Diese Vorher-Nachher-Satellitenbilder zeigen die Spur der Verwüstung in Nepal
Einen Tag nach der verheerenden Sturzflut geht der Albtraum für die Menschen in Nepal weiter. Die immensen Wasser- und Geröllmassen haben eine Schneise der Verwüstung durch die Täler entlang des Flusses Trishuli, dessen oberer Lauf auch Bhotekoshi genannt wird, gerissen. Wo am Tag zuvor noch Dörfer und Felder waren, ist jetzt nur Schutt und Geröll zu sehen. Mindestens 359 Menschen sind der Flutkatastrophe zum Opfer gefallen, rund 1300 werden in Nepal und China noch immer vermisst.
Noch immer ist nicht vollständig klar, was die Sturzflut ausgelöst hat, doch Satellitenbilder liefern erste Hinweise. Als die wahrscheinlichste Ursache gilt derzeit ein aufgrund eines Felssturzes kollabierter Gletscher am Nordhang des Langtang Lirung, dem mit gut 7200 Metern höchsten Gipfel der nepalesischen Region Langtang.
A MASSIVE chunk of glacier collapsed, visible on satellite imagery from Aug 26.
— Soar (@SoarAtlas) August 27, 2026
You can compare it yourself with the slider: 👉 https://t.co/TnCj0muRas
The section that broke away measures roughly 930 metres long, leaving a huge scar on the mountain.#Nepal #Flood #China pic.twitter.com/dPl3exYKum
Beim mehr als 1000 Meter tiefen Abrutschen lässt die Energie das Eis fast augenblicklich schmelzen. So stark ist die Erschütterung beim Aufprall, das Erdbebennetzwerk des GFZ ein Erdbeben der Stärke 5,7 aufzeichnet. Der kanadische Geomorphologe Dan Shugar veröffentlichte Satellitenbeobachtungen und lokalisierte den Ursprung der Naturkatastrophe, die zu dem verheerenden Erdrutsch in der Grenzregion geführt haben soll. Ob beim Sturz noch Gletscherseen mitgerissen wurden, ist derzeit noch unklar.
The source of the flood in Nepal is a collapsed glacier 🧪⚒️
— Dr Dan Shugar 🇨🇦 (@watershedlab.bsky.social) 26. August 2026 um 12:40
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Gemäss Geologe Christian Huggel von der Universität Zürich war es «wahrscheinlich ein historisch grosser» Felssturz war. «Er war zehnmal oder vielleicht sogar mehr als zehnmal so gross wie der Felssturz in Blatten im vergangenen Jahr», erklärte er gegenüber dem SRF. Die Sturzflut hinterliess bis zu 100 Kilometer verheerende Zerstörungen, was ungefähr der Distanz von Blatten bis an den Genfersee entspricht. Vorher-Nachher-Bilder zeigen eindrücklich das gewaltige Ausmass der Katastrophe.
Gyirong Port
Als Erstes wurde der Grenzposten Gyirong Port an der tibetisch-nepalesischen Grenze getroffen. Der Übergang ist einer der wichtigsten Handels- und Touristenkorridore zwischen China und Nepal – entsprechend gross ist neben der menschlichen auch die wirtschaftliche Tragweite der Zerstörung. Videos zeigen, wie der Grenzübergang von der Sturzflut innert weniger Sekunden komplett begraben wurde.
BREAKING: At least 380 people missing after flash flood hits near Nepal-Tibet border pic.twitter.com/iCRpXJaBAe
— BNO News Live (@BNODesk) August 26, 2026
Vom Grenzübergang war am Tag danach kaum mehr etwas zu sehen, wie Bilder, die aus einem Helikopter aufgenommen wurden, zeigen. Auf chinesischer Seite hat der Erdrutsch zudem einen neuen Stausee entstehen lassen, den die Behörden inzwischen engmaschig überwachen, um eine weitere Flutwelle talabwärts zu verhindern.
Satellitenbilder von Sentinel-2 des europäischen Copernicus-Programms verdeutlichen, dass die Sturzflut das Tal weitestgehend unter sich begrub und alles mitriss, was sich ihr in den Weg stellte.
12. August vs. 27. August
Syapru Besi
Auch der Marktort Syapru Besi im Distrikt Rasuwa, Tor zur beliebten Trekkingregion Langtang, wurde von den Wassermassen schwer getroffen. In dem engen Tal fegte die Sturzflut aus Wasser und Schlamm mit schätzungsweise 40 Metern pro Sekunde – umgerechnet etwa 144 Kilometer pro Stunde – talwärts. Zusammen mit dem nahen Timure wurde hier ein Grossteil der Marktzone zerstört, mehrere Hydrokraftwerke – darunter das 111-Megawatt-Projekt Rasuwagadhi – fielen aus.
Auch hier veranschaulichen die Satellitenbilder das ganze Ausmass der Katastrophe: Eine breite Schneise aus Schutt und Geröll zieht sich durchs Tal, wo zuvor Wohnhäuser und Marktstände standen. Der Distrikt Rasuwa zählt insgesamt rund 50'000 Einwohnerinnen und Einwohner – ein grosser Teil davon lebt in den nun betroffenen Talgemeinden.
12. August vs. 27. August
Betrawoti
Weiter flussabwärts, im Distrikt Nuwakot, erreichten die Wassermassen auch die Gemeinde Betrawoti. Geschäfts- und Wohnquartiere wurden teils komplett überflutet, wie ein X-Video zeigt. Auch die Nachbarorte blieben nicht verschont – überall meldeten die Behörden Schäden an Handels- und Wohngebäuden.
Un tsunami de agua dulce es lo que ha barrido el centro de Nepal desde el Himalaya. Aún se desconocen las causas exactas, pero se apunta a un posible terremoto, seguido de un corrimiento de tierra y el posible desbordamiento de un lago glaciar.https://t.co/kx1SWcUGa6 pic.twitter.com/TtqW2CDYgj
— Zigor Aldama 齐戈 (@zigoraldama) August 26, 2026
Je breiter das Tal, desto eindrücklicher die Satellitenbilder: Bei Betrawoti verläuft der Trishuli-Fluss deutlich weniger steil als weiter oben – entsprechend breiter fällt hier der Korridor der Verwüstung aus. Die genaue Schadenssumme ist laut lokalen Behörden noch nicht beziffert, dürfte angesichts der betroffenen Fläche aber beträchtlich sein.
12. August vs. 27. August
Bidur
In der Stadt Bidur, ebenfalls im Distrikt Nuwakot, riss die Flut eine Brücke fort. In der Gemeinde mit knapp 30'000 Einwohnerinnen und Einwohnern wurden zahlreiche Häuser beschädigt oder ganz weggerissen. Die Polizei der Provinz Bagmati bestätigte, dass hier bereits mehrere Todesopfer geborgen wurden – die Suche nach weiteren Vermissten dauert an.
These visuals from the floods in Rasuwa, Nepal are absolutely horrific. The scale of the destruction looks unreal, almost like a scene from a disaster movie.The entire Himalayan belt needs to seriously work on better early warning systems for such flash floods. Prayers for… pic.twitter.com/7iiupXXIzT
— Nikhil saini (@iNikhilsaini) August 26, 2026
Die Vorher-Nachher-Bilder zeigen eindrücklich, wie aus dem einst schmalen Flusslauf eine breite Schneise aus Schutt und Geröll geworden ist. Für die Bevölkerung flussabwärts, etwa in den Distrikten Dhading und Chitwan, bleibt die Lage angespannt: Die Behörden haben sie vorsorglich aufgefordert, sich von den Ufern des Trishuli fernzuhalten.
