International
UNO

Fall Skripal: So geben sich Russland und Grossbritannien auf den Deckel

«Goebbels-Methoden!»: So geben sich Russland und Grossbritannien auf den Deckel

06.04.2018, 08:4006.04.2018, 09:34

In der Affäre um den vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sind Russland und Grossbritannien im Uno-Sicherheitsrat heftig aneinander geraten. Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensia sprach von einem «absurden Theater».

Die Regierung in London spiele mit dem Feuer, wenn sie Russland vorwerfe, hinter dem Anschlag auf Skripal und seine Tochter zu stehen, sagte Nebensia am Donnerstag. Es werde ihr leid tun.

Russian Ambassador to the United Nations Vassily Nebenzia holds up a copy of "Alice's Adventures in Wonderland" as he speaks during a Security Council meeting on the situation between B ...
Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensia mit einer Ausgabe von «Alice im Wunderland».Bild: AP/AP

Russland, auf dessen Antrag der Uno-Sicherheitsrat zusammentrat, wehrt sich gegen den Vorwurf des Westens, hinter dem Angriff auf Skripal und dessen Tochter zu stecken. «Hätten Sie nicht eine bessere erfundene Geschichte präsentieren können?», fragte Nebensia.

Der russische Uno-Botschafter sprach von einem «Propaganda-Krieg», der gegen sein Land angezettelt werde. Ziel sei es, Russland «zu diskreditieren und zu delegitimieren». Mit Blick auf den Propagandaminister im nationalsozialistischen Deutschland sprach Nebensia von «Goebbels-Methoden».

Grossbritannien wehrt sich

Grossbritannien verteidigte dagegen sein Vorgehen. Britische Polizisten hätten das Nervengift an der Tür von Skripals Haus in Salisbury sichergestellt. «Wir glauben, dass das britische Vorgehen jeder Untersuchung standhält. Wir haben nichts zu verstecken ... aber ich befürchte, dass Russland etwas zu befürchten haben könnte», sagte die britische Uno-Botschafterin Karen Pierce.

British Ambassador to the United Nations Karen Pierce speaks during a Security Council meeting on the situation between Britain and Russia Thursday, April 5, 2018 at United Nations headquarters. (AP P ...
Die britische Uno-Botschafterin Karen Pierce.Bild: AP/AP

Pierce sagte weiter, London habe vollkommen im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt. Ihr Land lasse «sich nicht in Sachen Moral oder hinsichtlich unserer Verantwortung von einem Land belehren, das so viel getan hat, um die angemessene Aufklärung von Chemiewaffen-Einsätzen in Syrien zu verhindern».

Bericht: Russisches Militärlabor identifiziert

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im englischen Salisbury vergiftet worden. Die britische Regierung macht Moskau für den Giftanschlag verantwortlich; Russland weist jede Verantwortung zurück.

Einem Zeitungsbericht zufolge hat der britische Geheimdienst ein russisches Militär-Forschungslabor als Quelle des Giftes identifiziert. Die Zeitung «Times of London» berief sich auf ein Treffen des britischen Geheimdienstes mit Verbündeten. Dabei hätten die Geheimdienstler erklärt, das Gift Nowitschok sei in einer Militäreinrichtung im Südwesten Russlands produziert worden, hiess es in dem Bericht.

Der Fall hat zu der schwersten diplomatischen Krise zwischen Russland und Grossbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten seit dem Kalten Krieg geführt. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte. Die Sitzung des Uno-Sicherheitsrats am Donnerstag wurde von Russland beantragt. (sda/afp/reu)

«Treten Sie 2030 wieder als Präsident an?»

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3
Untersuchung zeigt: Strommast löste 2025 Brände bei Los Angeles aus
Gut achtzehn Monate nach den verheerenden Flächenbränden im Raum Los Angeles haben Ermittler einen Bericht über die Ursache des sogenannten Eaton-Feuers veröffentlicht. Der tödliche Brand im Januar 2025 sei von einem Strommast des kalifornischen Versorgers Southern California Edison (SCE) ausgegangen, heisst es in der Untersuchung der Feuerwehr des Bezirks Los Angeles. Bei dem Brand nahe Pasadena und Altadena kamen 19 Menschen ums Leben, mehr als 9000 Gebäude wurden zerstört oder beschädigt.
Zur Story