Putin baut seinen Geheimdienst um – sein Vertrauter könnte nach 18 Jahren gehen
Seit mehr als 18 Jahren steht Alexander Bortnikow an der Spitze des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Nun könnte die ungewöhnlich lange Amtszeit des 74-Jährigen zu Ende gehen. Das unabhängige russische Exilmedium «iStories» berichtet, dass beim FSB eine umfassende Neuordnung bevorstehe. Sie könne zentrale Abteilungen und deren Führung erfassen – möglicherweise auch Bortnikow selbst.
Die Redaktion beruft sich auf zwei ehemalige FSB-Mitarbeiter, die sich nach Angaben von «iStories» nicht kennen. Eine offizielle Bestätigung für den geplanten Umbau gibt es allerdings bislang nicht.
Eine wichtige Stelle bleibt unbesetzt
Ein erster Hinweis auf die mögliche Neuordnung ist den Quellen zufolge eine unbesetzte Schlüsselposition. Sergej Alpatow soll seinen Posten als Leiter des Dienstes für wirtschaftliche Sicherheit aus gesundheitlichen Gründen verlassen haben. Ein Nachfolger sei bislang nicht ernannt worden.
Das ist bemerkenswert, weil der Dienst zu den einflussreichsten Bereichen des FSB zählt. Seine Abteilungen befassen sich unter anderem mit dem russischen Finanzsektor, der Industrie sowie Teilen des Staatsapparats. Auch Bortnikow leitete diesen Bereich, bevor er 2008 zum FSB-Direktor aufstieg.
Die beiden früheren Geheimdienstmitarbeiter führen die ausbleibende Nachbesetzung laut «iStories» auf den geplanten Umbau zurück. Einer von ihnen hält erste Veränderungen bereits im Oktober für möglich.
Bortnikow soll auf seinen Ruhestand drängen
Nach Angaben der Quellen will sich Bortnikow schon seit Längerem in den Ruhestand verabschieden. Er verbringe viel Zeit in Sanatorien, während sein erster Stellvertreter Sergej Koroljow zunehmend Aufgaben des Direktors übernehme.
Koroljow gilt dem Bericht zufolge auch als wichtigster Anwärter auf den Spitzenposten. Der 64-Jährige ist seit 2021 erster stellvertretender FSB-Direktor und leitete zuvor ebenfalls den Dienst für wirtschaftliche Sicherheit. Bereits bei seiner Beförderung berichtete das russische Wirtschaftsmedium RBK, er werde als möglicher Nachfolger Bortnikows gehandelt.
Drei Männer werden als Nachfolger genannt
Neben Koroljow bringen die Quellen zwei weitere Männer ins Spiel: Iwan Tkatschow leitet die militärische Spionageabwehr, die unter anderem die russischen Streitkräfte überwacht. Wladislaw Menschschikow steht an der Spitze der allgemeinen Spionageabwehr des FSB.
Auch Menschschikows Name ist nicht neu. Er wurde bereits 2024 als möglicher Nachfolger Bortnikows genannt. Wer im Kreml tatsächlich favorisiert wird, ist nicht bekannt. Am Ende entscheidet Präsident Wladimir Putin über die Führung des Geheimdienstes.
Der FSB stützt Putins Macht
Die Führung des FSB ist weit mehr als ein interner Posten im russischen Sicherheitsapparat. Der Geheimdienst ist eine zentrale Stütze von Putins Herrschaft. Er ist vor allem für die Sicherheit innerhalb Russlands zuständig und übernimmt Aufgaben wie Spionageabwehr, Terrorismusbekämpfung und Grenzschutz. Zugleich geht er gegen Gegner des Kremls vor und verfügt über weitreichende Ermittlungs- und Zwangsbefugnisse.
Auch ausserhalb Russlands sind die Geheimdienste des Landes aktiv. Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor Spionage, Cyberangriffen, Einflussnahme und Sabotageplänen im Auftrag Moskaus. Welcher russische Dienst hinter einem konkreten Vorgang steht, lässt sich jedoch häufig nicht zweifelsfrei belegen.
Verwendete Quellen:
- istories.media: "Руководитель Службы экономической безопасности ФСБ Сергей Алпатов покинул свой пост" (russisch)
- meduza.io: "The Bell: российский интернет теперь курирует Вторая служба ФСБ. Ее сотрудники пытались отравить Навального" (russisch)

