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Hirsche im Bündnerland kommen den Siedlungen zu nahe. Mit fatalen Folgen. bild: Zvg

Bündner Hirsch-Littering-Drama: «Das Tier versuchte nur zu überleben»



Es ist ein Littering-Drama, wie es die Schweiz noch nie erlebt hat: Insgesamt sechs Kilo Abfall – Plastikhandschuhe, Schnüre, Bierdeckel, Vogelfutternetze und vieles mehr – finden Wildhüter im Magen eines toten Hirsches in Arosa GR.

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Nach der Untersuchung des Tierkadavers blieb laut den Behörden dieser Eimer voll Abfall übrig. bild: zvg

Das Tier hatte bei Häusern Abfälle und Komposte durchwühlt und sich dabei ohne Rücksicht auf eigene Verluste vollgefressen. «Dieser Hirsch mit vollem Plastikmagen hatte wahrscheinlich einfach nur Hunger, irgendwie zu überleben versucht und leichte Beute gemacht», so ein Wildtier-Experte des Bundesamts für Umwelt zu SRF.

Weil der Hirsch in Siedlungsnähe ein Sicherheitsrisiko darstellte, wurde er von Wildhütern abgeschossen, wie der Kanton Graubünden mitteilte. Der Wildtier-Experte appelliert daher an die Bergbevölkerung: «Deckt organische Abfälle zu, stellt die Komposthaufen so in eure Gärten, dass sie nicht von Wildtieren angegangen werden können.»

Thai-Hirsch frass Unterwäsche

Gut möglich, dass der Bündner Hirsch bald weltweit für Schlagzeilen sorgt: Denn erst im November ging die Meldung eines verendeten Hirschs aus Thailand um den Globus.

epa08028198 An undated handout photo made available by Office of Protected Area Region shows officials handling the body of a dead dear found with plastic bags and underwear in its stomach, in Khun Sathan national park in Nan Province, Thailand (issued 27 November 2019). According to media reports, the deer was found to have consumed 7kg of plastic garbage and other rubbish.  EPA/OFFICE OF PROTECTED AREA REGION / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Dieser Thai-Hirsch hatte sieben Kilo Müll im Magen. Bild: EPA

Im Nationalpark «Khun Sathan» im Norden des Landes wurde ein toter Hirsch mit sieben Kilogramm Plastik im Magen gefunden.

Das verendete Tier hatte unter anderem Plastikbeutel und -müll, Gummihandschuhe, Unterwäsche und ein Handtuch in seinem Magen. Es habe wahrscheinlich lange vor seinem Tod angefangen, den Abfall zu essen, wie ein Vertreter des thailändischen Umweltministeriums gegenüber BBC News erklärte. Der Vorfall hat in Thailand eine grosse Debatte über Plastikmüll ausgelöst.

Bären starben an Schoggi-Überdosis

Aber nicht immer verenden die Tiere aus blosser Gedankenlosigkeit der Menschen, die Abfall wegwerfen. 2015 legte ein Jäger in Colorado, USA, 45 Kilogramm Schokolade und Doughnuts im Wald aus, um Bären anzulocken.

This July 19, 2018, file photo provided by Colorado Parks and Wildlife shows an orphaned bear cub that was burned by a wildfire healing at a rehabilitation center in Del Norte, Colo. The orphaned bear cub burned by a Colorado wildfire has been released back into the wild. The Durango Herald reports that the cub was placed in the mountains west of Durango on Friday, Jan. 25, 2019, asleep inside a man-made den along with a second orphaned cub. (Joe Lewandowski/Colorado Parks and Wildlife via AP, File)

2015 verendeten in Colorado zahlreiche Bären wegen einer Schoggi-Überdosis. Bild: AP/Colorado Parks and Wildlife

Zwei Bärinnen und zwei Bärenjungen langten zu fest zu und starben wegen einer Schoggi-Überdosis. Eine Obduktion ergab, dass die Tiere an Herzversagen infolge einer Vergiftung mit Theobromin, einem natürlichen Bestandteil von Schokolade, verendet waren.

