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Musik-Produzent nimmt Rammstein-Sänger Lindemann in Schutz

«Extremst vorverurteilt»: Musik-Produzent nimmt Rammstein-Sänger Lindemann in Schutz

20.06.2023, 11:0920.06.2023, 15:20
Janna Eiserbeck / watson.de
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MOSCOW, RUSSIA - FEBRUARY 10, 2012: German heavy-metal band Rammstein performing live at Olimpiysky Stadium
Im Kreuzfeuer: Till Lindemann.Bild: Shutterstock

Die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann reissen nicht ab. Jetzt war der Fall auch Thema bei «Hart aber fair» in der ARD. Unter dem Motto «Der Fall Rammstein und die Frage: Männer, seid Ihr wirklich noch nicht weiter?» diskutierte Moderator Louis Klamroth am Montag unter anderem mit Ex-Musikmanager und Ex-«DSDS»-Juror Thomas Stein. Der sorgte mit seinen Äusserungen zu Lindemann für Empörung.

«Waren Sie schon einmal bei einem Rammstein-Konzert?», fragt Thomas Stein in der Talk-Runde und erklärt dann völlig selbstverständlich: «Wie der (Anm. der Red.: Till Lindemann) mit 60 Jahren über die Bühne rennt, da soll der plötzlich runtergehen und jemanden beglücken? Da muss er ins Museum, das ist eine Kraft, die kannst du gar nicht aufbringen.»

Thomas Stein spricht bei Till Lindemann von Vorverurteilung

Ex-Musikmanager Thomas M. Stein war bei «Hart aber fair» zu Gast.
Ex-Musikmanager Thomas M. Stein war bei «Hart aber fair» zu Gast.bild: imago images / horst galuschka

Ihn überrasche zwar «heute gar nichts mehr», meint Stein, doch die Vorwürfe gegen Lindemann verwunderten ihn schon. Er sei doch ein «zugänglicher Zeitgenosse», verkündet der Ex-«DSDS»-Juror weiter. Er verweist auf die Unschuldsvermutung, sagt aber auch: Eine Straftat gehöre in diesem Fall bestraft – aber «etwas einfach so in den Raum zu stellen, das ist eine Riesengefahr», erklärte er. «Hier wird jemand wirklich extremst vorverurteilt», findet Stein.

Auch das Vorkommen einer «Row Zero», wie es bei Rammstein-Konzerten üblich ist, hält er für nicht ungewöhnlich. «Die gab es schon immer – bei Heino, bei Roberto Blanco und bei Rammstein», meint Stein.

Massive Kritik an «Hart aber fair»-Auftritt von Thomas Stein

Die Aussagen von Thomas Stein zu Till Lindemann sorgen auf Twitter für Entsetzen. Die Me-Too-Debatte sei «komplett an ihm vorbeigerauscht», beschwerte sich ein Twitter-User beispielsweise.

Vor allem Steins Wortwahl des «Beglückens» machte die Zuschauer:innen fassungslos.

Aufregung über CDU-Kommunalpolitikerin Lisa Schäfer

Letztendlich waren es nicht nur Steins Aussagen, die für Kritik sorgten. Auch CDU-Kommunalpolitikerin Lisa Schäfer sorgte bei den Zuschauer:innen für Kopfschütteln. Sie betonte: «Ich wurde noch nie begrabscht.» Unangenehm sei ihr allerdings, «wenn ich durch Brennpunktstrassen in grösseren Städten laufe und mir junge Männer, deren Sprache ich oft nicht verstehe, Sprüche hinterherrufen. Da entsteht ein Gefühl der Unsicherheit», erklärte sie. In der Talk-Runde sorgte das für Unverständnis. Louis Klamroth fragte nach, ob sie denn kein Englisch könne.

Auf Twitter gingen die Meinungen dazu weit auseinander, während die einen Schäfer Rassismus vorwarfen, nahmen die anderen sie in Schutz und kritisierten die Reaktionen in der Talk-Runde als überheblich. Auch das sei laut einem User «Victim Blaming at its best».

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117 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rodger
20.06.2023 13:42registriert November 2020
Ich finde Stein hat mit dem Vorverurteilen und auch bezüglich der Unschuldsvermutung recht. Wenn er etwas Unrechtes gemacht hat kann man Ihn nach den Ermittlungen immer noch ihn in der Medienlandschaft durch die Mangel drehen aber so geht man die Gefahr ein jemanden seiner Existenz zu berauben nur weil man seine ethische Einstellung nicht teilt.
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Magos
20.06.2023 14:21registriert September 2019
Man kann an ein Konzert von Rammstein gehen und dort abfeiern, und gleichzeitig die Verfolgung von Straftätern unterstützen. Das geht.
Wenn sich Lindemann an seinen Groupies vergangen hat, soll er die Rechnung dafür kassieren. Zusammen mit allen, die weggeschaut haben.
Aber bis jetzt ist das alles ein Haufen heisser Luft, gebaut auf Insta-Posts und ähnlich wertlosen "Beiträgen".
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John Galt
20.06.2023 17:59registriert November 2014
MeToo hat viel erreicht, und ist wichtig. Viele Opfer haben dadurch die Kraft gefunden aufzustehen und anzuklagen.
Die Verurteilung muss aber der Justiz überlassen werden, nicht dem Mob und auch nicht den Medien!
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