Neun tote Frauen in zwei Monaten in Südafrika – Polizei verhaftet Verdächtige
Was ist passiert?
In Südafrika sind der Polizei zufolge innerhalb von gut zwei Monaten neun Frauenleichen in der Grossstadtgemeinde Ekurhuleni gefunden worden. Obwohl die Taten besorgniserregende Ähnlichkeiten aufwiesen, wollte die Polizei bisher nicht von einem Serienmörder sprechen.
Im Zusammenhang mit dem Mord an einer Frau in Boksburg, östlich von Johannesburg, wurden nun zwei Frauen angeklagt. Es handelt sich dabei um den jüngsten Leichenfund: Eine 38-Jährige, die Anfang September joggen ging und nicht zurückkehrte.
Ob die beiden angeklagten Frauen auch im Zusammenhang mit der Mordserie stehen, dazu macht die Polizei keine Angaben. Die örtliche Polizei bezeichnete die Verhaftungen der beiden jedoch als einen «Durchbruch», wie die BBC schreibt. Ein Mann, der ebenfalls verhaftet worden war, wurde zwischenzeitlich ohne Anklageerhebung wieder entlassen.
Alle Opfer seien in der Region, die im Osten an die Wirtschaftsmetropole Johannesburg grenzt, gewaltsam getötet worden, teilte die Polizei mit. Sie sollen zwischen 20 und 40 Jahre alt gewesen seit, schreibt die BBC. Die Frauen wurden ausserdem ganz oder teilweise entkleidet aufgefunden und sollen ähnliche Verletzungen aufgewiesen haben. Die Opfer sollen ihrem ganz normalen Alltag nachgegangen sein, als sie ermordet wurden.
Was sagen die Behörden?
Der amtierende Polizeiminister Firoz Cachalia bezeichnete die Fälle als «zutiefst beunruhigend». «Zwar muss im Rahmen der Ermittlungen geklärt werden, ob die Fälle miteinander in Zusammenhang stehen, doch die Möglichkeit, dass ein oder mehrere Täter es gezielt auf Frauen abgesehen haben, erfordert unser dringendes und entschlossenes Handeln», sagte er.
Die Polizei rief Frauen in Ekurhuleni zu besonderer Vorsicht auf. Präsident Cyril Ramaphosa wies die Polizei an, Ermittlungen zu den neun mutmasslichen Morden zu priorisieren.
Wie reagiert die Öffentlichkeit?
Die Leichenfunde sorgten landesweit für Entsetzen. Vor der Verhaftung der beiden Frauen haben die Morde eine Debatte über das Ausmass geschlechtsspezifischer Gewalt neu entfacht.
In einem Kommentar für The Guardian, kritisierte die südafrikanische Aktivistin Nolethu Ndude den Verhaltensaufruf der Polizei. Anstatt Männer in die Verantwortung zu ziehen, werde von Frauen erwartet, dass sie sich ständig anpassen. Sie schreibt:
Insbesondere das Verschwinden der 38-jährigen Joggerin sorgte im Land für Schlagzeilen. Erst nachdem andere Läuferinnen und Läufer aus ihrer Jogginggruppe eine Suchkampagne in den sozialen Medien gestartet hatten, berichteten die örtlichen Medien jedoch verstärkt.
Das Land am Südzipfel des afrikanischen Kontinents mit rund 63 Millionen Einwohnern ist von hoher Kriminalität sowie hoher Gewalt gegen Frauen geprägt. Laut dem südafrikanischen Forschungsrat für Humanwissenschaften erlebt ein Drittel aller erwachsenen Südafrikanerinnen körperliche Gewalt. Allein in den drei Monaten zwischen April und Juni wurden in Südafrika einer Polizeistatistik zufolge 5'427 Menschen ermordet – oder im Schnitt 60 pro Tag.
(pem ergänzt mit Material von sda/dpa)
