Panzersperren gegen Putin: So sichert Polen seine Grenze vor einem möglichen Angriff
Auf der Autofahrt von Danzig in den Norden von Masuren verschwindet immer wieder das GPS‑Signal. Die polnischen Behörden machen dafür das nahe gelegene Russland verantwortlich. Erst am Freitag wurde selbst den Bewohnern der Grossstadt Danzig geraten, sich analoge Karten herunterzuladen, anstatt sich auf GPS zu verlassen.
Schuld an den Problemen seien Störsender aus Kaliningrad. Seit 2024 hätten die Attacken auf das Satellitensignal stark zugenommen, hiess es. Vor Wochenfrist war vom Ausfall des GPS-Signals gar ein polnisches Nato-Kriegsschiff in der Danziger Bucht betroffen.
Auf der Fahrt in sicherer Distanz zur 232 Kilometer langen Grenze zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad, zwischen kleinen Dörfern und Weizenfeldern, sind Metalltürme und eine grössere Zahl neuer Übertragungsmasten zu sehen. Laut des polnischen Verteidigungsministerium sollen in den nächsten vier Jahren 180 neue GPS-Übermittlungsstationen gebaut werden, um das Signal zu stärken.
Weit eindrücklicher sind indes die Bilder der ersten Panzerigel, die seit Juli unmittelbar an der Grenze zu Russland ausgelegt werden. Nördlich von Wegorzewo, dem einstigen Angerburg in Ostpreussen, sind 40 deutsche Pioniersoldaten dabei, ihren polnischen Kollegen bei den Bauarbeiten zu helfen. Bis Oktober soll die Bundeswehr ein «Beispiel der Nato-Solidarität» liefern, dann müssen die Polen wieder alleine weiterbauen.
Bis Ende 2028 soll die ganze Grenze zu Russland und auch die 418 Kilometer zu Wladimir Putins engstem Verbündeten Weissrussland mit solchen Panzersperren gesichert werden. Sie sind Teil des mindestens 2,2 Milliarden Franken teuren polnischen Abschreckungsprogramms «Ostschild».
Warnung vor Attacken und «grünen Männchen»
Hintergrund sind Nato-Szenarien, wonach Russland im Jahr 2029 bereit für einen Angriff auf das Baltikum und Polen sowie auch Finnland ist. Aktuelle Warnungen des litauischen Geheimdienstes, aber auch der Amerikaner, gehen davon aus, dass bereits in diesem Jahr mit einem regional begrenzten Eindringen russischer «grüner Männchen» oder auch nur Drohnen nach Litauen, Lettland oder Estland gerechnet werden muss.
Als besonders exponiert gelten das lettische Daugavpils, das estnische Narva – beides Städte mit einer grossen russischsprachigen Bevölkerung – und die dünn besiedelte knapp 100 Kilometer breite Suwalki-Lücke zwischen Kaliningrad und Weissrussland. Dieses Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen gilt als Flaschenhals der Nato-Planungen, denn das flache Gebiet stellt die einzige Landverbindung zu den Verbündeten im Baltikum dar.
In Polen will sich niemand auf Donald Trumps aktuelles Versprechen nach dem Besuch von CIA-Direktor John Radcliff in Moskau verlassen, wonach im laufenden Jahr das Nato-Gebiet sicher vor russischen Angriffen sei. Polens Grenze zu Russland sei «sicherer als je zuvor», liess sich Regierungschef Donald Tusk dieser Tage zitieren.
Dazu gehören neben Panzersperren mit Minenfeldern direkt an der Grenze auch ein Strassenausbau-Programm sowie Bewaldungsaktionen. Bis 2030 soll ein über 3 Milliarden Franken teurer Anti-Drohnen-Schild namens «San» entlang aller Ostgrenzen, also auch zur Ukraine, dazukommen.
Innert 48 Stunden werden Minen gelegt
Laut Verteidigungsministerium sind in den letzten zwei Jahren seit dem Start des «Ostschild»-Programms in Grenznähe 18 Hallen errichtet worden. Dort werden die Panzerigel und Minen gelagert. Letztere sollen laut Tusk im Falle eines russischen Angriffs innert 48 Stunden zwischen den Panzersperren ausgelegt werden.
Polen ist im Februar aus der Uno-Anti-Minen-Konvention von Ottawa ausgetreten und muss seine 2012-25 vernichteten Minenbestände erst wieder produzieren oder einkaufen. Bis Ende Oktober sollen 300'000 Panzerigel in die Hallen gekarrt werden. (schweizheute.ch)
