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Israel und der Libanon schliessen Abkommen – doch es bleiben Hürden

Israeli and Lebanese flags hang in a memorial site on the border with Lebanon in northern Israel, Saturday, June 27, 2026 after Israel and Lebanon sign a framework agreement, described as a first step ...
Das Abkommen ist unterzeichnet, aber wird es auch umgesetzt? Die libanesische und die israelische Flagge an der Grenze der beiden Staaten. Bild: keystone

Israel und der Libanon schliessen Abkommen – doch es bleiben viele Hürden

27.06.2026, 13:5027.06.2026, 16:28

Israel und die libanesische Regierung haben sich unter Vermittlung der USA auf einen Rückzug der israelischen Armee aus zwei Zonen im Südlibanon geeinigt. Dort soll die reguläre libanesische Armee die Kontrolle übernehmen. In einem Rahmenabkommen verpflichten sich Israel und der Libanon ausserdem, ihren jahrzehntelangen Konflikt zu beenden. Die Hisbollah-Miliz lehnte die Vereinbarung ab.

Die Vereinbarung sei ein «erster Schritt» in Richtung eines dauerhaften Friedens zwischen beiden Ländern, sagte US-Aussenminister Marco Rubio in Washington. Ein zwischen Israel und dem Libanon geltender Kriegszustand wurde nie offiziell beendet. Der Libanon erkennt den Staat Israel nicht an, ist aber keine Kriegspartei im aktuellen Konflikt.

Secretary of State Marco Rubio shakes hands with Lebanon's Ambassador to the U.S. Nada Hamadeh, left, following a signing of a framework agreement, described as a first step toward peace followin ...
Handshake: US-Aussenminister Rubio und die libanesische Uno-Botschafterin Nada Hamadeh.Bild: keystone

Den fechten die libanesische Hisbollah-Miliz, die als deutlich mächtiger gilt als die regulären libanesischen Streitkräfte, und Israel aus. Die vom Iran unterstützte Miliz nahm an den Verhandlungen nicht teil und lehnt die Vereinbarung ab - ein Grund, warum viele Beobachter wenig Hoffnung auf eine nachhaltige Beendigung des jahrzehntelangen Konflikts haben.

Israel soll besetztes Land im Libanon an Armee übergeben

Anders als von der Führung in Teheran und der Hisbollah gefordert, muss sich Israel dem Rahmenabkommen nach nicht aus einer selbst festgelegten «Sicherheitszone» im Südlibanon zurückziehen, solange nichtstaatliche Gruppen wie die Hisbollah entwaffnet worden sind.

Israelische "Sicherheitszone" im Südlibanon, 2016
Die israelische «Sicherheitszone» im Südlibanon. Karte: Israel Defense Forces

Die Vereinbarung sieht jedoch vor, dass sich die israelische Armee schrittweise aus zwei Zonen zurückzieht und die reguläre libanesische Armee dort die Kontrolle übernimmt. Das US-Militär solle dabei prüfen, ob die Gebiete nicht weiter von der Hisbollah genutzt werden, berichtete das US-Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf US-amerikanische und israelische Beamte. Ein Zeitrahmen oder konkrete Bedingungen für einen israelischen Rückzug wurden nicht festgelegt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der die Einigung lobte, hatte die von der Armee errichtete «Sicherheitszone» im Südlibanon an der Grenze zu Israel als Barriere zwischen der Hisbollah-Miliz und den Bürgern und Gemeinden im Norden des Landes bezeichnet. Die Miliz greift Nordisrael immer wieder mit Raketen und Drohnen an.

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Der israelische Ministerpräsident Netanjahu lobte das Abkommen. Bild: keystone

Die Hisbollah hat kein allgemeines völkerrechtliches Recht, militärische Gewalt gegen Israel anzuwenden. Der Libanon ist verpflichtet, sein Staatsgebiet grundsätzlich nicht als Ausgangspunkt bewaffneter Angriffe auf andere Staaten nutzen zu lassen, kann dies aber nicht durchsetzen. Die Regierung hat die militärischen Aktivitäten der Hisbollah Anfang des Jahres als illegal erklärt. Zugleich versucht sie, interne Spannungen zu vermeiden.

Die libanesische Regierung stuft das von Israel kontrollierte Areal, das gut sechs Prozent des Territoriums ausmacht, als völkerrechtswidrig besetztes Staatsgebiet ein.

Viele Stolpersteine bei der Umsetzung

Der israelische Nahost-Experte Danny Citrinowicz bezeichnete auf X das Abkommen zwar als eine beeindruckende diplomatische Errungenschaft, wies aber auf ähnlichen Optimismus bei früheren Vereinbarungen wie dem Gaza-Abkommen hin. Dessen Umsetzung stagniert.

