International
Russland

Polen rüstet an der russischen Grenze zum Krieg

News Bilder des Tages Polen errichtet Stacheldrahtzaun an der Grenze zu Kaliningrad RECORD DATE NOT STATED 02/11/2022 WISZTYNIEC BUDOWA ZAPORY NA TROJSTYKU GRANIC POLSKI ROSJI I LITWY POLAND BORDER -  ...
In Polen, an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, wird zum Krieg gerüstet.Bild: www.imago-images.de

Panzersperren gegen Putin: So sichert Polen seine Grenze vor einem möglichen Angriff

Nato-Szenarien warnen vor einem möglichen russischen Angriff ab 2029. Polen rüstet deshalb massiv auf. Eindrücke von der Ostgrenze.
02.09.2026, 09:52
Paul Flückiger, Gorowo Ilawiecki / ch media

Auf der Autofahrt von Danzig in den Norden von Masuren verschwindet immer wieder das GPS‑Signal. Die polnischen Behörden machen dafür das nahe gelegene Russland verantwortlich. Erst am Freitag wurde selbst den Bewohnern der Grossstadt Danzig geraten, sich analoge Karten herunterzuladen, anstatt sich auf GPS zu verlassen.

Schuld an den Problemen seien Störsender aus Kaliningrad. Seit 2024 hätten die Attacken auf das Satellitensignal stark zugenommen, hiess es. Vor Wochenfrist war vom Ausfall des GPS-Signals gar ein polnisches Nato-Kriegsschiff in der Danziger Bucht betroffen.

Auf der Fahrt in sicherer Distanz zur 232 Kilometer langen Grenze zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad, zwischen kleinen Dörfern und Weizenfeldern, sind Metalltürme und eine grössere Zahl neuer Übertragungsmasten zu sehen. Laut des polnischen Verteidigungsministerium sollen in den nächsten vier Jahren 180 neue GPS-Übermittlungsstationen gebaut werden, um das Signal zu stärken.

Weit eindrücklicher sind indes die Bilder der ersten Panzerigel, die seit Juli unmittelbar an der Grenze zu Russland ausgelegt werden. Nördlich von Wegorzewo, dem einstigen Angerburg in Ostpreussen, sind 40 deutsche Pioniersoldaten dabei, ihren polnischen Kollegen bei den Bauarbeiten zu helfen. Bis Oktober soll die Bundeswehr ein «Beispiel der Nato-Solidarität» liefern, dann müssen die Polen wieder alleine weiterbauen.

Bis Ende 2028 soll die ganze Grenze zu Russland und auch die 418 Kilometer zu Wladimir Putins engstem Verbündeten Weissrussland mit solchen Panzersperren gesichert werden. Sie sind Teil des mindestens 2,2 Milliarden Franken teuren polnischen Abschreckungsprogramms «Ostschild».

Warnung vor Attacken und «grünen Männchen»

Hintergrund sind Nato-Szenarien, wonach Russland im Jahr 2029 bereit für einen Angriff auf das Baltikum und Polen sowie auch Finnland ist. Aktuelle Warnungen des litauischen Geheimdienstes, aber auch der Amerikaner, gehen davon aus, dass bereits in diesem Jahr mit einem regional begrenzten Eindringen russischer «grüner Männchen» oder auch nur Drohnen nach Litauen, Lettland oder Estland gerechnet werden muss.

epa10308453 A Polish soldier installs a barbed wire along Polish border with the Russian exclave of Kaliningrad, near Szyliny village, north-eastern Poland, 16 November 2022. Polish Defence Minister M ...
Ein polnischer Soldat legt Stacheldrahtzaun aus.Bild: keystone

Als besonders exponiert gelten das lettische Daugavpils, das estnische Narva – beides Städte mit einer grossen russischsprachigen Bevölkerung – und die dünn besiedelte knapp 100 Kilometer breite Suwalki-Lücke zwischen Kaliningrad und Weissrussland. Dieses Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen gilt als Flaschenhals der Nato-Planungen, denn das flache Gebiet stellt die einzige Landverbindung zu den Verbündeten im Baltikum dar.

