Bewaffnete kapern Tanker im Golf von Aden – Sorge vor Rückkehr der Piraten
Mutmasslich somalische Piraten haben im Golf von Aden einen Tanker in ihre Gewalt gebracht. Die Angreifer enterten die «Asana» am Freitag vor der Küste des Jemen und steuerten das Schiff anschliessend offenbar in Richtung Somalia. Über das Schicksal der Besatzung ist bislang nichts bekannt.
Die britische Seefahrtsbehörde UKMTO sprach von einem «illegalen Betreten» des Schiffes rund 65 Seemeilen – etwa 120 Kilometer – südlich der jemenitischen Hafenstadt Al-Mukalla. Militärbehörden hätten gemeldet, dass «unbefugte Personen» an Bord gelangt seien, teilte die Organisation mit. Andere Schiffe wurden aufgefordert, das Gebiet mit besonderer Vorsicht zu durchqueren.
Tanker setzte offenbar noch Notruf ab
Bei der «Asana» handelt es sich Medienberichten zufolge um einen unter tansanischer Flagge fahrenden Öl- und Chemikalientanker. Das Schiff war demnach auf dem Weg zum Hafen von Bosaso in Puntland und verfügte offenbar über kein bewaffnetes Sicherheitsteam. Die britische Sicherheitsfirma Ambrey geht davon aus, dass somalische Piraten hinter der Kaperung stehen.
Der Tanker hatte vor der Übernahme noch einen Notruf abgesetzt. Ein südkoreanisches Marineschiff sei daraufhin zur Unterstützung aufgebrochen, berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Ambrey. Ob die Einsatzkräfte den Tanker inzwischen erreicht haben, blieb zunächst unklar.
Die jemenitische Küstenwache gab die Entfernung zum Festland mit rund 26 Seemeilen – etwa 48 Kilometern – an. Berichten zufolge bewegte sich das Schiff nach der Kaperung langsam in südöstlicher Richtung auf die somalische Küste zu. Jemenitische Stellen setzten demnach ein Patrouillenboot und Aufklärungsflugzeuge ein, um die Route des Tankers zu verfolgen.
Piraterie nimmt wieder zu
Der Vorfall ist Teil einer neuen Serie von Piratenangriffen in der Region. Seit April wurden mehrere Handelsschiffe vor Somalia und im Golf von Aden gekapert oder von bewaffneten Männern angegriffen. Bereits im Mai war vor der jemenitischen Küste ein weiterer Tanker entführt worden.
Die Piraterie am Horn von Afrika war nach ihrem Höhepunkt vor rund 15 Jahren durch internationale Marineeinsätze, bewaffnete Wachmannschaften und bessere Schutzmassnahmen deutlich zurückgedrängt worden. Sicherheitsexperten sehen in der geringeren Präsenz internationaler Kriegsschiffe einen Grund für die Rückkehr der Piraten. Viele Marineeinheiten sind inzwischen stärker mit den Konflikten im Roten Meer und insbesondere am Persischen Golf – der Strasse von Hormus – beschäftigt.
Der Golf von Aden gehört zu den wichtigsten Schifffahrtswegen. Die Route verbindet den Indischen Ozean über das Rote Meer und den Suezkanal mit dem Mittelmeer. Angriffe in dem Gebiet können daher weitreichende Folgen für den internationalen Waren- und Energiehandel haben.

