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Erneut heftige russische Angriffe auf Kiew – neun Tote

Erneut heftige russische Angriffe auf Kiew – neun Tote

01.08.2026, 09:3201.08.2026, 11:02

Erneut hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht mit ballistischen Raketen angegriffen und dabei viele Menschen getötet und verletzt. Der Bürgermeister der Millionenstadt, Vitali Klitschko, schrieb bei Telegram von mindestens 9 Toten und mehr als 30 Verletzten, darunter vier Minderjährige. Es gab demnach Brände und Schäden an Wohnhäusern und anderen Gebäuden in mehreren Stadtteilen.

epa13145084 Smoke rises over the Ukrainian capital following a massive Russian missile attack in Kyiv, Ukraine, 01 August 2026, amid the Russian invasion. According to the State Emergency Service of U ...
Nach einem massiven russischen Raketenangriff auf Kiew steigt Rauch über der ukrainischen Hauptstadt auf.Bild: keystone

Zuvor berichtete Klitschko unter anderem von einem fünfstöckigen Wohnhaus, das durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt worden sei. In dem Haus seien Menschen eingeschlossen. Zuvor hatte er von Explosionen in der Stadt berichtet und mitgeteilt, Kiew werde mit ballistischen Raketen angegriffen. Die Menschen sollten in Schutzräumen bleiben. Erneut verbrachten viele Bewohner die Nacht in U-Bahnstationen oder im Freien.

Russland griff die Ukraine laut Präsident Wolodymyr Selenskyj mit 35 Raketen und Marschflugkörpern, darunter 27 ballistische Raketen, sowie 185 Drohnen an. Nur eine ballistische Rakete sei abgefangen worden, einfach weil es keine Raketen für Patriot-Systeme gebe, schrieb er in sozialen Medien und appellierte an die Partner seines Landes. Mittel zur Flugabwehr würden nicht in Lagern für hypothetische Szenarien gebraucht, sondern jetzt in der Ukraine. Dazu veröffentlichte er Fotos und einen Videozusammenschnitt, die Einsatzkräfte und Zerstörungen an Wohnhäusern zeigen. Beschädigt wurden ihm zufolge 18 Häuser, eine Schule, die litauische Botschaft und Infrastruktureinrichtungen in Kiew.

Grossangelegter Angriff bereits am Donnerstag

Bereits am Donnerstag standen Kiew und andere ukrainische Städte bei einem grossangelegten Angriff im Visier Russlands. Landesweit kamen dabei ukrainischen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Auch die Stadt Lwiw (früher Lemberg) im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze beklagte schwere Schäden.

Ein Flugobjekt war dabei auch in den Luftraum des Nato-Staats Polen eingedrungen und abgestürzt. Nach Angaben der polnischen Regierung handelte es sich um einen russischen Marschflugkörper.

Trump äussert sich zurückhaltend zu Patriot-Lizenzvergabe

Mit seinen massiven Luftangriffen versucht Moskau, die ohnehin stark beanspruchte ukrainische Luftabwehr weiter zu überlasten. Als wirksamstes Mittel gegen ballistische Raketen gelten Patriot-Abfangraketen, von denen Kiew eigenen Angaben zufolge derzeit nicht mehr genügend hat.

Am Freitag hatte sich US-Präsident Donald Trump zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe einer Lizenz an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geäussert. Dies hatte er noch Anfang Juli am Rande des Nato-Gipfels in Ankara in Aussicht gestellt. Seit Februar 2022 wehrt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion.

President Donald Trump exits Air Force One at Morristown Municipal Airport in Morristown, N.J., Friday, July 31, 2026, after a trip to Camp David, the presidential retreat. (AP Photo/Jacquelyn Martin) ...
Trump äussert sich zurückhaltend.Bild: keystone

Russische Luftabwehr schiesst vier Drohnen ab

Auch die Ukraine griff wieder Ziele in Russland.an. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, vier Drohnen seien zerstört worden. Über mögliche Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Das ukrainische Militär nimmt regelmässig auch Ziele in Russland ins Visier, um den Krieg weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Das Ausmass der durch ukrainische Angriffe verursachten Schäden und die Zahl der Opfer sind aber nicht mit den von Russland angerichteten Zerstörungen in der Ukraine zu vergleichen.

Moskau: Haftbefehl gegen Tochter von getötetem Kremlkritiker

Derweil erliess ein russisches Gericht in Abwesenheit Haftbefehl gegen die Oppositionelle Schanna Nemzowa, die Tochter des 2015 in Moskau ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow. Nemzowa sei als Mitglied in einer in Russland für unerwünscht erklärten deutschen Organisation zur Fahndung ausgeschrieben, teilte das Gericht in der russischen Hauptstadt mit. Es sei eine Untersuchungshaft für zwei Monate angeordnet worden für den Fall ihrer Festnahme und die Übergabe an die russischen Sicherheitsorgane.

Im April 2024 nahm das Justizministerium Moskau die von Nemzowa gegründete deutsche Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit in die Liste der ausländischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen auf, deren Tätigkeit auf dem Gebiet der Russischen Föderation als unerwünscht eingestuft wurde. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr bis zu sechs Jahre Haft.

Nemzowa veröffentlichte bei Instagram ein Foto von sich vor der Zentrale der Deutschen Welle, dem Auslandssender der Bundesrepublik Deutschland. «Ich bin jetzt berühmt», teilte sie mit. Sie sei gerade in Bonn angekommen, wo sie 2015 die Stiftung zur Erinnerung an ihren in Kremlnähe erschossenen Vater gründete. In einem Kommentar für die Deutsche Welle meinte sie, dass der russische Machtapparat seine Anstrengungen intensiviere, unabhängige Stimmen zum Schweigen zu bringen. (hkl/sda/dpa)

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