Drohnenangriffe auf Ölindustrie: Russland räumt erstmals Konsequenzen ein
«Jetzt ist die Förderung tatsächlich etwas niedriger als zu Beginn des Jahres», sagte der russische Vizeregierungschef Alexander Nowak beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF). «Das rührt daher, dass bei uns einige Ölförderbetriebe unplanmässige Reparaturen durchlaufen», erklärte er. Den Grund für diese Reparaturen nannte er aber nicht.
Die Ukraine fügt der Energiegrossmacht immer wieder folgenreiche Schläge mit Drohnen zu. Ziel Kiews ist es, Moskaus Einnahmen aus dem Ölexport zu dezimieren und damit wiederum der Finanzierung der russischen Kriegswirtschaft zu schaden. Die russische Führung spielt das Ausmass der Schäden nach Einschätzung von Experten herunter. Gleichwohl profitiert Moskau aktuell auch von den hohen Ölpreisen.
Russland will vereinbarte Fördermenge bis Jahresende erreichen
Nowak sagte, dass die intakte Infrastruktur derzeit maximal ausgelastet werde. Die Firmen seien dabei, ihre Produktion auf das frühere Niveau zu bringen. Nach Darstellung des Vizeregierungschefs will Russland bis Jahresende auch seine im Rahmen der Opec+-Staaten vereinbarten Fördermengen in vollem Umfang erreichen. Im April lag die geförderte Tagesmenge in Russland bei rund neun Millionen Barrel pro Tag. Das waren 107'000 Barrel pro Tag weniger als im März und 580'000 Barrel pro Tag weniger als die Quote vorsieht.
Zu der von vielen Russen beklagten Erhöhung der Kraftstoffpreise meinte Nowak, dass die Lage auf dem Markt unter Kontrolle sei. An den meisten Tankstellen liege der Preis im Bereich der Inflation, sagte Nowak. Dagegen führten russische Medien auf, wo das überall nicht der Fall ist und die Preissprünge bei über zehn Prozent liegen. In Russland kostet der Liter Benzin weniger als ein Euro.
Kreml hofft auf Rückkehr westlicher Unternehmer
Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg, bei dem Kremlchef Wladimir Putin Gastgeber ist, läuft noch bis Samstag. Anwesend sind auch einige westliche Unternehmer.
Russland nutzt das Wirtschaftsforum, um sich der Welt zu präsentieren und will dabei trotz eines Wachstumseinbruchs seine ökonomische Kraft nach mehr als vier Jahren seines Angriffskriegs gegen die Ukraine und westlichen Sanktionen nach aussen demonstrieren. Putins stellvertretender Leiter des Präsidentenamtes, Dmitri Oreschkin, sagte in St. Petersburg, dass sich Russlands Wirtschaft auf eigene Stärken besinnen müsse und lieber nicht darauf rechnen sollte, dass die westlichen Sanktionen einmal wieder aufgehoben werden könnten.
Kammer registriert weniger Interesse
Die deutsch-russische Auslandshandelskammer, die selbst einen Business-Dialog mit Unternehmern aus beiden Ländern beim Forum organisiert, geht in einer Analyse davon aus, dass das Interesse an der Veranstaltung abnimmt. In diesem Jahr seien über 400 Podiumsteilnehmer weniger dabei als im vergangenen, errechnete die Kammer.
«Die Zahl an hochkarätigen SPIEF-Gäste hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich abgenommen», hiess es weiter. Angemeldet haben sich nach Kremlangaben etwa 20'000 Teilnehmer aus mehr als 100 Ländern. Gastland ist diesmal Saudi-Arabien.
An diesem Donnerstag trifft Putin auch Vertreter internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur, zu einer Fragerunde. Am Freitag tritt Putin bei dem Forum mit einer Rede auf - und stellt sich auf einem Podium Fragen, die sich traditionell auch um seinen Krieg gegen die Ukraine drehen. Den Beginn des Forums überschattete am Mittwoch ein ukrainischer Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie. Auch für die Forumsgäste war die Rauchschwaden am blauen Himmel unübersehbar. (dab/sda/dpa)
