Wirtschaft
Schweiz

Migros Restaurant Länderpark Stans: Fisch kommt aus Russland

Ein Zander haengt im Netz am Dienstag, 4. August 2026 auf dem Bodensee zwischen Landschlacht und Konstanz (DE). Die familiengefuehrte Fischerei Leuch fischt auf dem Bodensee nach Egli (Flussbarsch), F ...
Im Migros-Restaurant im Einkaufszentrum Länderpark in Stans kommt der Egli nicht aus dem Vierwaldstädter See, sondern aus Russland.Bild: keystone

Warum die Migros weiterhin Fisch aus Russland serviert

In einem Migros-Restaurant in Nidwalden steht regelmässig russischer Fisch auf der Menükarte. Der Schweizer Detailhandelsriese hält am Import aus Russland fest, während etwa Coop längst davon absieht.
27.08.2026, 06:0227.08.2026, 13:27
Manuel Kaufmann / ch media

Neulich im Restaurant der Migros im Einkaufszentrum Länderpark in Stans. Freitag ist für viele Katholiken Fischtag und auch im Migros-Restaurant können sich die Gäste unter anderem für ein Menü mit Egli entscheiden. Auf dem Menü-Bildschirm wird die Herkunft des Fisches angegeben: Russland.

Mit dem Verkauf von russischem Fisch steht die Migros nicht alleine da. Trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wird fleissig Fisch aus Russland in die Schweiz importiert. Im vergangenen Jahr waren es rund 600 Tonnen, was einem Wert von fast sieben Millionen Schweizer Franken entspricht, wie ein Blick in die schweizerische Aussenhandelsstatistik zeigt. Der Wert liegt im Bereich des Durchschnitts der vergangenen zehn Jahre.

Deutsche wollen russische Fisch

Der Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine im Februar 2022 lässt sich aus der Schweizer Importstatistik nicht herauslesen. Zwar hat der Bundesrat am 28. Februar 2022 entschieden, die wirtschaftlichen Sanktionen der EU gegen Russland zu übernehmen, auf der Liste der sanktionierten Güter fehlt der Fisch jedoch.

Anders sieht es bei Krebstieren aus, also etwa Garnelen oder Kaviar, die als wirtschaftlich bedeutende Güter deklariert sind und nicht aus Russland eingeführt werden dürfen.

Der Import von russischem Fisch in die Schweiz dürfte vorerst wohl auch nicht abnehmen. Zwar schlug die EU-Kommission vor, im neuen Sanktionspaket auch Beschränkungen für den Fischimport aufzunehmen. Gemäss der deutschen Presseagentur DPA wurde die Idee aber wieder verworfen.

Unter anderem hat in Deutschland der Vorschlag, die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland in die EU zu reduzieren, für Bedenken gesorgt. Angesichts des begrenzten Angebots hätte dies «erhebliche Konsequenzen für Produzenten und Konsumenten von Fischstäbchen, Schlemmerfilets und anderen Tiefkühl-Fischgerichten haben können», so die DPA.

Zu wenig Schweizer Fisch für die Migros

Zurück ins Migros-Restaurant in Stans, wo der russische Fisch auf den Tellern einiger Gäste landet. Auf ihrer Website verspricht die Migros-Gastronomie neben einer «vielfältigen, nachhaltigen Auswahl» auch «erstklassige Qualität und faire Preise» und «regionale Köstlichkeiten».

Und auch auf Nachfrage betont die Medienstelle der Migros-Genossenschaft: «Regionalität ist für die Migros-Gastronomie ein wichtiges Beschaffungsprinzip.»

Allerdings könnten nicht alle Rohstoffe – insbesondere Fisch und Meeresfrüchte – «in ausreichender Menge, gewünschter Qualität oder ganzjähriger Verfügbarkeit» aus der Schweiz oder der jeweiligen Region beschafft werden. In solchen Fällen würden «neben der Herkunft» weitere Kriterien beachtet: Nachhaltigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Aktuell stammen rund zwei Prozent der gesamten Seafood-Menge der Migros-Gastronomie aus Russland. Auf die Frage, warum der Fisch gerade aus Russland bezogen werde, schreibt die Migros: «Die Herkunft eines Fischprodukts alleine ist für uns nicht das einzige Beschaffungskriterium.»

Man orientiere sich an Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungen. Der angebotene Egli halte nicht nur die Vorgaben der Migros-Gruppe, sondern auch die offiziellen Vorgaben der Schweiz ein, schreibt die Migros. Und wie steht es um regionale Alternativen? «Grundsätzlich prüfen wir fortlaufend alternative Herkünfte und Lieferquellen. Schweizer Fisch ist jedoch nur beschränkt verfügbar und kann den Bedarf der Gastronomie mengenmässig nicht decken.»

Andere bevorzugen Alternativen

Anders sieht es bei Coop aus, der anderen grossen Supermarktkette in der Schweiz mit eigenem Gastronomie-Angebot. In Coop-Restaurants werden seit Beginn des Krieges in der Ukraine keine Fisch- oder Meeresfrüchteprodukte aus Russland mehr angeboten, heisst es dort auf Anfrage. «Die Coop-Gastronomie bezieht Fisch ausschliesslich aus anderen Ländern.»

Und wie handhaben es kleinere Gastrobetriebe? Bruno della Torre ist Präsident des Verbands Gastro Unterwalden. Ihm ist kein Betrieb in Nid- und Obwalden bekannt, bei dem Fisch aus Russland auf der Karte steht, wie er auf Anfrage sagt. Regeln stelle der Verband aber keine auf. «Was in der Schweiz erlaubt ist, dürfen auch unsere Gastronomen.»

Della Torre betont, dass mit den Seefischereien am Vierwaldstättersee und verschiedenen Fischzuchtbetrieben gute regionale Angebote vorhanden seien. Als Wirt des Gasthauses Rose in Kerns achte er ebenfalls auf Regionalität – und wenn er doch mal importierten Fisch kaufe, dann nicht aus Russland.

(schweizheute.ch)

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