Zwangsräumung einer 87-Jährigen bewegt ganz Spanien
Seit Dienstagabend harrten Hunderte Menschen vor einem Wohnhaus im Madrider Stadtteil Retiro. Der Grund: Sie wollten die Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal verhindern.
Maricarmen wohnte über 70 Jahre lang in jener Wohnung. Ihr Vater hatte sie 1956 angemietet; mit dem Tod der Eltern übernahm sie das Mietverhältnis, schreibt RTVE. Damals war der Mietpreis gesetzlich begrenzt. So zahlte Maricarmen seither nur 500 Euro monatlich – ein guter Preis, insbesondere, weil sie seit ihrer Pension von rund 1400 Euro Rente leben muss.
Doch 2018 kam der Schock: Das Immobilienunternehmen Urbagestion kaufte das Gebäude auf und erhöhte Maricarmens Miete um rund 250 Prozent. Statt der gewohnten 500 Euro sollte die Pensionärin zunächst 2650, dann 1650 Euro monatlich bezahlen. Geld, das sie nicht hat. Urbagestion berief sich darauf, dass Maricarmen nicht den nötigen Beeinträchtigungsgrad vorweise, um vom städtischen Mietgesetz, das den Preis deckelt, geschützt zu sein.
Seither gab es vier Versuche, die Pensionärin aus ihrer Wohnung zu räumen; die ersten drei waren gerichtlich gestoppt worden. Doch diesen Mittwoch gelang der vierte Anlauf, nachdem ein Angebot einer anonymen Spenderin, einen Grossteil von Maricarmens Miete zu übernehmen, von der Immobilienfirma abgelehnt worden war.
Trotz des lautstarken Protests zahlreicher Demonstranten – darunter auch Hollywood-Schauspieler Javier Bardem – wurde die sichtlich angeschlagene Maricarmen von Sicherheitskräften aus ihrer Wohnung und anschliessend in ein Spital gebracht.
Luego dirán los medios que los manifestantes contra el desahucio de Maricarmen son violentos.
— Eduardo Gutierrez. (@eduardoguti_) September 23, 2026
Gritan:
! No estás sola, Maricarmen !
! No estás sola, Maricarmen !
Cuando las fuerzas del ‘orden’ (que establecen los especuladores) la echan de su casa. https://t.co/bW3Hro5DNa pic.twitter.com/8W9EjjqHL2
Politik schreitet ein
Der tragische Fall hat in ganz Spanien Wellen der Empörung ausgelöst. Nicht zuletzt deswegen sprach der spanische Premierminister Pedro Sanchez von einer «sozialen Tragödie». Er warf sowohl der Stadtregierung als auch der Gemeinschaft von Madrid vor, Probleme bezüglich Mieten ignoriert zu haben.
Ähnliche Töne kamen von Wohnungsbauministerin Isabel Rodriguez: «Heute ist ein sehr trauriger, ein sehr dramatischer Tag, an dem die Auswirkungen ungezügelter Spekulation und des Verzichts auf Marktregulierung deutlich werden – ein Tag, an dem ‹Geiern› und Spekulanten der rote Teppich ausgerollt wird». (cpf)
