Spanische Exklave überfordert: Hunderte Migranten schwimmen nach Ceuta
In der spanischen Exklave Ceuta herrscht in diesen Tagen Ausnahmezustand. In die Ortschaft im Nordwesten Afrikas sind in den letzten Tagen Hunderte Migranten gelangt. Insgesamt sollen 1500 Migranten versucht haben, das Gebiet zu erreichen, das an Marokko grenzt. Dies ist nur schwimmend möglich – an der marokkanisch-spanischen Grenze gibt es einen meterhohen Grenzzaun.
Hier liegt Ceuta:
Wie spanische Medien berichten, herrscht in Ceuta derzeit Ausnahmezustand. Laut dem Regierungschef der Exklave haben die Küstenwache und das Rote Kreuz zahlreiche Personen aus dem Wasser retten müssen, darunter auch Minderjährige. Die Aufnahmezentren sollen massiv überlastet sein: Gemäss dem Präsidenten Ceutas sollen die Aufnahmeeinrichtungen teils zu mehr als 2000 Prozent überbelegt sein. Hunderte Menschen sollen im Freien übernachten. Zudem soll es einige Verletzte geben.
Aufgrund der aktuellen Lage fordert Ceuta nun Hilfe von der Regierung aus Madrid an. So hofft die Regierung der Exklave auf Unterstützung durch das spanische Militär. Laut «El Pais» blockt Madrid diese Forderungen bislang aber ab. So handle es sich gemäss Regierungschef Pedro Sanchez nicht um ein «Risiko für den nationalen Zivilschutz».
Weiter fordert der Präsident von Ceuta die Abschiebung von Neuankömmlingen – dies ist allerdings nicht erlaubt. Personen, welche die Exklave schwimmend erreichen, dürfen nicht abgeschoben werden, da man ihnen gemäss geltendem Recht nicht vorwerfen kann, gewaltsam spanische Grenzanlagen durchquert zu haben. Dieses relativ neue Urteil – es stammt vom 16. Juni – könnte sich unter Migranten herumgesprochen haben, so der Marokko-Korrespondent der ARD Stefan Ehler gegenüber SRF.
Ceuta steht immer wieder im Zentrum von Diskussionen bezüglich der Migration in die Europäische Union. So versuchen immer wieder Personen aus Afrika, vor allem aus Marokko und Algerien, über diese Grenze europäisches Staatsgebiet zu erreichen. Der Weg ist allerdings gefährlich: Aufgrund des Grenzzauns ist ein stundenlanger Schwumm durchs Meer nötig, um das spanische Staatsgebiet von Marokko aus zu erreichen. Allein im letzten Jahr wurden 60 Leichen vor der Küste geborgen. In den letzten Tagen starben vier weitere Menschen. (dab)
