International
Öl

Drohnenangriffe auf Ölindustrie: Russland räumt Konsequenzen ein

epa13015206 Participants walk past a large screen showing an image of Russian President Vladimir Putin during the St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF), in St. Petersburg, Russia, 04 Jun ...
Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg, bei dem Kremlchef Wladimir Putin Gastgeber ist, läuft noch bis Samstag.Bild: keystone

Drohnenangriffe auf Ölindustrie: Russland räumt erstmals Konsequenzen ein

Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie hat Moskaus Regierung einen Rückgang der vereinbarten Ölfördermengen eingeräumt.
04.06.2026, 14:1504.06.2026, 14:55

«Jetzt ist die Förderung tatsächlich etwas niedriger als zu Beginn des Jahres», sagte der russische Vizeregierungschef Alexander Nowak beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF). «Das rührt daher, dass bei uns einige Ölförderbetriebe unplanmässige Reparaturen durchlaufen», erklärte er. Den Grund für diese Reparaturen nannte er aber nicht.

Die Ukraine fügt der Energiegrossmacht immer wieder folgenreiche Schläge mit Drohnen zu. Ziel Kiews ist es, Moskaus Einnahmen aus dem Ölexport zu dezimieren und damit wiederum der Finanzierung der russischen Kriegswirtschaft zu schaden. Die russische Führung spielt das Ausmass der Schäden nach Einschätzung von Experten herunter. Gleichwohl profitiert Moskau aktuell auch von den hohen Ölpreisen.

FILE - In this image taken from video released by Gov. Veniamin Kondratyev's Telegram channel, smoke rises after a drone attack on the oil refinery and terminal in Tuapse, Russia, Wednesday, Apri ...
Die Ukraine fügt der Energiegrossmacht immer wieder folgenreiche Schläge mit Drohnen zu (Archivbild von April 2026).Bild: keystone

Russland will vereinbarte Fördermenge bis Jahresende erreichen

Nowak sagte, dass die intakte Infrastruktur derzeit maximal ausgelastet werde. Die Firmen seien dabei, ihre Produktion auf das frühere Niveau zu bringen. Nach Darstellung des Vizeregierungschefs will Russland bis Jahresende auch seine im Rahmen der Opec+-Staaten vereinbarten Fördermengen in vollem Umfang erreichen. Im April lag die geförderte Tagesmenge in Russland bei rund neun Millionen Barrel pro Tag. Das waren 107'000 Barrel pro Tag weniger als im März und 580'000 Barrel pro Tag weniger als die Quote vorsieht.

Zu der von vielen Russen beklagten Erhöhung der Kraftstoffpreise meinte Nowak, dass die Lage auf dem Markt unter Kontrolle sei. An den meisten Tankstellen liege der Preis im Bereich der Inflation, sagte Nowak. Dagegen führten russische Medien auf, wo das überall nicht der Fall ist und die Preissprünge bei über zehn Prozent liegen. In Russland kostet der Liter Benzin weniger als ein Euro.

Kreml hofft auf Rückkehr westlicher Unternehmer

Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg, bei dem Kremlchef Wladimir Putin Gastgeber ist, läuft noch bis Samstag. Anwesend sind auch einige westliche Unternehmer.

Russland nutzt das Wirtschaftsforum, um sich der Welt zu präsentieren und will dabei trotz eines Wachstumseinbruchs seine ökonomische Kraft nach mehr als vier Jahren seines Angriffskriegs gegen die Ukraine und westlichen Sanktionen nach aussen demonstrieren. Putins stellvertretender Leiter des Präsidentenamtes, Dmitri Oreschkin, sagte in St. Petersburg, dass sich Russlands Wirtschaft auf eigene Stärken besinnen müsse und lieber nicht darauf rechnen sollte, dass die westlichen Sanktionen einmal wieder aufgehoben werden könnten.

Kammer registriert weniger Interesse

Die deutsch-russische Auslandshandelskammer, die selbst einen Business-Dialog mit Unternehmern aus beiden Ländern beim Forum organisiert, geht in einer Analyse davon aus, dass das Interesse an der Veranstaltung abnimmt. In diesem Jahr seien über 400 Podiumsteilnehmer weniger dabei als im vergangenen, errechnete die Kammer.

«Die Zahl an hochkarätigen SPIEF-Gäste hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich abgenommen», hiess es weiter. Angemeldet haben sich nach Kremlangaben etwa 20'000 Teilnehmer aus mehr als 100 Ländern. Gastland ist diesmal Saudi-Arabien.

An diesem Donnerstag trifft Putin auch Vertreter internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur, zu einer Fragerunde. Am Freitag tritt Putin bei dem Forum mit einer Rede auf - und stellt sich auf einem Podium Fragen, die sich traditionell auch um seinen Krieg gegen die Ukraine drehen. Den Beginn des Forums überschattete am Mittwoch ein ukrainischer Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie. Auch für die Forumsgäste war die Rauchschwaden am blauen Himmel unübersehbar. (dab/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern
1 / 54
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern

Von ihrem Nachbarn überfallen, kämpft die Ukraine ums Überleben. In dieser Bildstrecke schauen wir auf die Ereignisse seit der Invasion Russlands zurück ...

quelle: keystone / bo amstrup
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Russland greift die Ukraine mit Oreschnik-Rakete an
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
23 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Yesbutter
04.06.2026 15:39registriert August 2023
Der Lacher des Tages: "Der Grund dafür ist, dass einige Ölförderanlagen unplanmässige Reperaturen durchlaufen". Die halten den Rest der Welt doch tatsächlich für blöd. Ich glaube eher, dass die "unplanmässige Reparaturen" in nächster Zeit zunehmen werden.
470
Melden
Zum Kommentar
avatar
dmark
04.06.2026 15:16registriert Juli 2016
Jeder Rubel weniger für das Öl ist ein guter Rubel.
462
Melden
Zum Kommentar
avatar
aye
04.06.2026 16:12registriert Februar 2014
«Russland nutzt das Wirtschaftsforum, um sich der Welt zu präsentieren und (…) seine ökonomische Kraft (…) nach aussen [zu] demonstrieren.»
«Anwesend sind auch einige westliche Unternehmer.»

Solche Unternehmer brauchen wir hier nicht. Vielleicht sollten sie nach dem Forum gleich dort bleiben? Sie können dann gerne weiterhin in verschiedenen Landesteilen die schönen Rauchschwaden geniessen.
340
Melden
Zum Kommentar
23
«Russische Offensive ist verpufft»: Diese fünf Punkte machen Putin die Hölle heiss
Ist das der Anfang vom Ende des Ukraine-Kriegs? Während Russland eine neue Sommeroffensive vorbereitet, wächst der Druck auf die eigenen Nachschublinien.
Der Ukraine-Krieg kommt immer deutlicher an einen Wendepunkt. Grössere Durchbrüche an der Front werden zunehmend unwahrscheinlich. Dafür versuchen beide Seiten, den Gegner durch Luftangriffe in der Tiefe zu zermürben: mit Drohnenschlägen auf Logistik, Infrastruktur und Nachschubwege. Die aktuelle Entwicklung deutet darauf hin, dass diese Verschiebung in der Kriegsführung die sich verteidigende Ukraine begünstigt und die russische Armee vor wachsende strukturelle Probleme stellt.
Zur Story