International
Iran

Nach US-Angriffen: Iran greift Bahrain mit Drohnen an

A small motorboat passes anchored vessels in the Strait of Hormuz off Bandar Abbas, Iran, Wednesday, June 17, 2026.(Amirhosein Khorgooi/ISNA via AP)
Iran War Strait of Hormuz
Die Strasse von Hormus ist zentraler Teil des Konflikts.Bild: keystone

Nach US-Angriffen: Iran greift Bahrain mit Drohnen an

26.06.2026, 22:5127.06.2026, 11:45

Erstmals seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens mit Teheran zur Beilegung des Kriegs hat das US-Militär wieder Angriffe gegen den Iran gemeldet. Die Angriffe aus der Luft auf iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen seien als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag erfolgt, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom am späten Freitagnachmittag US-Ostküstenzeit mit.

US-Präsident Donald Trump hatte den Angriff auf das Frachtschiff zuvor dem Iran zugeschrieben und als Verstoss gegen die Waffenruhe-Vereinbarung gewertet.

Wie der Iran reagiert

Das iranische Aussenministerium hat die US‐Luftangriffe auf mehrere Ziele an der Südküste des Landes scharf verurteilt. Es handele sich um einen «offenkundigen Verstoss» gegen das Rahmenabkommen, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung, die die Nachrichtenagentur Isna verbreitete. Der Iran werde seine Souveränität, Sicherheit und nationalen Interessen mit aller Kraft verteidigen.

Als Reaktion auf die US-Angriffe habe die Marine der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) US-Ziele in der Region attackiert, hiess es zudem in einer Stellungnahme der iranischen Eliteeinheit. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht, eine Bestätigung von US-Seite stand zunächst aus.

Einen iranischen Drohnenangriff hat der Golfstaat Bahrain gemeldet. Mehrere iranische Drohnen hätten am frühen Morgen angriffen, teilte das Aussenministerium mit. Es handle sich um einen eklatanten Verstoss gegen die Souveränität Bahrains. Ein genauer Angriffsort wurde nicht genannt. Auch zu möglichen Verletzten oder Schäden wurden keine Angaben gemacht. Nachdem die USA und Israel Ende Februar den Krieg gegen den Iran begonnen hatten, reagierte Teheran auch mit Angriffen auf die Golfstaaten. Hier liegen unter anderem wichtige US-Militärstützpunkte und -Botschaften.

Was über die US-Angriffe bekannt ist

Aus der iranischen Stadt Sirik wurden iranischen Berichten zufolge in der Nacht zu Samstag Explosionsgeräusche gemeldet. Das berichtete unter anderem das Staatsfernsehen Irib. Die Stadt in der Provinz Hormusgan liegt am Persischen Golf nahe der Strasse von Hormus und war bereits in der Vergangenheit immer wieder Ziel von US-Angriffen. Auch von der Insel Gheschm wurden demnach Einschläge von Projektilen gemeldet.

Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf einen US-Beamten, dass sechs Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe vier iranische Stellungen entlang der Strasse von Hormus und auf der Insel Gheschm angegriffen hätten. Die Angriffe dauerten demnach etwa 90 Minuten.

Strasse von Hormus, Insel Gheschm
Die Insel Gheschm (rot markiert) und die Strasse von Hormus.Karte: GoogleMaps

Was über den Angriff auf das Schiff bekannt ist

Am Donnerstag war ein Angriff auf ein Frachtschiff in der Strasse von Hormus bekanntgeworden. Nach Angaben des US-Militärs traf der Iran das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff mit einer Drohne, als dieses die Strasse von Hormus entlang der omanischen Küste verliess.

Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) teilte mit, ein «unbekanntes Projektil» habe die Brücke des Schiffes beschädigt. Der Vorfall vor der Küste des Omans ereignete sich wenige Stunden, nachdem Irans Revolutionsgarden gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien.

Als Reaktion auf den Angriff auf das Schiff unterbrach die Weltschifffahrtsorganisation IMO zunächst ihre Evakuierung festsitzender Seefahrer. Bis zu der Unterbrechung ihrer Mission in der Strasse von Hormus konnte sie nach eigenen Angaben 2.500 Seefahrer evakuieren.

Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Im Zuge des Rahmenabkommens wurden beide Blockaden inzwischen aufgehoben.

Trump hatte den Angriff auf das Schiff bereits zuvor verurteilt

US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran bereits Stunden zuvor vorgeworfen, gegen die Waffenruhe-Vereinbarung verstossen zu haben. Seinen Angaben nach startete der Iran mindestens vier Drohnenangriffe gegen Schiffe in der Strasse von Hormus. Eine der Drohnen habe ein Frachtschiff getroffen. Der Frachter konnte demnach aber seine Fahrt trotz Schadens fortsetzen.

Das US-Militär habe die anderen drei Drohnen abgeschossen. «Dies ist offensichtlich ein törichter Verstoss gegen unsere Waffenruhe-Vereinbarung», schrieb Trump auf der Plattform Truth Social.

Was wird nun aus dem Ziel, den Krieg dauerhaft beizulegen?

Washington und Teheran hatten sich nach mühsamen Verhandlungen jüngst auf diese Vereinbarung geeinigt. Sie trat vergangene Woche in Kraft und umfasst unter anderem ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen sowie die Wiederöffnung der für den weltweiten Ölhandel zentralen Strasse von Hormus. Das Rahmenabkommen gilt zudem als Ausgangspunkt für vertiefte Verhandlungen. Diese sind zunächst auf 60 Tage angesetzt und sollen unter anderem das umstrittene iranische Atomprogramm in den Fokus nehmen. Nach den jüngsten Angriffen war zunächst unklar, was nun daraus wird.

