Putins Zustimmungswerte stürzen ab – tiefster Stand seit Herbst 2022
Die Ukraine hat Putins Krieg nach Russland gebracht – und das schadet dem Kremlchef offenbar zunehmend. Die Zustimmungswerte Putins sind laut des staatlichen Umfrageinstituts FOM rasant eingebrochen. Allmählich scheint es, als könnten selbst die ausgeklügelten Desinformationskampagnen des Kremls die Realität nicht mehr nach Belieben wenden.
Unaufhörlich schickt die ukrainische Drohnenbrigade unter ihrem berüchtigten Kommandeur Robert Brovdi Drohnen tief ins russische Hinterland, wo sie verheerende Schäden anrichten. Primär greift die Ukraine die russische Versorgungsinfrastruktur an. Logistische Nachschublinien zur Front wurden unterbrochen, Ölraffinerien, die über Jahre die Kriegskasse des Kremls füllten, teils schwer beschädigt. Die Realität des Krieges lässt sich nicht länger leugnen. Und die Russen? Sie strafen Putin offenbar ab.
Auch in Russland werden – wie hierzulande – regelmässig Umfragen zu den Beliebtheitswerten führender Politiker erhoben, darunter auch zu Wladimir Putin. Zwar ist die Unabhängigkeit dieser Erhebungen angesichts der politischen Verhältnisse im Land fraglich. Ein plötzlicher Einbruch bei den Zustimmungswerten des Kremlchefs lässt dennoch aufhorchen.
Tiefster Wert seit Herbst 2022
Das staatliche Umfrageinstitut FOM vermeldete, dass nur noch 66 Prozent der Russen Vertrauen in Putin hätten. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche und der niedrigste Wert seit Herbst 2022, als Putin die umstrittene Teilmobilmachung ankündigte.
Eine weitere Umfrage des Instituts liefert einen möglichen Hinweis darauf, warum die Stimmung gekippt ist. Die Befragten sollten angeben, welche Themen sie derzeit für die grössten Probleme des Landes halten. 19 Prozent nannten die Benzinkrise, die sich inzwischen über weite Teile Russlands ausgebreitet hat. Vielerorts mussten Menschen tagelang an Tankstellen anstehen – eine direkte Folge der ukrainischen Angriffe auf Raffinerien und Treibstofflager. Weitere 14 Prozent nannten ausdrücklich die ukrainischen Angriffe auf russisches Staatsgebiet als eines der drängendsten Probleme.
Auch wenn die Stimmung im Land zunehmend angespannt erscheint, hat sich der Unmut bislang nicht offen gegen die Machthaber im Kreml gerichtet. Grössere Proteste hat es in Russland seit Langem nicht gegeben. Sollte es Putin jedoch nicht gelingen, die Folgen des Krieges wieder weitestgehend aus den russischen Wohnzimmern fernzuhalten, könnte sich die Lage für ihn weiter zuspitzen.