(amü)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Else 19.12.2019 09:11
    Highlight Highlight Ich war vor weniger als 10 Jahren Leiter eines Pfadilagers, das in einem Dorf in der Surselva stattfand. Kurz nach beginn des Lagers stellten wir fest, dass immer wieder Bewohner der umliegenden Dörfer mit Ihren Kompost- und Abfallkübeli vorbeikamen, um diese Abfälle am Waldrand zu entsorgen. Darauf angesprochen, meinten die Leute, es wäre im Dorf gängige Praxis, diese Siedlungsabfälle im Wald zu entsorgen. Da verwundert mich das traurige Ende dieses Hirschs nicht...
  • malu 64 18.12.2019 22:02
    Highlight Highlight Einfach nur krank!
  • Avalon 18.12.2019 19:05
    Highlight Highlight Also irgendwie verstehe ich die Empfehlungen des Wildhüters nicht 🤔 Warum sollte man den Kompost zudecken? Die Hirsche haben Hunger und genau die Rüstabfälle würden ihnen bekommen. Sie haben all den Plastik ja kaum auf dem Kompost gefunden.
    Dass man den Abfall wildtiersicher macht, ja klar.
    Eigentlich eine sehr traurige News ...
    • chrisdea 18.12.2019 19:18
      Highlight Highlight Weil man den Tieren die natürliche Scheu vor dem Menschen nicht nehmen will. Wenn die anfangen, Menschen/Siedlungen=Futter zu assoziieren, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Weniger wenn's mal ein Reh ist, aber bei anderen Wildtieren kann es auch mal ungemütlich werden.
    • Fip 18.12.2019 23:41
      Highlight Highlight Das stimmt nicht. Der Stoffwechsel ist auf Winterfutter eingestellt, die energiereichen Rüstabfälle usw. bringen diesen durcheinander.
      Und die Tiere, welche dem Winter zum Opfer fallen, müssen nicht auf einer Sonderjagd erlegt werden.
    • Vecchia 19.12.2019 10:50
      Highlight Highlight "Weil man den Tieren die natürliche Scheu vor dem Menschen nicht nehmen will. "

      Da müsste man sich aber auch überlegen, ob die Tiere neben Snowparks, Skiliften und -Pisten noch genügend Raum und Ruhe haben um sich ungestört in ihren eigenen Lebensräumen noch zu ernähren...
  • derEchteElch 18.12.2019 18:22
    Highlight Highlight „Weil der Hirsch in Siedlungsnähe ein Sicherheitsrisiko darstellte, wurde er von Wildhütern abgeschossen..“

    Tiere in der Nähe von Siedlungen stellen nur für „dumme“ Menschen (bspw. Amis) ein Sicherheitsrisiko dar.

    Es muss aufgehört werden, Wildtiere zu töten, nur weil sie im Garten sind, und sich dann zu beschweren, dass die Population zurück geht.

    Das ist der andere Skandal nebst dem, dass „dumme“ Menschen (alle) einfach alles wegwerfen.. 🤬
  • Tiburon 18.12.2019 18:21
    Highlight Highlight Der grösste Teil im Magen waren Plastikfolien von Siloballen die überall auf Wiesen und bei Ställen gelagert werden. Um an das darin gelagerte Heu zu kommen werden die Siloballen mit den Zähnen aufgerissen, wobei grosse Teile der Plastikfolie verschluckt werden.
  • niklausb 18.12.2019 17:48
    Highlight Highlight Da sind eindeutig auch von diesen dummen Vogelfutternetzen zu sehen die sind halt in diesen Regionen (eigentlich nirgends) auch nicht das beste zum rausshängen.
  • Ichwillauchwassagen 18.12.2019 16:42
    Highlight Highlight Was erwartet ihr?
    Flaschen aus dem Auto werfen, zu faul um 20 Meter zum nächsten Abfallkübel zu gehen.
    Wenn es keinen hat, zu geizig um den Müll nach den Picknick nachhause zu nehmen.
    Füchse und nun auch Wild, das sich an uns anpasst, weiss wo easy Futter rumliegt.
    Jeder kann den Mülleimer treffen und wenn es sein muss, den Müllkontainer zuschliessen.
    In anderen Ländern gibt es Bären sichere Container
    Ich meine Littering Gesetze gibt es, nur wo sind die Nasen, die das durchsetzen?
    Muss ja nicht immer die Polizei sein, die haben genug zu tun.
    Ordnungshüter einführen
    • G. 18.12.2019 18:50
      Highlight Highlight Ich gehe regelmässig mit Abfallsack und Abfallzange in den Wald spazieren.

