Unwetter in Russland: Superzyklon erfasst Moskau und andere Metropolen
Ein schweres Unwetter hat am Samstag Moskau und das Umland getroffen. Innerhalb kurzer Zeit gingen Starkregen und grosskörniger Hagel über der russischen Hauptstadt nieder. Dazu kamen Blitze und Windböen, die nach Angaben der städtischen Behörden Sturmgeschwindigkeiten von bis zu 20 Metern pro Sekunde erreichten.
In mehreren Teilen der Stadt stürzten Bäume um, Strassen liefen voll Wasser, der Strassenbahnverkehr kam stellenweise zum Erliegen. In einem Stadion schlug ein Blitz in der Nähe von zwei Männern ein, die ein Fussballspiel verfolgten. Beide verloren das Bewusstsein. Angaben zu ihrem weiteren Zustand liegen bislang nicht vor.
Zwei Tiefs verschmelzen zum Superzyklon über Russland
Meteorologen führen den plötzlichen Wetterumschwung auf das Zusammentreffen zweier Tiefdruckgebiete über Russland zurück. Dabei handelt es sich um das Atlantiktief «Bernadette» und ein thermisches Tief, das sich über dem Norden des Kaspischen Meeres gebildet hatte. Beide Systeme beeinflussen sich gegenseitig und verschmelzen nach Angaben der Wetterexperten zu einem grossräumigen Tiefdruckkomplex, den sie als Superzyklon bezeichnen.
Der Kern dieses Wettersystems liegt den Meteorologen zufolge über Zentralrussland. Da beide Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn rotieren, verstärken sie sich beim Zusammenwachsen gegenseitig.
Nach Einschätzung des Wetterdienstes verliert «Bernadette» zwar allmählich an Kraft, die Wetterlage über dem europäischen Teil Russlands bleibt jedoch instabil. Auch im weiteren Verlauf des Monats rechnen Meteorologen mit neuen Niederschlägen durch Atlantiktiefs.
Viertel der Monatsniederschlagsmenge in 20 Minuten
Das Unwetter beschränkte sich nicht auf Moskau. Am Samstagabend erreichte die Gewitterfront auch St. Petersburg. Über der Stadt gingen über mehrere Stunden Starkregen und Gewitter nieder, in Teilen der Region fiel zudem Hagel. Im Süden von St. Petersburg kam innerhalb von nur 20 Minuten rund ein Viertel der durchschnittlichen Monatsniederschlagsmenge zusammen.
Orkanartige Böen entwurzelten zahlreiche Bäume. Einige stürzten auf parkierte Autos, andere blockierten Strassen. In mehreren Wohngebieten fiel zeitweise der Strom aus. Das Unwetter beeinträchtigte auch den Flugverkehr. Zahlreiche Maschinen konnten den Flughafen der Stadt zunächst nicht anfliegen und kreisten längere Zeit über der Region.
Tornados in mehreren Regionen Russlands
Bereits vor dem Eintreffen des Tiefdruckgebiets in Moskau und St. Petersburg waren in anderen Teilen Russlands schwere Schäden gemeldet worden. In der Oblast Rjasan zog nach Berichten regionaler Medien und des Telegram-Kanals Baza ein Tornado über das Dorf Dubrowitschi hinweg.
Auch in den Regionen Swerdlowsk und Baschkortostan waren zuvor Tornados und schwere Sturmböen aufgetreten. Dort wurden Dutzende Wohnhäuser beschädigt. Zudem fielen zeitweise die Strom-, Wasser- und Gasversorgung in mehreren Ortschaften aus. In der Gebietshauptstadt Twer verwandelten sintflutartige Regenfälle Strassen innerhalb weniger Minuten in reissende Wasserläufe. Augenzeugen berichteten von umgestürzten Bäumen und grossflächigen Überflutungen.
Meteorologen warnten, dass sich das Wettersystem weiter in Richtung Zentralrussland verlagert. Betroffen sein könnten neben Moskau auch die Republiken Tatarstan sowie die Regionen Nischni Nowgorod, Wladimir, Tula und Kaluga. Dort werden ebenfalls Gewitter, Starkregen, stürmische Böen und örtlich Tornados erwartet.
Unwetter um Moskau gehen weiter
Nach den Prognosen dürfte sich die Wetterlage zunächst nicht beruhigen. In der Region Moskau sollen die kräftigen Niederschläge bis Montag anhalten. Nach Einschätzung der Meteorologen könnten innerhalb weniger Tage bis zu 90 Prozent der durchschnittlichen Monatsniederschlagsmenge fallen.
Auch in anderen Teilen des europäischen Russlands rechnen Wetterdienste mit aussergewöhnlich hohen Regenmengen. Nach derzeitigem Stand dürfte der grossräumige Tiefdruckkomplex auch in der kommenden Woche das Wetter in weiten Teilen der russischen Ebene bestimmen.

