Asia-Restaurant und Zweitwohnungen: Darum ernten die Ausbaupläne am Eigergletscher Kritik
Das Berner Oberland steht immer wieder im Zentrum hitzig geführter Debatten zum Thema Übertourismus. Viele Einwohnerinnen und Einwohner von Gemeinden wie Grindelwald oder Lauterbrunnen klagen über verstopfte Strassen, überfüllte Supermärkte, Müll und mangelnde Rücksicht einiger Besuchender aus aller Welt.
Eine Attraktion, die viele Durchreisende anzieht, ist die Haltestelle Eigergletscher an der Schnittstelle zwischen dem 2019 neu eröffneten Eiger-Express und der Bahnlinie der Jungfraubahn. Von der Mittelstation aus geniessen Touristinnen und Touristen einen imposanten Blick auf die berühmte Eigernordwand.
Die Bergbahnen der Jungfrauregion planen nun, diesen Bereich zusätzlich auszubauen, nicht um mehr Gäste anzulocken, sondern um «die Aufenthaltsqualität der Gäste» zu steigern, wie der Geschäftsführer der Jungfraubahnen, Oliver Hammel gegenüber dem Schweizer Fernsehen erklärt.
Restaurant, Ferienwohnungen und Museum geplant
Die Bergbahnen, die 2025 knapp 200 Millionen Franken Umsatz machten, planen die Mittelstation der Jungfraubahn um ein asiatisches Restaurant mit 200 Plätzen zu erweitern. Dazu sollen weiter Übernachtungsgelegenheiten in Form von touristisch bewirtschafteten Zweitwohnungen dazukommen, die Wohnungen sollen in bestehenden geschützten Gebäuden aus der Zeit des Eisenbahnbaus entstehen. Weiter planen die Bahnen den Bau von Shops, Mietgeschäften und eines sogenannten Erlebnismuseums.
«Dem Gast reicht es heute nicht mehr, die Eigernordwand nur hochzuschauen, er will selbst klettern und die herausfordernden Passagen der Steilwand erleben.» Dies soll mit Hilfe von multimedialen Elementen im geplanten Museum ermöglicht werden, wie Oliver Hammel in der Sendung «10vor10» erklärt.
Gemeinde Grindelwald und Umweltschutzverbände kritisieren Pläne
Weniger erfreut über die neuen Pläne ist Franziska Grossenbacher, Co-Leiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Im Beitrag widerspricht sie Oliver Hammel und sagt, der Ausbau der Mittelstation würde mit dem Ziel erfolgen, die Kapazitäten am Berg zu erweitern. Das Argument mit der Aufenthaltsqualität sei lediglich vorgeschoben, so Grossenbacher.
In einem Mitwirkungsbericht, der dem SRF vorliegt, werfen Natur- und Landschaftsorganisationen den Bergbahnen eine «Salami-Taktik» vor. Bereits mit der Inbetriebnahme des neuen Eiger Express sei die Zahl an Touristinnen und Touristen, die auf den Berg befördert werden können, deutlich gestiegen, nun scheine mit den neuen Plänen der nächste Schritt zu folgen.
Während das Land, auf dem die Jungfraubahnen gerne bauen würden, zu der Gemeinde Lauterbrunnen gehört, die dem Projekt positiv gegenübersteht, bedarf es auch der Zustimmung der Gemeinde Grindelwald. Denn die Gäste würden über das Land der Gemeinde Grindelwald an- und abreisen.
Grindelwald lehnt das Projekt jedoch ab und fordert, dass die Jungfraubahnen erst finanzielle Mittel zur Lösung der Verkehrsprobleme im Dorf bereitstellen müssten, bevor sie einem weiteren Kapazitätsausbau zustimmen würden. Denn, wie eine aktuelle Studie der Jungfrau-Region zeigt, stimmen beinahe 90 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Grindelwalds der Aussage zu, dass der Tourismus den Verkehr und die Infrastruktur im Dorf zu stark belasten würde. (jul)