      Dabei sammle ich den Abfall auf und nehme ihn mit. Am Schluss wird der Sack gebührengerecht und konform im Abfall-Container deponiert.

      Den Leuten denen ich begegne, sagen manche nichts, manche sagen danke, manche bleiben sogar stehen und suchen das Gespräch.

      Manche meinen, ich hätte etwas ausgefressen und müsse jetzt gemeinnützige Arbeit machen. Diejenigen, die begreifen, dass ich das freiwillig mache und erst noch ohne grosses Tamtam, wissen‘s die meisten davon sehr zu schätzen.
  • Charlie B. 18.12.2019 16:30
    Highlight Highlight Einfach nur tragisch. Wenn ich eine Bewertung für die Spezies Mensch abgeben müsste dann wäre es nur 1 Stern von 5.
  • Nik G. 18.12.2019 16:25
    Highlight Highlight Und trotzdem gibt es immer noch Personen in der Schweizer Politik die sagen in der Schweiz hat man kein Problem, man muss dies in den Ländern anpacken die den Abfall produzieren.
    Ich denke nicht dass dieser Hirsch Ferien in Indien, Indonesien oder so gemacht hat.
    Oder ist es vielleicht ein illegaler Immigrant, so ein Grenzgänger. Dann hätte man die nächste Ausrede.
  • wasps 18.12.2019 16:17
    Highlight Highlight Plastik ist die Pest der Neuzeit!
  • Baccaralette 18.12.2019 16:14
    Highlight Highlight Und bitte erwähnt auch, dass dieser Hirsch durch Anwohner angefüttert worden ist!

    Füttern von Wildtieren mit Haushaltabfällen ist dumm und gefährdet das Tier!
    Und überhaupt - Tiere die einem nicht gehören, füttert man nicht. Weder Enten noch Pferde noch Katzen!
  • Roboterschwein 18.12.2019 15:59
    Highlight Highlight "Weil der Hirsch in Siedlungsnähe ein Sicherheitsrisiko darstellte, wurde er von Wildhütern abgeschossen..." - Wer kennt sie nicht, die unzähligen gewalttätigen Übergriffe durch Hirsche...
    • Saraina 19.12.2019 07:49
      Highlight Highlight Es gibt keine Zwischenfälle mit Hirschen, weil diese selten durch die Siedlungsgebiete streifen. Ansonsten kann ein Hirsch durchaus aggressiv werden, und hat beeindruckendes Werkzeug dabei. Auch ist es nicht so toll, wenn dir ein Hirsch am Morgen früh oder Nachts beim Heimfahren vors Auto läuft.
  • Liquidpsy 18.12.2019 15:56
    Highlight Highlight Unglaublich! Das fehlen mir echt die Worte!

    Höhere Strafen für Littering sind bitter nötig. Ausserdem sollte man wohl auch bei der Jugend mehr Aufklärung betreiben. Ich mag mich noch an meine Zeit in der Schule erinnern als wir jedes Wochenende im Wald waren.. Ich muss leider zugeben das wir damals auch nicht immer alles mitgenommen haben :/

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