Citrinowicz bezeichnet die zentrale Annahme des Abkommens, dass die Hisbollah letztendlich entwaffnet wird, höchst fragwürdig. Weder die libanesischen Streitkräfte noch Israel dürften dieses Ziel in absehbarer Zukunft erreichen. «Infolgedessen könnte die Frage der Waffen der Hisbollah zur Rechtfertigung für eine unbefristete israelische Militärpräsenz werden, ähnlich wie ungelöste Sicherheitsbedenken andere Konflikte verlängert haben», so der Experte.

Ausserdem sei es unwahrscheinlich, dass ein israelischer Ministerpräsident einem nennenswerten Rückzug aus dem Libanon zustimmen werde. Die bereits genehmigte begrenzte Truppenverlegung betreffe Gebiete, die Israel ohnehin kaum dauerhaft hätte halten können. Es gebe kaum Anzeichen dafür, dass unter den derzeitigen Bedingungen weitere Rückzüge stattfinden werden.

Andere Beobachter weisen auch auf die Rolle des Irans hin. Die iranische Regierung unterstützt die Hisbollah finanziell und auch mit Waffen. Die Hisbollah gilt als wichtiges Abschreckungswerkzeug des Irans gegen Israel und trägt damit zu ihrem Machterhalt bei. Kritiker zweifeln an der Bereitschaft des Irans zur Aufgabe der Hisbollah-Waffen.

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Die Hisbollah ist der verlängerte Arm des iranischen Regimes im Libanon und bildet dort einen Staat im Staat.Bild: keystone

Hisbollah lehnt Vereinbarung ab

Die Hisbollah teilte mit, sie fühle sich nicht an das Rahmenabkommen gebunden. Die Hisbollah werde sich jeglichen Regierungsmassnahmen widersetzen, die sich aus dem Abkommen ergäben, an ihren Waffen festhalten und nicht zulassen, dass die Behörden dem libanesischen Volk ihren Willen aufzwingen, sagte Hassan Fadlallah, ein Mitglied der Hisbollah-Fraktion im libanesischen Parlament, dem libanesischen proiranischen Nachrichtenportal Al Majadin.

Zahlreiche Anhänger der Miliz gingen am Freitagabend auf die Strasse, um gegen das Abkommen zu demonstrieren. Hisbollah-Chef Naim Kassim bezeichnete das Abkommen als «Erniedrigung», «Schande» und «Verzicht auf die Souveränität». Kassim kritisierte insbesondere, dass ein israelischer Rückzug aus dem Südlibanon an die Entwaffnung der Hisbollah geknüpft werde. Dies überschreite «rote Linien», ermögliche Israel Einfluss auf innere Angelegenheiten des Libanon und legitimiere eine fortgesetzte Besatzung.

Waffenruhe zuletzt stabiler

Zwischen der Hisbollah und Israel gilt seit dem 19. Juni eine Waffenruhe. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen wurde sie zuletzt von beiden Seiten weitgehend eingehalten.

Lage im Libanon könnte Frieden im Iran gefährden

Der Konflikt im Libanon ist für die USA besonders relevant, weil er zum Knackpunkt in den Verhandlungen mit dem Iran werden könnte. Das zwischen Washington und Teheran erzielte Rahmenabkommen sieht ein Ende der Kämpfe auch im Libanon vor. Experten kritisieren, dass die US-Regierung dem Iran ein Vetorecht über Entwicklungen im Libanon zugestanden habe.

Der Iran will die Hisbollah um jeden Preis schützen und macht deshalb den Rückzug Israels aus dem Südlibanon zur Bedingung für ein dauerhaftes Kriegsende. Zwischen den USA und dem Iran herrscht eigentlich eine Waffenruhe. Erstmals seit dem erzielten Rahmenabkommen griffen die USA in der Nacht aber wieder iranische Ziele an - als Reaktion auf eine Attacke auf ein Frachtschiff in der Strasse von Hormus. Der Golfstaat Bahrain meldete einen iranischen Angriff mit Drohnen. (sda/dpa)

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Waffenruhe im Libanon
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Waffenruhe im Libanon
Eine Frau kehrt im Südlibanon in ihr Dorf zurück.
quelle: keystone / hussein malla
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Israelischen Luftangriffen im Libanon kurz nach Waffenruhe
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Spannungen am Golf nehmen nach neuen Angriffen wieder zu
Im Konflikt zwischen dem Iran und den USA nehmen die Spannungen trotz der kürzlich erzielten Einigung auf ein Rahmenabkommen wieder zu.
Erstmals seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens mit Teheran zur Beilegung des Kriegs hat das US-Militär wieder Angriffe gegen den Iran gemeldet. Die Angriffe aus der Luft auf iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen seien als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag erfolgt, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom am späten Freitagnachmittag US-Ostküstenzeit mit.
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