International
Waffen

Moskau rüstet auf: Neue S-400-Stellung nahe Putins Tochter

Russian President Vladimir Putin attends a cabinet meeting via videoconference at the Kremlin in Moscow, Tuesday, June 23, 2026. (Gavriil Grigorov/Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP)
Russia Putin
In der Nähe des Kremls hat Wladimir Putin einem Bericht zufolge eine neue Raketenstellung errichten lassen.Bild: keystone

Kreml errichtet laut Bericht Luftabwehr für Putins Tochter

Russland verstärkt wohl den Schutz Moskaus: Eine neue S-400-Stellung liegt einem Bericht zufolge nahe dem Kreml – und nahe einer Stiftung von Putins Tochter.
27.06.2026, 09:4227.06.2026, 09:42
Ein Artikel von
t-online

Russland hat offenbar eine neue Stellung für sein Flugabwehrsystem S-400 in unmittelbarer Nähe des Kremls errichtet. Das geht aus Recherchen von Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) hervor. Demnach befindet sich die neue Luftabwehrposition weniger als zehn Kilometer vom russischen Machtzentrum entfernt – auf dem Gelände der Innopraktika-Stiftung, die von Putins Tochter Katerina Tichonowa geleitet wird.

Nach Angaben von RFE/RL zeigen Satellitenbilder, dass dort eine Betonplattform errichtet und S-400-Systeme stationiert wurden. Die Stiftung gilt als staatlich unterstütztes Projekt mit einem Volumen von rund 1.7 Milliarden Dollar. Der Standort liegt auf einer Anhöhe im Moskauer Stadtzentrum, rund 300 Meter von einem Gebäude der Staatlichen Universität Moskau entfernt.

Die neue Stellung ist laut RFE/RL mindestens die fünfte Anlage dieser Art in einem entstehenden Luftverteidigungsring innerhalb der russischen Hauptstadt. Ihre Form und Grösse entsprächen demnach anderen militärischen Anlagen, die RFE/RL bereits zuvor in Moskau identifiziert hatte. Die Position gilt dem Bericht zufolge als die bislang kremlnächste bekannte S-400-Stellung.

Moskau verstärkt Schutz gegen mögliche Raketenangriffe

Nach Einschätzung von RFE/RL könnte die Anlage Teil eines grösseren Ausbaus der Luftverteidigung rund um Moskau sein. Anders als die in der Hauptstadtregion bereits installierten Pantsir-Systeme, die vor allem zur Abwehr von Drohnen dienen, sind S-400-Systeme für die Abwehr von Flugzeugen und Raketen über grössere Reichweiten ausgelegt. RFE/RL schreibt, die neuen Stellungen könnten dazu dienen, auf die wachsenden ukrainischen Fähigkeiten zu Angriffen mit ballistischen Raketen zu reagieren.

Die Ukraine hatte zuletzt Fortschritte bei eigenen Langstreckenwaffen gemeldet. Der ukrainische Rüstungshersteller Fire Point erklärte am 24. Juni, zwei ballistische Raketen entwickelt zu haben. RFE/RL bezeichnete sie als die ersten ballistischen Raketen, die in der unabhängigen Ukraine im Inland produziert würden. Zudem hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, die Ukraine habe weiterentwickelte Langstreckendrohnen erfolgreich getestet, die Ziele in bis zu 3'000 Kilometern Entfernung erreichen könnten.

Auch ukrainische Drohnenangriffe auf russische Infrastruktur haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Laut RFE/RL haben sie in Russland zu den schwersten landesweiten Treibstoffengpässen seit Jahren beigetragen. Mindestens 17 Regionen hätten demnach verpflichtende Beschränkungen beim Verkauf von Benzin und Diesel verhängt, in weiteren Regionen gebe es Engpässe oder private Verkaufsbeschränkungen.

Nähe zu Projekt von Putins Tochter

Besondere Brisanz erhält der Standort durch die Nähe zu Strukturen aus Putins Umfeld. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Moskau den Schutz von Orten, die mit Putin und seiner Familie in Verbindung gebracht werden, offenbar deutlich verstärkt.

RFE/RL berichtet, rund um Putins Residenz nahe Waldai seien seit 2022 mehr als 25 Luftabwehrstellungen errichtet worden, darunter auch eine Anlage mit S-400-Systemen. Die neue Stellung in Moskau passe in dieses Muster besonderer Sicherheitsvorkehrungen für Einrichtungen, die mit Putin oder seinem Umfeld verbunden seien. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Die Innopraktika-Stiftung wurde in der Vergangenheit derweil mit der russischen Rüstungsindustrie in Verbindung gebracht. Unabhängige russische Medien berichteten 2023, die Stiftung habe zehn Prozent am Drohnenhersteller Geoscan erworben. Dessen unbemannte Systeme sollen auch von russischen Streitkräften im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt worden sein. Tichonowa leitet Innopraktika seit 2015 und übernahm 2020 zudem die Leitung eines neu gegründeten Instituts für Künstliche Intelligenz an der Staatlichen Universität Moskau.

Der Bericht erscheint vor dem Hintergrund neuer russischer Angaben zu ukrainischen Drohnenangriffen auf Moskau. Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, in der Nacht zum Freitag seien mindestens 50 ukrainische Drohnen mit Ziel auf die Hauptstadt abgefangen worden. Unabhängig überprüfen liessen sich diese Angaben zunächst nicht.

Verwendete Quellen:

(hkl)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
37 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Biel2025
27.06.2026 10:06registriert November 2025
Putin bindet teure Abwehr in Moskau. An der Front schickt er seine Soldaten in den Fleischwolf. So viel Angst zerstört auch mal in.
1241
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rannen
27.06.2026 09:49registriert Januar 2018
Der Irrsinn ist aus seiner Visage ersichtlich
1081
Melden
Zum Kommentar
avatar
Hans Jürg
27.06.2026 10:06registriert Januar 2015
Botox-Vladi setzt eben stets die richtigen Prioritäten. Denn nur so kann er die 3-tägige Spezialoperation erfolgreich in den Sand setzen.
1001
Melden
Zum Kommentar
37
Ukraine soll Raketenfabrik im russischen Wolgograd angegriffen haben
Die Ukraine hat in der Nacht und am frühen Morgen eigenen Angaben nach eine Rüstungsfabrik in der russischen Millionenstadt Wolgograd angegriffen.
Marschflugkörper des Typs Flamingo hätten die Anlagen des Betriebs Titan-Barrikady getroffen und in Brand gesetzt, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. In der Fabrik würden Artilleriesysteme und auch Elemente für die Abschussrampen von Raketen produziert, schrieb er.
Zur Story