Schweiz
Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt: In der Schweiz gibt es zu wenig Mädchenhäuser

Ein Tisch mit Stofftiere liegen im Warteraum der Kindes- und Erwachsenenschutzbehoerde (KESB) der Stadt Zuerich anlaesslich einer Medienkonferenz nach welchen Kriterien private Beistaende eingesetzt w ...
Die Schweiz bietet gemäss Expertinnen gerade gewaltbetroffenen Mädchen zu wenig Schutz. (Symbolbild)Bild: KEYSTONE
Häusliche Gewalt

Jedes 8. Kind ist von Gewalt betroffen – trotzdem gibt es zu wenig Mädchenhäuser

Alleine das Mädchenhaus Zürich musste letztes Jahr 108 schutzsuchende Mädchen abweisen. Eine junge Frau, die einen Platz erhalten hat, erzählt.
13.09.2026, 14:4813.09.2026, 14:48

Jedes achte Kind in der Schweiz erlebt regelmässig elterliche Gewalt, Tendenz seit Jahren steigend. Das geht aus Zahlen von Kinderschutz Schweiz hervor. Gemäss einer Studie kommen jährlich 30'000 bis 50'000 Kinder mit Kinderschutzbehörden in Kontakt.

Obwohl Mädchen deutlich häufiger von elterlicher psychischer, physischer und sexueller Gewalt betroffen sind, gibt es in der Schweiz zu wenige Mädchenhäuser. Darüber berichtet der «SonntagsBlick», der mit einer Betroffenen gesprochen hat.

Sie nimmt zurzeit einen der sieben Plätze im Mädchenhaus Zürich in Anspruch. Den Schritt machen wollte sie schon ein halbes Jahr früher, aber: «Ich wollte meine Mutter und meine Geschwister nicht im Stich lassen», sagt die 20-Jährige, die unter der Gewalt ihres Vaters zu leiden hatte.

Es bräuchte mindestens 42 Plätze

«Auf einen freien Platz kommen seit Schulbeginn diesen August etwa 25 Anfragen», sagt die Geschäftsführerin des Mädchenhauses Zürich, Maria Mondaca. «Letztes Jahr mussten wir 108 Mädchen abweisen».

Weil Mädchenhäuser teurer sind als Frauenhäuser, ist bei ihnen die Finanzierungsfrage eine noch grössere Herausforderung, schreibt der SonntagsBlick. Im Kanton Bern zum Beispiel brauchte es 15 Jahre politische Diskussion, bis im Juni dieses Jahres in Biel ein zweites Mädchenhaus eröffnet wurde. Mondaca geht davon aus, dass die Schweiz mindestens 42 Schutzplätze für Mädchen und junge Frauen bräuchte.

Für die 20-jährige junge Frau, mit der der SonntagsBlick gesprochen hat, war der Aufenthalt im Mädchenhaus eine Befreiung. Sie hat einen Job gefunden und ist – weil der gewalttätige Vater ausgezogen ist – zu ihrer Familie zurückgekehrt. Sie rät anderen Mädchen, die sich in einer ähnlichen Notlage befinden: «Lasst die Angst nicht gewinnen. Das Leben kann so viel besser sein.»

(her)

Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Erlebst du in deiner Familie körperliche oder psychische Gewalt oder möchtest einfach mit jemandem reden? Hol dir Hilfe, du bist nicht allein.Willst du mit jemandem über deine Ängste und Sorgen reden, kannst du dich hier oder unter der Telefonnummer 147 melden.Eine umfassende Liste mit offiziellen Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche, Eltern oder andere Personen zu verschiedenen Themen findest du für die ganze Schweiz hier. Wenn du dich sexuell von Kindern oder Jugendlichen angezogen fühlst, kannst du dich kostenlos an die Beratungsstelle Beforemore (per Mail oder Telefon) wenden.

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