Hunderte Migranten schwimmen nach Ceuta – Spanien schickt Soldaten
In der spanischen Exklave Ceuta herrscht in diesen Tagen Ausnahmezustand. In die Ortschaft im Nordwesten Afrikas sind in den letzten Tagen Hunderte Migranten gelangt. Insgesamt sollen 1500 Migranten versucht haben, das Gebiet zu erreichen, das an Marokko grenzt. Dies ist nur schwimmend möglich – an der marokkanisch-spanischen Grenze gibt es einen meterhohen Grenzzaun.
Hier liegt Ceuta:
Wie spanische Medien berichten, herrscht in Ceuta derzeit Ausnahmezustand. Laut dem Regierungschef der Exklave haben die Küstenwache und das Rote Kreuz zahlreiche Personen aus dem Wasser retten müssen, darunter auch Minderjährige. Die Aufnahmezentren sollen massiv überlastet sein: Gemäss dem Präsidenten Ceutas sollen die Aufnahmeeinrichtungen teils zu mehr als 2000 Prozent überbelegt sein. Hunderte Menschen sollen im Freien übernachten. Zudem soll es einige Verletzte geben.
Madrid will keinen Notstand ausrufen, ordnete aber unterdessen den Einsatz von in Ceuta stationierten Armeeeinheiten zur Unterstützung der Grenzbeamten an, wie die Zeitung «El País» und andere Medien am Abend unter Berufung auf die Regierung berichteten. Diese Massnahme war bereits während der Migrationskrise im Mai 2021 in Ceuta ergriffen worden. Es seien insgesamt 120 Einsatzkräfte des Militärs, schreibt «El País».
Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte davor am Nachmittag auf der Plattform X mitgeteilt, man setze «alle Hebel in Bewegung, um umgehend auf die Lage in Ceuta zu reagieren», war aber nicht konkreter geworden. Am Abend teilte die Regierung in Madrid mit, Sánchez werde am Freitag nach Ceuta reisen.
Weiter fordert der Präsident von Ceuta die Abschiebung von Neuankömmlingen – dies ist allerdings nicht erlaubt. Personen, welche die Exklave schwimmend erreichen, dürfen nicht abgeschoben werden, da man ihnen gemäss geltendem Recht nicht vorwerfen kann, gewaltsam spanische Grenzanlagen durchquert zu haben. Dieses relativ neue Urteil – es stammt vom 16. Juni – könnte sich unter Migranten herumgesprochen haben, so der Marokko-Korrespondent der ARD Stefan Ehler gegenüber SRF.
Dutzende sterben beim Versuch, spanisches Gebiet zu erreichen
Nicht alle, die in die EU wollen, schaffen es: Die spanische Polizeieinheit Guardia Civil entdeckte am Mittwoch und am Donnerstag die Leichen von insgesamt zehn Menschen, die vermutlich in den vergangenen Tagen versucht hatten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Vivas sagte zuvor, in den vergangenen zwölf Monaten seien bereits rund 60 Leichen von Migranten geborgen worden.
Ceuta steht immer wieder im Zentrum von Diskussionen bezüglich der Migration in die Europäische Union. So versuchen immer wieder Personen aus Afrika, vor allem aus Marokko und Algerien, über diese Grenze europäisches Staatsgebiet zu erreichen. Der Weg ist allerdings gefährlich: Aufgrund des Grenzzauns ist ein stundenlanger Schwumm durchs Meer nötig, um das spanische Staatsgebiet von Marokko aus zu erreichen. Allein im letzten Jahr wurden 60 Leichen vor der Küste geborgen. In den letzten Tagen starben vier weitere Menschen. (dab, mit Material von sda/dpa)