In Polen will sich niemand auf Donald Trumps aktuelles Versprechen nach dem Besuch von CIA-Direktor John Radcliff in Moskau verlassen, wonach im laufenden Jahr das Nato-Gebiet sicher vor russischen Angriffen sei. Polens Grenze zu Russland sei «sicherer als je zuvor», liess sich Regierungschef Donald Tusk dieser Tage zitieren.

Grenze Polens zur russischen Oblast Kaliningrad: Seit dem Ukraine-Krieg werden hier die Abwehrmassnahmen verschärft.
Kilometerlanger Zaun: Die Situation an der russisch-polnischen Grenze bleibt angespannt.Bild: imago

Dazu gehören neben Panzersperren mit Minenfeldern direkt an der Grenze auch ein Strassenausbau-Programm sowie Bewaldungsaktionen. Bis 2030 soll ein über 3 Milliarden Franken teurer Anti-Drohnen-Schild namens «San» entlang aller Ostgrenzen, also auch zur Ukraine, dazukommen.

Innert 48 Stunden werden Minen gelegt

Laut Verteidigungsministerium sind in den letzten zwei Jahren seit dem Start des «Ostschild»-Programms in Grenznähe 18 Hallen errichtet worden. Dort werden die Panzerigel und Minen gelagert. Letztere sollen laut Tusk im Falle eines russischen Angriffs innert 48 Stunden zwischen den Panzersperren ausgelegt werden.

Polen ist im Februar aus der Uno-Anti-Minen-Konvention von Ottawa ausgetreten und muss seine 2012-25 vernichteten Minenbestände erst wieder produzieren oder einkaufen. Bis Ende Oktober sollen 300'000 Panzerigel in die Hallen gekarrt werden. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Innovativ und tödlich: Der Drohnenkrieg der Ukraine
1 / 18
Innovativ und tödlich: Der Drohnenkrieg der Ukraine

Die Ukraine wehrt sich erfolgreich gegen den Aggressor Russland, dabei spielen Drohnen eine zentrale Rolle. In dieser Bildstrecke geht es um Meilensteine und historische Wendepunkte...

quelle: keystone / alex babenko
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ukrainische Angriffe auf russisches «Amazon»-Pendant
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
74 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
H.P. Liebling
02.09.2026 10:21registriert September 2018
Während die Deutschen zaudern und wir über diese lächerliche "Neutralitäts"-Initiative streiten, machen die Polen Nägel mit Köpfen. Auch wenn es traurig ist: Sie haben es begriffen.
688
Melden
Zum Kommentar
avatar
ABWESEND
02.09.2026 10:13registriert September 2024
die EU könnte Russland einfach so sanktionieren, dass keine Waren, die in irgendeiner Art und Weise militärisch einsetzbar wäre über EU Gebiet transportiert werden können. strikte Kontrollen an Litauens Grenze von russischen und belarussischen Transporten.

nicht bis 2029 warten, sondern jetzt schon damit beginnen Kaliningrad militärisch auszutrocknen.
323
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sucellos
02.09.2026 10:15registriert November 2020
Man könnte die ganzen Milliarden welche in Krieg geblasen werden so viel sinnvoller verwenden. Die Welt und die Menschheit könnten wirklich grosses erreichen, wenn unsere Landesoberhäupte nicht alles kurzsichtige, kleine alte Männer wären.
3714
Melden
Zum Kommentar
74
Um Russland abzuschrecken: Deutschland testet erfolgreich weitreichende Rakete
Die deutsche Marine will die Reichweite ihrer Raketen deutlich vergrössern: Eine Fregatte hat im Nordatlantik einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Raketensystems Lora erfolgreich abgeschlossen. Das teilte ein Sprecher mit. Nun sollen Pläne für eine Beschaffung der Waffen mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern vorangebracht werden.
Zur Story