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Ex-Soldat Alexander Lunin kritisiert Putin und Armee - Haft

Russian President Vladimir Putin addresses the United Russia party congress in Moscow, Sunday, June 28, 2026. (Ekaterina Shtukina, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP)
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Russlands Präsident Wladimir Putin duldet keine Drohungen gegen sein Regime.Bild: keystone

«Dann wird die Armee ihre Waffen gegen den Kreml richten»

Ein russischer Soldat erhielt Millionen Aufrufe und Hunderttausende Likes, nachdem er Putin mit einem bewaffneten Aufstand gedroht hatte. Er forderte ein Gespräch im Kreml. Nun wurde er verhaftet.
29.06.2026, 05:0329.06.2026, 06:43
Ivan Ruslyannikov / ch media

Vor genau drei Jahren wurde Wladimir Putin zum letzten Mal mit einem militärischen Aufstand gedroht: Im Juni 2023 setzte sich eine Kolonne der Wagner-Gruppe unter der Führung von Jewgeni Prigoschin in Richtung Moskau in Bewegung, um den damaligen Verteidigungsminister Sergej Schoigu zum Rücktritt zu zwingen.

Putin wertete diesen Schritt als Verrat, und die Vergeltung liess nicht lange auf sich warten: Im August 2023 stürzte Prigoschins Flugzeug im Zentrum Russlands unweit einer Präsidentenresidenz ab. Seitdem hatte es im öffentlichen Raum niemand mehr gewagt, dem Kreml mit einem militärischen Aufstand zu drohen. Bis jetzt.

Innerhalb weniger Tage erzielten Videos des ehemaligen Kommandeurs eines Freiwilligenbataillons, des 39-jährigen Alexander Lunin, mehr als zehn Millionen Aufrufe auf Instagram. Der Mann, dessen Brust mit zahlreichen Auszeichnungen für seinen Einsatz im Krieg gegen die Ukraine geschmückt ist, veröffentlicht seit Tagen Videobotschaften an Wladimir Putin.

Der russische Soldat Alexander Lunin während einer Videobotschaft an Wladimir Putin.
Der russische Soldat Alexander Lunin während einer Videobotschaft an Wladimir Putin.Bild: Screenshot/Instagram

Nach eigenen Angaben wurde er während seines Militärdienstes zum Mörserschützen und Artilleristen ausgebildet und später im Raum Kursk eingesetzt, wo er eine Gehirnerschütterung erlitt. Lunin erklärte, dass er inzwischen nicht mehr am Krieg gegen die Ukraine teilnehme, da er 2025 aus der Einheit «Bars» ausgeschlossen worden sei. Anlass sei ein Video gewesen, in dem er berichtete, dass zwei seiner Kameraden ohne Sturmgewehre auf eine Mission geschickt worden seien.

«In Russland beginnt ein Blutbad, wenn man mir nicht die Möglichkeit gibt, Ihnen öffentlich zu erzählen, was in der Armee wirklich geschieht. Dort geschehen entsetzliche Dinge», sagt Lunin an Putin gerichtet. «Tausende unserer Soldaten sitzen derzeit in illegalen Haftlagern, wo sie von ihren Kommandeuren bestraft werden. Sie verrotten dort, werden gefoltert und misshandelt, weil sie sich geweigert haben, sinnlose Selbstmordbefehle auszuführen oder ihr Geld abzugeben.»

Am Ende würden sie einfach getötet, und anschliessend heisse es, sie seien vermisst, so Lunin. Und weiter: «Wenn ich nicht in naher Zukunft in den Kreml komme und dort gemeinsam mit Ihnen live auftreten kann, wird die Armee ihre Waffen gegen den Kreml richten.»

Kritik am Umgang mit Menschenleben

Lunin ist nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Bereits zuvor war er im russischen Medienraum mehrfach mit scharfer Kritik in Erscheinung getreten. Allerdings richtete sich seine Kritik nicht gegen den Krieg in der Ukraine selbst, sondern gegen die aus seiner Sicht inkompetenten Entscheidungen des Verteidigungsministeriums und den leichtfertigen Umgang mit Menschenleben – ganz ähnlich wie bei Prigoschin vor drei Jahren.

«Ich danke dem Universum, dass ich keinen neuen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium unterschrieben habe. Unsere Kinder werden in diesem Land nicht gebraucht» sagt Lunin. Was man brauche, sei «Kanonenfutter, das für ihre Interessen und die Jachten der Oligarchen kämpfen soll». Er fordert: «Schickt die Kinder der Oligarchen und der Beamten in den Krieg, damit sie eure Interessen verteidigen – und nicht unsere Kinder!»

Was Lunin Putin mitteilen möchte, entspricht durchaus der Realität: In der russischen Armee kommt es tatsächlich zu Fällen von Folter, Tötungen und Erpressung. Auch unter ehemaligen Soldaten gibt es zahlreiche Beschwerden über unzureichende Entschädigungszahlungen nach einer Verwundung oder Invalidität. Der russische Präsident möchte das jedoch nicht hören.

Und es ist freilich nicht der Ton, in dem man bei Putin um eine Audienz bittet: Lunin sei für elf Tage in Ordnungshaft genommen worden, schrieb ein Bekannter des Bloggers auf dessen Telegramkanal. Beamte hätten zuvor eine nächtliche Hausdurchsuchung bei Lunins Haus durchgeführt. Verhaftet worden sei Lunin auf dem Weg nach Moskau.

(schweizheute.ch)

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