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YouTuberin über Rammstein-Video: «Habe angefangen, zu weinen»

Shyx und Lindemann
Kayla Shyx und Till Lindemann: Die 21-Jährige und der 60 Jahre alte Rockstar stehen sich in der Debatte um Übergriffigkeiten gegenüber.Bild: imago/t-online

YouTuberin über Rammstein-Video: «Habe angefangen, zu weinen»

Sie hat die Enthüllungen rund um Till Lindemann mit ihrem Erfahrungsbericht befeuert: Kayla Shyx. Jetzt schildert die YouTuberin, was sie deshalb erleben musste.
21.06.2023, 05:42
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Ein Artikel von
t-online

«Ich dachte, ich sterbe, ich falle tot um. Ich war absolut im Schockzustand und bin es auch immer noch», berichtet eine sichtlich um Fassung ringende Kayla Shyx. Die 21-Jährige hat mit ihrem am 5. Juni veröffentlichten YouTube-Video den Skandal um das Sexsystem bei Rammstein-Konzerten bekräftigt und Details geschildert, die weitere Medienberichte möglich machten.

Wie wir heute wissen und auch durch Recherchen von t-online belegen konnten, gab es das gezielte Zuführen von jungen Frauen für Till Lindemanns Bedürfnisse nicht nur bei Rammstein – auch bei Lindemanns Solotour spielte Alena Makeeva, die selbsternannte «Casting-Direktorin», eine zentrale Rolle. Kayla Shyx hat die «durchtriebene» Art der Russin bereits vor zwei Wochen kritisiert und berichtet, wie verstörend ihre Erfahrung bei einer Backstage-Party Lindemanns nach einem Konzert im Berliner Olympiastadion war.

Jetzt wendet sich die Influencerin erneut mit einem Video zur Causa an die Öffentlichkeit. «Es ist absolut beängstigend», sagt sie über die Resonanz zu ihrem «Was wirklich bei Rammstein Afterpartys passiert»-Video. «Als ich gesehen habe, wie viele Leute das Video gesehen habe, habe ich angefangen zu heulen.» Inzwischen hat ihr Erfahrungsbericht auf YouTube fast 5.5 Millionen Aufrufe eingesammelt. Allein unter dem Video sind mehr als 52'000 Kommentare zu finden. In den sozialen Medien und darüber hinaus ist Kayla Shyx neben der Nordirin Shelby Lynn eines der Gesichter des Skandals geworden – sie hat den Anschuldigungen gegen den Rockstar einen Namen gegeben.

Während Rammstein weiter auf Tour durch Europa ist, Till Lindemann vor Zehntausenden Konzerte gibt, ist Bewegung in den Fall gekommen. Seit vergangener Woche ist öffentlich, dass die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den 60-Jährigen selbst und eine weitere Beschuldigte, Alena Makeeva, eingeleitet hat. Dabei geht es unter anderem um Tatvorwürfe aus dem Bereich der Sexualdelikte. Lindemann lässt über seine Anwälte mitteilen, die Missbrauchsvorwürfe und Anschuldigungen, der Rockstar habe Frauen betäubt, seien «unwahr».

Kayla Shyx weitet derweil den Blick – und schildert nun eine Erfahrung aus ihrer Vergangenheit, die bereits länger als der Besuch des Rammstein-Konzerts zurückliegt. Das Video nennt sie «Die Nachwirkung der Rammstein Problematik». «Ich wurde mit 17 sexuell belästigt und gewalttätig angegangen, von jemandem aus meinem damaligen Kreis, den ich als Freund gesehen habe», so die heute 21-Jährige. Sie habe «keine Anzeige erstattet» und dem Mann «verziehen», weil es sich um einen Freund gehandelt habe.

Erst später sei ihr bewusst geworden, wie schlimm der Vorfall gewesen sei. «Die Erinnerung an diese Nacht, als ich sexuell belästigt wurde, kam wie aus dem Nichts auf und ich habe angefangen, zu weinen», erinnert sich Shyx jetzt in ihrem Video. Wann genau das gewesen ist, sagt sie nicht. Allerdings scheint sie etwa 20 Jahre alt gewesen zu sein, als sie sich mit ihrem Erlebnis in der Jugend noch einmal auseinandersetzte. Denn an einer anderen Stelle schildert sie: «Drei, dreieinhalb Jahre später musste ich in Traumatherapie.»

