Übergriffen auf Migranten und privaten Hilfsorganisationen.

Migrants sit inside their tents at El Trampolín beach in the Spanish exclave of Ceuta, Wednesday, Sept. 2, 2026. (AP Photo/Francis González)
APTOPIX Spain Ceuta
Noch immer harren Zehntausende Asylsuchende in Ceuta aus. Sie campieren auf der Strasse oder am Strand.Bild: keystone

Spanien darf die Migranten aus rechtlichen Gründen nicht kollektiv abschieben, sondern muss jeden Asylantrag individuell entscheiden. Das dürfte noch Wochen oder Monate dauern. Auf das Festland will die spanische Zentralregierung die Menschen aber auch nicht bringen, weil Ceuta nicht zum Schengenraum gehört und andere Schengenmitglieder dann Grenzkontrollen zu Spanien einführen könnten, wie dies etwa Italien schon getan hat.

Auch Rechtspopulisten demonstrierten

Aufgerufen zu den Kundgebungen am Tag des Regionalfeiertages in Ceuta hatte der Dachverband FEMP der spanischen Kommunen, der von der konservativen oppositionellen Volkspartei PP geleitet wird. Auch die rechtspopulistische Vox beteiligte sich an den Demonstrationen. «Ceuta ist spanisch und wird nicht allein gelassen», sagte Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida.

Nach Angaben der Vertretung der Zentralregierung beteiligten sich rund 50'000 Menschen an der Kundgebung in Madrid, die nach einem Gericht des nationalen TV-Senders RTVE die grösste Einzelveranstaltung des Abends war. PP-Generalsekretär Miguel Tellado sprach von rund 2'000 Kundgebungen in ganz Spanien und forderte erneut den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen.

In einigen Städten wie etwa in Barcelona oder Bilbao gab es Gegendemonstrationen, bei denen sich die Teilnehmer gegen Rassismus aussprachen. «Kein Mensch ist illegal», war dort auf Transparenten zu lesen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta
1 / 9
Zehntausende Migranten wollen nach Ceuta

In Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, herrscht Ausnahmezustand.

quelle: keystone / antonio sempere
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ausnahmezustand in Ceuta: Zehntausende Migranten überrennen spanische Exklave in Marokko
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Über 200 Tage ohne Landgang: Soldaten der «USS Lincoln» erholen sich in Pattaya
Nach mehr als 200 Tagen auf See und Berichten über gravierende Missstände an Bord ist der US-Flugzeugträger «Abraham Lincoln» in Thailand eingetroffen. Hinter den rund 5000 Soldaten in der Touristenhochburg Pattaya liegt ein Kriegseinsatz, der wegen angeblicher Versorgungsengpässe und Beschwerden von Matrosen und Angehörigen für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das 330 Meter lange und bis zu 74 Meter hohe Schiff lief am Morgen (Ortszeit) im Hafen Laem Chabang in der Provinz Chon Buri ein, rund 20 Kilometer von Pattaya entfernt.
Zur Story