US-Vizepräsident JD Vance schrieb nach den Angriffen seines Landes auf der Plattform X, dass der Iran ein Abkommen über eine Waffenruhe unterzeichnet habe. Die USA hätten sich daran gehalten. Sollten iranische Vertreter Einwände gegen die Umsetzung der Vereinbarung haben, könnten sie sich telefonisch melden. «Gewalt wird jedoch mit Gewalt beantwortet», betonte er.

epa13062006 US Vice President JD Vance listens as US President Donald Trump meets with Mark Rutte, Secretary General of the North Atlantic Treaty Organization (NATO), in the Oval Office of the White H ...
US-Vizepräsident Vance: USA haben sich an Abkommen gehalten.Bild: keystone

Die Iranischen Revolutionsgarden verwiesen in ihrer Stellungnahme zu Gegenschlägen ebenfalls auf die vereinbarte Waffenruhe. Laut Rahmenvereinbarung liege die Verantwortung der Regelung des Verkehrs durch die Strasse von Hormus beim Iran, hiess es dort. In der veröffentlichten Vereinbarung ist dies indes nicht explizit so beschrieben.

Vor dieser Stellungnahme hatten verschiedene Medien ein angebliches Statement der IRGC aufgegriffen, wonach die Garden Vergeltung angekündigt hätten. Dieses ist nicht mehr im Internet abrufbar und wurde von IRGC-nahen Medien später als falsch bezeichnet.

Das «Wall Street Journal» zitierte einen hochrangigen US-Beamten mit der Aussage, dass die Waffenruhe trotz der erneuten Angriffe weiterhin bestehe. Die US-Angriffe seien ausschliesslich eine Vergeltungsmassnahme für den Angriff auf das Frachtschiff, hiess es.

Rahmenabkommen zwischen Libanon und Israel

Eng verbunden mit dem Kriegsende zwischen den USA und dem Iran ist auch der Konflikt im Libanon zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz. Am Freitag einigten sich der Libanon und Israel auf ein Rahmenabkommen. Die Vereinbarung sei ein «erster Schritt» in Richtung eines dauerhaften Friedens zwischen beiden Ländern, sagte US-Aussenminister Marco Rubio in Washington.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lobte die Vereinbarung und bezeichnete sie als schwere Niederlage für den Iran. Die Hisbollah-Miliz lehnte das Abkommen jedoch ab und sieht sich nicht daran gebunden. Die Schiiten-Miliz – die als wichtigster nichtstaatlicher Verbündeter Irans gilt – nahm an den mehrere Tage dauernden Gesprächen in der US-Hauptstadt nicht teil. Die libanesische Regierung wiederum ist keine Kriegspartei.

Nach der Einigung zwischen Israel und dem Libanon kam es in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu Protesten. Unterstützer der proiranischen Hisbollah-Miliz zogen am Abend und in der Nacht zu Fuss und auf Motorrädern durch die Stadt und riefen Protest-Slogans gegen das Abkommen, wie unter anderem der Fernsehsender LBC International und Augenzeugen berichteten. Strassen sind demnach mit brennenden Reifen blockiert worden. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Iran-Krieg in Bildern
1 / 30
Iran-Krieg in Bildern

Menschen heben bei einer Demonstration in Tel Aviv die Hände, um ein Ende des Krieges zu fordern.

quelle: keystone / maya levin
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump zur Zerstörung im Iran
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
57 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Enzasa
26.06.2026 23:48registriert August 2016
Ich lese es und mein erster Gedanke ist, erst mal abwarten, was der Iran dazu sagt.
Mein zweiter Gedanke, nein, wie tief bin ich gesunken, um durch den Iran zu Wahrheitsfindung zu kommen.
988
Melden
Zum Kommentar
avatar
butlerparker
27.06.2026 00:02registriert März 2022
Was für ein geiler Nasenring, an dem die Revolutionsgarden DT durch die Welt Manege führen. Und er hüpft dann auch noch brav über jedes Stöckchen. Brav, Donnie, brav, machst Du gut so. Der Friedenspräsi schlechthin. Dass DT die USA vor aller Welt lächerlich macht, ist eine Schande für das ganze US Volk.
9711
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jürg Aeschbach
27.06.2026 00:48registriert Mai 2018
Für die künfigen Geschichtsbücher ein kleiner Zusammenschnitt:
3.Okt 26: Iran sperrt die Hormusstrasse, Trump reagiert mit Angriff.
Am 4. Okt 26 Verhandlungen für ein Absichtabkommen Version 5.0.
26. April 27: Iran sperrt die Hormusstrasse etc.etc. Resultat: Absichtsabkommen Version 13.0.
Am 30 November 27: Iran sperrt die Hormusstrasse... Resultat: Absichtsabkommen Version 36.0.
Am 15 August 28: Version 55.0
Im November 28 Abwahl von Trump, waa er aber nicht akzeptiert da noch keine definitive Absichtserkärung mit dem Iran besteht.😱
447
Melden
Zum Kommentar
57
Volkswagen will bis zu 100'000 Stellen streichen – vier Werke vor dem Aus
Volkswagen steht laut einem Medienbericht vor einem drastischen Umbau. Demnach könnten weltweit bis zu 100'000 Stellen wegfallen und mehrere Werke geschlossen werden.
Europas grösster Autobauer Volkswagen könnte laut einem Medienbericht deutlich mehr Stellen abbauen als bislang bekannt. Wie das «Manager Magazin» unter Berufung auf Insider berichtet, sollen in den kommenden Jahren konzernweit bis zu 100'000 der derzeit rund 657'000 Arbeitsplätze wegfallen. Damit würde sich das bisherige Sparziel verdoppeln.
Zur Story