Grund seien «posttraumatische Reaktionen» gewesen. Sie habe unter «Panikattacken» gelitten, «getriggert durch verschiedene Dinge». Auch von Schlafstörungen berichtet Kayla Shyx. «Dreieinhalb Jahre» nach ihrem 17. Lebensjahr? Das entspricht vom Zeitraum her dem Jahr 2022, genauer gesagt: Mitte, Ende dieses Jahres. Am 4. Juni 2022 besuchte Shyx das Rammstein-Konzert in Berlin. Ob die Erfahrungen dort für ihren Trigger verantwortlich waren? Eine t-online-Anfrage an ihr Management bleibt diesbezüglich zunächst unbeantwortet.

Was genau passiert ist, als sie mit 17 Jahren einen Übergriff erlebte, bleibt weitgehend vage. «Ich hab mich gewehrt, ich habe ihm gesagt, er soll aufhören, ich habe versucht, ihn wegzuschieben, ich habe ihn geschlagen», heisst es an einer Stelle von Kayla Shyx. Für sie sei es später «unfassbar schwer und beängstigend» gewesen, zu realisieren, dass man in der Situation «keine Kontrolle» habe. Der Mann soll sie nicht losgelassen haben und habe auch nicht aufgehört, obwohl sie «nein» gesagt habe.

Dass sie Opfer eines Übergriffs wurde, realisierte sie erst viel später. «Man denkt in dem Moment, es sei einfacher, es über sich ergehen zu lassen, wir sind so sozialisiert und wollen uns selbst so schützen», sagt Shyx. Dabei sei es besser, «eine Szene zu machen». Doch auch sie selbst habe Angst gehabt, «wie diese Person reagiert». Nun appelliert die Influencerin an ihr Publikum: «Bitte wehrt euch.»

Das habe sie in ihrer Traumatherapie gelernt: «Euer Bauchgefühl trügt nicht, ihr habt ein Recht darauf, auf euer Bauchgefühl zu hören», so Shyx. Bei einer anderen Situation, die sie offenbar später erlebt hat und die nichts mit dem Vorfall als 17-Jährige zu tun hat, konnte sie aus ihrer Erfahrung lernen, sagt Kayla Shyx am Ende des Videos. «Ich habe Anzeige erstattet gegen einen erwachsenen Mann, der sich extrem ekelhaft mir gegenüber verhalten hat, der mich sexualisiert hat, der mich beleidigt hat.»

Es sei zwar nie etwas daraus geworden. Dennoch sagt Kayla Shxy mit Berufung auf Aussagen eines Polizisten: Solche Anzeigen seien wichtig – denn wenn es mehr solcher Anschuldigungen gebe, ein Muster sichtbar werde, werden die Ermittlungsbehörden aufmerksam. Der prominente Fall um Till Lindemann zeigt: Auch hier war es erst nur eine mutmasslich Betroffene mit Shelby Lynn, doch nachdem immer mehr Frauen Vorwürfe erhoben, geriet die Sache ins Rollen.

Verwendete Quellen:

  • YouTube.com: "Die Nachwirkung der Rammstein Problematik"
  • YouTube.com: "Was wirklich bei Rammstein Afterpartys passiert"

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(t-online, sow)

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192 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mocking Bert
21.06.2023 07:25registriert Februar 2022
Kann man diese Sache jetzt nicht ENDLICH den ermittelnden Behörden überlassen?
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FACTS
21.06.2023 07:27registriert April 2020
In 90 % des Artikels geht es nicht um Rammstein, sondern um eine angebliche frühere Missbrauchserfahrung der Protagonistin, die offenbar nie bewiesen wurde und wo das Verfahren am Ende von der Polizei eingestellt wurde.

Es kann jeder selber entscheiden, ob das ihre Glaubwürdigkeit jetzt stärkt oder schwächt.

Jedenfalls wendet sie sich offenbar inzwischen lieber an die Medien als an die Polizei. Auch das lässt verschiedenste Interpretationen zu, ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass besser Gerichte urteilen statt der öffentliche Mob vorverurteilen sollte!
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In vino veritas
21.06.2023 08:17registriert August 2018
Liebe Redaktion, auch wenn ihr ihn am liebsten bereits auf dem Scheiterhaufen sehen würdet, es gilt immer noch der Rechtsstaat. Da ändert auch der nicht im Zusammenhang stehende vage Bericht einer Influencer nichts (die Ermittlungen im Nachgang waren ergebnislos). Wenn man ständig über einen Vorfall berichtet, ihn im Zusammenhang zu einer aktuellen mutmasslichen Tat sieht (welche auch nicht erwiesen wurde), muss man mit kontroversen Reaktionen rechnen. Fackeln und Mistgabeln haben in einem Rechtsstaat nichts verloren, obwohl es gewisse Kreise gerne hätten (was mich bitter enttäuscht).
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